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MV aktuell Warnemünder Volkshotel: neuer Besitzer, altes Konzept
Nachrichten MV aktuell Warnemünder Volkshotel: neuer Besitzer, altes Konzept
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00:00 22.09.2017
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Warnemünde

Es war ein Senkrechtstarter: Das im März 2013 eingeweihte Warnemünder „A-ja“-Hotel erreichte gleich im Eröffnungsjahr eine Auslastung von 90 Prozent. Im Ranking des Hamburger Branchenanalysten Treugast Solutions gehört der Elfgeschosser an der Warnemünder Promenade damit bundesweit zu den erfolgreichsten Newcomer-Hotels.

Laut „A-ja“-Management kann das Haus diese Superauslastung bis heute halten. Grund für den ungewöhnlich hohen Zuspruch der Gäste ist offenbar das neuartige Konzept. Das als sogenanntes Volkshotel konzipierte Haus punktet mit einem Preismodell, bei dem die reine Übernachtung nicht einmal halb so teuer ist wie bei der Konkurrenz. Die „kleine Schwester“ des „Neptun“-Hotels – wie das 233 Zimmer zählende Haus manchmal auch genannt wird – arbeitet mit einem flexiblen Buchungsmodell, bei dem der Gast nur den Komfort bezahlt, den er auch nutzt.

Geführt wird das Warnemünder „A-ja“ durch eine Tochterfirma der Deutschen Seereederei (DSR), die die Volkshotel-Idee damals als neue Marke entwickelt hatte und das Konzept inzwischen auch in Brandenburg und Schleswig-Holstein umsetzt. Auch das benachbarte „Neptun“ wird durch die DSR-Tochter betrieben.

Die beiden ungleichen „Schwestern“ – bis 2015 im Besitz der Deutschen Seereederei – haben aber inzwischen verschiedene Besitzer. Innerhalb weniger Monate hatte DSR-Gesellschafter Horst Rahe (78) die beiden Top-Lage-Hotels verkauft, ohne dass die Öffentlichkeit etwas mitbekam.

Neuer Eigentümer des „A-ja“ ist Friedemann Kunz, Inhaber des Fertighaus-Herstellers Scanhaus Marlow (Vorpommern-Rügen). Dem gehören schon andere schöne Immobilien im Ostseebad, unter anderem der „Teepott“ und das „Hotel am Leuchtturm“, außerdem das „Radisson blu“-Hotel in Rostock, die Giebelhäuser „Burwitz legendär“ und „Alex“ sowie in Marlow das Recknitztal-Hotel. In Warnemünde hat Kunz heute Grund zum Feiern: Nach mehr als acht Monaten Komplettsanierung wird das „Hotel am Leuchtturm“ wiedereröffnet. Sechs Millionen Euro hat der 61-Jährige dabei investiert. „Fast so viel, wie ich mal dafür bezahlt habe“, sagt der Unternehmer. Solche Summen zahlt auch Kunz nicht aus der Portokasse. „80 Prozent sind über Kredite finanziert“, betont er.

Erst vor ein paar Tagen hatte Kunz in der OSTSEE-ZEITUNG ausführlich über die Ausweitung seiner Immobiliengeschäfte berichtet. Über das „A-ja“ allerdings hatte er da kein Wort verloren. „Man muss doch nicht immer alles gleich ausplaudern“, meinte er gestern. Mit seinem Vertragspartner Horst Rahe hatte er Stillschweigen vereinbart. Auch zum Kaufpreis äußern sich beide bisher nicht.

Über den Verkaufswert der beiden anderen, ehemaligen DSR-Immobilien allerdings kursieren im Internet bereits Zahlen. Die Summe für das kleine, aber feine „Louis C. Jacob“-Hotel an Hamburgs Elbchaussee soll bei 40 Millionen Euro gelegen haben. DSR-Chef Rahe meint dazu: „Das könnte hinkommen.“ Die im Netz für das Warnemünder „Neptun“ gehandelten 100 Millionen Euro bestreitet er jedoch.

„Viel zu hoch“, meint Rahe. Und ergänzt: „Ich bin nicht gierig.“ Wichtiger als der Verkaufspreis sei ihm ein langfristiger Pachtvertrag zu guten Konditionen, für das „Neptun“ sei der für 35 Jahre vereinbart worden.

Die Aufregung um die DSR-Immobilienverkäufe kann Horst Rahe nicht nachvollziehen. Das Geschäftsmodell der Holding seien der Betrieb von Hotels und Resorts, zudem Entwicklung und Bau neuer Ferienimmobilien. „Wenn ein Objekt fertig ist, wird es verkauft“, betont Rahe. Die Resorts würden dann langfristig zurückgepachtet. Dieses Modell sei in der Branche üblich. Auch Ketten wie Hilton, Holiday Inn oder Marriott würden so agieren. Rahe: „Durch den Verkauf haben wir Geld, das wir in neue Projekte stecken.“ So in ein weiteres „A-ja“-Resort in Garmisch-Partenkirchen (Bayern), wo gerade ein Grundstück erworben wurde. Wenn alles gut läuft, wird es 2020 eröffnet. Rahe: „Und auch das wird dann wieder verkauft.“

Elke Ehlers und Andreas Ebel

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