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MV aktuell Tausende gehen auf die Straße – Hälfte der Schulen in MV betroffen
Nachrichten MV aktuell Tausende gehen auf die Straße – Hälfte der Schulen in MV betroffen
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18:24 27.02.2019
Lehrer, Mitarbeiter der Ministerien und Landesverwaltungen und andere Beschäftigte des öffentlichen Dienstes protestieren am Mittwoch in Schwerin für mehr Geld in den laufenden Tarifverhandlungen. Quelle: Jens Büttner / dpa
Schwerin/Rostock

Der Platz zwischen der Staatskanzlei, dem Sitz von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), und Finanzministerium ist voll. 3000 Lehrer, Polizisten, Forst- und Feuerwehrleute oder Verwaltungsmitarbeiter stehen dort und rufen: „Sechs Prozent mehr“. Sie fordern ein höheres Gehalt von ihrem Arbeitgeber, dem Land.

Mehrere Gewerkschaften haben am Mittwoch zum Warnstreik nach Schwerin gerufen, bevor die dritte Runde der Tarifverhandlungen am Donnerstag stattfindet. Die Demonstranten sind laut. Vuvuzelas, Pfeifen und Rasseln ertönen. „Ich bin wütend“, brüllt Christian Schumacher, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, auf der Bühne ins Mikrofon. Scharf kritisiert er einen Brief mit Verhaltenshinweisen, den das Finanzministerium vor Tagen an Beschäftigte sandte. Diesen Einschüchterungsversuch nehme man nicht hin. „Ich bin wütend auf diese Typen, die jedes Mal erklären, warum wir nicht streiken sollen“, ruft Schumacher. Die Menge johlt. Der GdP-Chef kritisiert die Arbeitgeber für die Hinhaltetaktik in der Tarifrunde.

Es geht vor allem um weniger Pflichtstunden

Es gehe nicht nur ums Geld, erklärt Annett Lindner, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Viele Lehrer im Land seien ausgelaugt, Lindner fordert weniger Pflichtstunden, mehr Geld für Grundschullehrer, Qualifizierung von Seiteneinsteigern, Bezahlung aller Überstunden. Die GEW werde demnächst ein Konzept vorlegen. Scharf kritisiert sie das Tempo, mit dem gerade eine Schulgesetz-Novelle durch den Landtag geboxt werde. Wieder auf Kosten der Lehrer, fürchtet Lindner. Und: Es sei „eine große Schweinerei“, dass bislang kein Angebot der Arbeitgeber auf dem Tisch liege. Das hat nichts mit Wertschätzung im öffentlichen Dienst zu tun.“

Aufregung in der Menge. Ministerpräsidentin Schwesig ist herausgekommen, spricht mit Demonstranten. Ein Fernsehteam interviewt sie. Gute Bilder für eine Politikerin. Aus allen Landesteilen sind die Streikenden gekommen, auch Beamte, obwohl die nicht streiken dürfen. Michael Teich ist dennoch da, er nutze – aus Solidarität – seine „aktive Mittagspause“, sagt der Polizist und Sprecher des Innenministers. Das sei erlaubt.

 

Beschäftigte des öffentlichen Dienstes aus Mecklenburg-Vorpommern haben am Mittwoch ihrem Unmut lautstark Luft gemacht: Sie wollen mehr Anerkennung – durch mehr Gehalt.

Verständnis bei vielen Eltern

An zahlreichen Schulen des Landes herrschte in den Morgenstunden deutlich weniger Trubel als in der Landeshauptstadt. In vielen Städten gab es eingeschränkten Unterricht oder kompletten Stundenausfall. Viele der bestreikten Schulen hatten zumeist einen Notdienst eingerichtet für die Eltern, die keine Möglichkeit hatten ihre Kinder unterzubringen. Die Rostockerin Svantje Güldenpenning brachte beispielsweise ihre Tochter an die Werner-Lindemann-Grundschule und sagte: „Alle, die ihre Kinder nicht zu Hause lassen können, bringen sie hierher. Es ist sehr wichtig, dass ein Notdienst eingerichtet wurde.“

Über dem Eingang zur Nationalpark-Grundschule „Ostseeblick“ in Sassnitz auf Rügen prangte ein Banner mit der Aufschrift „Warnstreik“. Daneben wehten zwei Gewerkschaftsfahnen im Wind. „Die Kinder werden betreut oder nach Hause geschickt“, sagt eine junge Frau, die vergeblich an dem Griff der Schultür zieht. Sie habe zum Glück frei und könne sich deshalb um ihre kleine Schwester kümmern. Die wollte in der Schule nur ihre Hausaufgaben abholen, musste aber unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen.

Die Klassen müssen kleiner werden

Am ZOB in Rostock versammelten sich in den frühen Morgenstunden etwa 350 Lehrer, um nach Schwerin zu fahren. „Aber ich würde es auf insgesamt 800 aus dem Landkreis Rostock schätzen“, sagt GEW-Vorstand Kerstin Morawetz. Mit dabei ist auch Katja Steffen von der Grundschule am Taklerring. „Unser oberstes Ziel ist es, die Bedingungen an Schulen zu verbessern. Wir brauchen mehr Lehrer und die Klassen müssen kleiner werden“, fordert sie.

Bei der Inklusion fehle es an den nötigen Voraussetzungen: „Wo sind die baulichen Voraussetzungen in den Schulen, ganz zu schweigen von der personellen Ausstattung?“, fragte GEW-Vorsitzende Lindner. Mit einem eigenen Personalentwicklungskonzept will die GEW die Landesregierung zu Verbesserungen verpflichten. Unter anderem müsse die Zahl der Pflichtstunden, die Lehrer wöchentlich unterrichten, gesenkt und Grundschullehrer genauso bezahlt werden wie ihre Kollegen an den weiterführenden Schulen.

„Grundsätzlich geht es nicht um eine Lohnerhöhung, sondern um eine Reduzierung der Pflichtstunden“, sagte ein Gymnasiallehrer aus Boizenburg (Landkreis Ludwigslust-Parchim) am Rande der Kundgebung. Das sei aber eine politische Forderung, die nicht im Tarifstreit verhandelt werden könne. MV drohe mit seiner im Vergleich hohen Zahl von Pflichtstunden den Wettbewerb unter den Bundesländern um Lehrkräfte zu verlieren. „Über kurz oder lang werden wir keinen Nachwuchs mehr rankriegen und Seiteneinsteiger zum Massenphänomen werden“, sagte er. Eine Kollegin vom Gymnasium Sanitz (Landkreis Rostock) sagte, es gehe „definitiv um eine Stundenreduzierung“. Man schaffe die Arbeit einfach nicht mehr, die Qualität leide.

Besonders betroffen ist die Insel Rügen

Von mehr als 600 Schulen des Landes seien mehr als die Hälfte bestreikt worden, teilte die GEW am Mittwoch Nachmittag mit. An wie vielen Schulen genau Unterricht ausfiel, werde erst in einigen Tagen feststehen, hieß es wiederum vom Bildungsministerium. Nach GEW-Angaben gab es vor allem im Osten des Landes Schulen, deren Lehrkräfte jedoch nicht nach Schwerin fuhren. So seien etwa viele Schulen in Eggesin und Pasewalk (Landkreis Vorpommern-Greifswald) und auf der Insel Rügen vollständig oder nahezu vollständig bestreikt worden.

Am Donnerstag soll die dritte Verhandlungsrunde im Tarifstreit beginnen. Die Beschäftigten fordern sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro. Außerdem sollen etwa die Sonderpädagogen des Landes gleichgestellt und die Gehälter von verbeamteten und angestellten Grundschullehrern angeglichen werden.

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