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MV aktuell Feuerwehr-Chef: „Wir brauchen mehr Löschhubschrauber“
Nachrichten MV aktuell Feuerwehr-Chef: „Wir brauchen mehr Löschhubschrauber“
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20:14 01.07.2019
Hubschrauber im Einsatz beim Waldbrand in Lübtheen. Quelle: Timo Jann
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Rostock/Bremen

Einen Waldbrand von dieser Ausdehnung hat Mecklenburg-Vorpommern noch nicht erlebt. Auf über 400 Hektar eines alten Truppenübungsplatzes bei Lübtheen lodern die Flammen, die vom Wind immer wieder angefacht werden.

Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, zu der Frage, ob wir uns jetzt häufiger mit solchen Brandkatastrophen auseinandersetzen müssen.

Sind die Feuerwehren in Deutschland für einen möglichen weiteren Dürresommer mit zahlreichen Waldbränden gerüstet?

In Deutschland haben wir den Vorteil, dass unsere Wälder im Vergleich zu anderen Ländern relativ klein und gut erschlossen sind. Bei den großen Waldbränden in Schweden 2018 haben unsere Kameraden erlebt, dass die Brände teilweise 50 Kilometer von der nächsten Siedlung entfernt waren. Wir haben zwar auch große Waldflächen, in die man aber gut hinein kann. Zudem haben wir in Deutschland eine Million Feuerwehrkräfte, die flächendeckend verteilt sind. Wir sind also schneller am Brand, das ist unser großer Trumpf.

Lassen sich die Brände denn nicht verhindern?

Wenn der Klimawandel so kommt wie von Experten vorhergesagt, wird es insgesamt mehr Waldbrände geben, das ist unvermeidlich. Dennoch müssen wir beim vorbeugenden Brandschutz besser werden. Unsere Wälder bestehen oft aus Nadelhölzern. Wenn sie verwildern und sich viel Unterholz bildet, brennt das, als ob jemand Benzin ausgegossen hätte. Mischwälder sind deutlich weniger anfällig. Zudem müssen wir die Wälder besser aufräumen, etwa die Äste von gefällten Bäumen beseitigen. Der Gesetzgeber ist hier aufgerufen, Regeln zu schaffen und durchzusetzen, die für alle privaten und öffentlichen Waldbesitzer gelten. Wir brauchen auch Waldwege, die von Feuerwehrfahrzeugen befahren werden können, und ausreichend Wasserentnahmestellen, die in regenarmen Sommern nicht austrocknen.

Beim aktuellen Waldbrand in Lübtheen können die Feuerwehrfahrzeuge aber gar nicht bis zum Brandherd, weil die Fläche munitionsbelastet ist...

Das ist gerade in Ostdeutschland ein Problem: Vor allem rund um Berlin und an ehemaligen Truppenübungsplätzen gibt es noch große unberäumte Flächen. Die Feuerwehr muss bei einem Brand 1000 Meter Abstand halten. So weit reicht natürlich kein Wasserstrahl. Eine richtige Lösung kann ich da auch nicht anbieten. Man kann eine Auffanglinie bilden, wo man den Brand stoppen will, und dort mit Bergepanzern eine Schneise schaffen. Je nach Baumhöhe sollte diese 20 Meter oder breiter sein. Wenn der Wind die Flugfeuer über die Schneise weht, kann es aber sein, dass sie diesen Kampf dennoch verlieren. Aber wenn man weiß, dass da niemand lebt, kann man auch mal zehn Hektar aufgeben.

Ein erneutes Feuer auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) hält die Region in Atem.

Wären nicht Löschflugzeuge wie in anderen Ländern eine Möglichkeit?

Nein, Löschflugzeuge brauchen wir nicht, denn sie könnten ihre Wirksamkeit in unseren relativ kleinen Wäldern gar nicht entfalten. Wir haben in Deutschland auch nicht die ungenutzten Wasserflächen, die für die Wasseraufnahme gebraucht würden. Löschhubschrauber können dagegen Wasser auch in kleineren Seen aufnehmen und es zielgerichtet an einer Stelle ablassen oder auch an einem Hang oder in einem Tal. Die Feuerwehren haben keine eigenen Hubschrauber, daher sind wir auf verlässliche Partner bei der Polizei und der Bundeswehr angewiesen. Leider haben mehrere Landespolizeien in letzter Zeit aus Kostengründen Hubschrauber angeschafft, die keine Außenlasten tragen können. Und die Bundeswehr kann mitunter nicht genug einsatzfähige Hubschrauber und Besatzungen stellen. Insgesamt bräuchten wir deutschlandweit 10 bis 15 zusätzliche Hubschrauber, die auch zum Löschen eingesetzt werden können.

Und wie sieht es mit der übrigen Ausrüstung aus?

Wir brauchen mehr Waldbrand-Spezialfahrzeuge, die hochgeländegängig und nicht zu schwer sind, damit sie nicht im Waldboden einsinken. Auch Spezialkleidung ist bei Waldbränden besser geeignet. Die bisherige Schutzausrüstung ist für Innenbrände mit extrem hohen Temperaturen bis zu 800 Grad konzipiert. Darin wird es den Kameraden schnell sehr warm. Bei Waldbränden reicht eine geringere Schutzwirkung, da die Ausrüstung deutlich niedrigeren Temperaturen ausgesetzt wird. Sie ist leichter und führt die Körperwärme besser ab.

Ein großes Problem im Hitzesommer 2018 waren neben den Waldbränden auch Brände in Müllentsorgungs- und Recyclingunternehmen.

Ich kann für Bremen sagen, dass diese Brände in den letzten Jahren zugenommen haben, bundesweit kann ich das nur vermuten. Ein Grund dafür ist vermutlich die Zunahme von Lithium-Ionen-Akkus, nicht nur in Handys, sondern auch in intelligenten Kaffeemaschinen oder Toastern. Sie können sich entzünden und Feuer verursachen. Und wenn so eine große Müllhalde erst einmal brennt, ist ein riesiger Material- und Personalaufwand nötig, um sie zu löschen. Wir empfehlen daher den Entsorgungsbetrieben, kleinere, von einander getrennte Haufen zu bilden. Wärmebildkameras könnten Brandherde schnell entdecken. Zudem sollte auf dem Firmengelände Löschausrüstung gelagert werden, an dem das Personal geschult wird.

Axel Büssem

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