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MV aktuell Was aus stillgelegten Militärstandorten in MV geworden ist
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12:18 31.03.2019
Der frühere Militärflugplatz auf Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten soll zu einem Ferienressort werden. Quelle: Ernst Fischer
Schwerin

Ruinöse Wohnblocks oder blühende Gewerbegebiete – aufgegebene Militärstandorte in Mecklenburg-Vorpommern sehen heute sehr verschieden aus. Ein Blick in den aktuellen Konversionsbericht der Landesregierung zeigt, was die Kommunen aus den Kasernen gemacht haben und noch machen wollen. Das Land unterstützt die Konversion mit Millionen-Beträgen und begleitet die oft langwierigen Vorhaben. Mancherorts erschweren allerdings wechselnde Überlegungen im Verteidigungsministerium die Planungen.

Bundeswehr-Materialdepots in Rechlin

Die Schließung des Bundeswehr-Materialdepots in Rechlin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) war lange vorher für 2018 angekündigt worden. Die Gemeinde will das Gelände für den Tourismus nutzen und plante dafür frühzeitig. Das Depot wurde dann auch im ersten Halbjahr 2018 geschlossen - aber nicht zur Verwertung freigegeben. Die Prüfung, ob der Standort überhaupt geschlossen wird und wenn ja, wann, soll dem Bericht zufolge laut Bundeswehr erst Ende 2019 abgeschlossen sein. „Die Gemeinde kann mit dem langfristig und finanziell aufwendig geplanten Konversionsvorhaben daher nicht wie vorgesehen beginnen“, heißt es. Ebenso stocke die Beseitigung von Kriegstrümmern und -altlasten. Das sorgt für Unzufriedenheit in Rechlin.

Bundeswehrkaserne in Eggesin

Nach der Schließung der Bundeswehrkaserne im Ortsteil Karpin im Jahr 2015 hat die Stadt auf Teilen der 135 Hektar großen Fläche Gewerbe angesiedelt. Photovoltaik-Anlagen werden aufgestellt. Allerdings stufte das Verteidigungsministerium ein Jahr später den benachbarten Übungsplatz Jägerbrück wieder zu einem Truppenübungsplatz hoch. In Berlin wird dem Bericht zufolge geprüft, ob auch die Kaserne wieder in Nutzung genommen wird. Das Bebauungsplanverfahren der Stadt für das betroffene Areal sei daraufhin teilweise gestoppt worden. Eggesin hoffe nun auf eine kurzfristige Positionierung der Bundeswehr, was mit der Kaserne in Karpin werden soll.

Flugplatz Pütnitz bei Ribnitz-Damgarten

Die Kleinstadt am Bodden will auf einem rund 230 Hektar großen Teil des ehemaligen Flugplatzes Pütnitz, der bis 1945 von der Wehrmacht und danach bis 1994 von der sowjetischen Luftwaffe genutzt wurde, ein Ferien- und Freizeitressort etablieren. Dazu entschloss sie sich dem Bericht zufolge bereits im Jahr 2008. Zehn Jahre später, 2018, hätten neben einem Investor, der gegebenenfalls den Großteil des Areals für sich beanspruchen werde, auch mehrere kleinere Bewerber Interesse bekundet. Die Stadt sei mit den potenziellen Investoren im Gespräch und werde vom Wirtschaftsministerium begleitet.

Flugplatz Neubrandenburg-Trollenhagen

Die Bundeswehr gab den Flugplatz Neubrandenburg-Trollenhagen 2014 auf, im Jahr 2024 soll auch die Kaserne geschlossen werden. Erste Konversionserfolge gibt es bereits: Auf dem nordwestlich vom Flughafen gelegenen Gewerbegebiet hat ein ortsansässiger Metallbau-Unternehmer 14 000 Quadratmeter erworben und baut dort eine Produktionshalle. „Darüber hinaus gab es für dieses Areal mehrere Investorenanfragen“, so der Bericht. Weitere Gewerbeflächen sollen erschlossen werden. Außerdem ist Neubrandenburg-Trollenhagen dem Bericht zufolge als Außenstandort einer in Schleswig-Holstein geplanten Technischen Universität im Gespräch.

Industriegebiet „Garnison Techentin/ Stüdekoppel“ in Ludwigslust

Im 13,5 Hektar großen Industriegebiet „Garnison Techentin/ Stüdekoppel“ hat laut sich Konversionsbericht im vergangenen Jahr ein Logistikzentrum angesiedelt. Darüber hinaus führe die Stadt Gespräche mit einem weiteren Interessenten für eine Ansiedlung. Aktuell stünden noch fünf Hektar Fläche des Industriegebiets zum Verkauf. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Flächen durch den Neubau der A14 in der Nähe wolle die Stadt weitere Gewerbeflächen erschließen und habe dazu eine benachbarte, 16 Hektar große Fläche auf ehemaligem Militärgebiet sowjetischer Streitkräfte ins Auge gefasst.

Militäranlagen in Stavenhagen

Die Stadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte kann einiges vorweisen: Der Nordteil der Kaserne Mecklenburgische Schweiz sowie des Technikbereiches der Lützow-Kaserne im Ortsteil Basepohl wurden schon vor Jahren ein Industriegebiet. Verzögert wird die Nachnutzung des Südteils der Kaserne Mecklenburgische Schweiz. Als die Bundeswehr das Objekt 2015 aufgab, hatte die Kommune bereits einen fertigen Bebauungsplan in der Schublade. Industrie soll angesiedelt werden. Allerdings beanspruchte das Land im selben Jahr rund 30 Prozent des Areals, um Flüchtlinge unterzubringen. Erst im November 2018 entschied das Kabinett, dass es die Kaserne nicht mehr benötigt. So konnte zunächst nur ein Teil der Flächen vermarktet werden.

Iris Leithold