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Warum dieser Mann aus MV schon über 400 000 Bäume gepflanzt hat

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15:13 16.12.2019
Dirk Vegelahn (50) pflanzt jedes Jahr tausende neue Bäume, allein in MV hat er in den vergangenen sechs Jahren 82 000 Setzlinge in die Erde gebracht. Quelle: privat
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Rostock

Dieser Mann forstet das Land auf: Dirk Vegelahn pflanzt Bäume. Mit System und im Akkord. „Alles eine Frage der Logistik“, sagt er. Sein Spitzenwert liegt bei 2500 Setzlingen. Am Tag! „Viele machen den Fehler und legen beim Pflanzen zu viele Wege zu Fuß zurück. Die rackern sich dann mehr ab als ich, schaffen aber nur 500 an einem Tag.“ Jedes Bündel enthält 25 Setzlinge. „Die verteile ich so, dass ich nicht jedes Mal hin- und herlaufen muss, wenn ich neue brauche.“

Dem Wald geht’s auch in Mecklenburg-Vorpommern so schlecht wie seit Jahren nicht. Waren beim letzten großen Waldsterben in den 80er Jahren Industrieabgase und saurer Regen die Hauptverursacher des Baumsterbens, gehen Experten heute fest davon aus, dass der Klimawandel den gesunden Wald verändern und Teile, die durch zu viel Wild bereits vorgeschädigt sind, vernichten wird. Andreas Baumgart, Chef des Forstamtes Schuenhagen in der Nähe von Stralsund, hat wenig Mühe, zu zeigen, was das Wild anrichten kann, wenn es in übergroßer Zahl durch die Wälder streift.

Beinahe alle Keimlinge am Waldboden sind von Rehen mindestens einmal abgefressen worden, fast immer machen sich die Tiere über die Spitzen der Haupttriebe der noch jungen Pflanzen her. In solchen Fällen beginnen sich die restlichen Zweige der kleinen Bäume viel zu früh zu gabeln. Sie wachsen zu sehr in die Breite. „Keine Chance, dass das dann noch vernünftige Bäume werden“, sagt Baumgart.

11 070 Bäume in 13 Tagen

Die Setzlinge werden in Bündeln zu je 25 Pflanzen angeliefert. Quelle: privat

Die Setzlinge, die Dirk Vegelahn mit seinem Spaten in die Erde bringt, werden deshalb eingezäunt. Dennoch wird längst nicht jeder die vielen Jahre überstehen, bis aus ihm ein veritabler Baum geworden ist. Seit 2009 hat der 50-Jährige 408 000 Bäume gepflanzt, davon 82 000 in Mecklenburg-Vorpommern.

Im November setzte er eine Facebook-Nachricht aus dem Stadtwald von Teterow ab: „11 070 Bäume habe ich in den letzten 13 Tagen gepflanzt, auf 3,5 Hektar Fläche. Ulmen, Erlen, Eichen, Kirschen, Schwarznuss sowie Waldrandsträucher und Wildobst schmücken jetzt die Kahlfläche, die durch das Eschentriebsterben und die lange Dürre entstanden ist. Nebenbei hat die Arbeit auch mich verändert, im Kopf entspannt, auf das Wichtige im Leben fokussiert – und ganze fünf Kilogramm weniger, das ist gut für Körper und Geist.“

In MV steht ein großer Teil von Vegelahns Bäumen in den Wäldern rund um Sanitz bei Rostock, wo er aufgewachsen ist. „Menschen, die Bäume pflanzen, kehren immer wieder an ihren Tatort zurück“, sagt er. Dort schaut er nach, was aus dem Wald, den er selbst angelegt hat, nach Jahren geworden ist.

4080 Tonnen CO2 weniger

Mit einer gekonnten Drehung des Hohlspatens schafft Vegelahn ein Loch, das auf Anhieb die richtige Größe für einen kleinen Baum hat. Quelle: privat

Bäume pflanzen ist praktischer Klimaschutz, erklärt der Forstingenieur und Umweltpädagoge und rechnet das vor. 1000 Bäume würden der Atmosphäre zehn Tonnen Kohlendioxid entziehen. Insofern sei seine Bilanz bei 408 000 Bäumen mit einem Potenzial von 4080 Tonnen weniger Kohlendioxid nicht so schlecht.

Vegelahn schränkt aber ein: „Dazu müssten natürlich alle meine Bäume überleben, was nicht der Fall ist.“ Dennoch dürfe man darüber nachdenken, wann Menschen, die wie er Bäume pflanzen, ein Guthaben erhalten, weil sie helfen, CO2 abzubauen, während die Verursacher ab 2021 25 Euro für jede Tonne des Klimagases zahlen sollen, die sie an die Umwelt abgeben. Allein seine Herbstpflanzung in diesem Jahr helfe, langfristig 110 Tonnen Kohlendioxid abzubauen.

Vegelahns Vita ist bunt. Er fängt 1986 als Forstwirt an, studiert später nach der Wende Forstwirtschaft, ist angestellt im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, wird später Stadtförster in Barth und im Anschluss Umweltpädagoge und Veranstaltungsorganisator im Nationalparkzentrum Darßer Arche.

„Ich pflanze Wälder und schaffe was für die Zukunft.“

Seit einigen Jahren ist Vegelahn selbstständig und betreibt das Umweltbildungsprojekt „Kiebitzer“, unter dessen Dach alles stattfindet, was mit Wald zu tun hat: Umweltbildungsveranstaltungen, Naturreisen, Gutachten, Aufforstungen und so weiter. Der Name ist angelehnt an den Kiebitz, „einen Vogel, der vor allem auf den Feuchtgrünwiesen in Vorpommern noch existieren kann“ und deshalb für diesen Landstrich stehe.

Vegelahn weiß, was er antwortet, wenn ihn die Generation Fridays for Future eines Tages fragt, was er gegen den Klimawandel getan habe: „Ich pflanze Wälder und schaffe was für die Zukunft.“ Dieser Wald werde aber anders aussehen als heute: Bäume der Zukunft werden Arten sein, die besser mit Trockenheit, höheren Temperaturen, aber auch starken Regenfällen zurechtkommen. Genau diesen Wald pflanzt Vegelahn nicht erst morgen oder irgendwann, er tut es seit langem.

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