Wasserschutzpolizei Wolgast erhält neue moderne Schlauchboote
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MV aktuell Auf Spritztour: Minister Caffier testet neue Schlauchboote der Wasserschutzpolizei in Wolgast
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Wasserschutzpolizei Wolgast erhält neue moderne Schlauchboote

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19:00 10.09.2020
Innenminister Lorenz Caffier auf Spritztour auf dem Peenestrom: Polizeihauptkommissar Thomas Müller führt ihm eines der beiden neuen Schlauchboote der Wasserschutzpolizeiinspektion Wolgast vor. Quelle: Tilo Wallrodt
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Wolgast

Zweimal 175 PS für den Schutz der grenznahen Gewässer und der Umweltbelange: Die Wasserschutzpolizeiinspektion Wolgast hat aus dem Projekt Interreg V A zur „Überwachung der Gewässer Westpommerns und Mecklenburg-Vorpommerns“ zur Erhaltung der Biodiversität zwei neue Schlauchboote erhalten. Denn gerade auf deutscher Seite befinden sich zahlreiche besonders schützenswerte Naturräume – dazu gehören Natur- und Nationalparks sowie Biosphärenreservate.

Gemeinsam mit der polnischen Polizei gehen die deutschen Beamten auf Streife, auch für Polen gab es ein neues Schlauchboot. Während der jährlich etwa 100 gemeinsamen Bootsstreifen werden Kontrollen zur Einhaltung der umwelt- und wasserrechtlichen Vorschriften gemacht, da sowohl Umweltsünder als auch Raser auf dem Wasser mehr geworden sind. Besonderer Fokus der Wasserschutzpolizei liegt aber auf Fischwilderei. Mehrfach hatten sich die Fischer der Region darüber beklagt und ein schnelleres Eingreifen der Polizei gefordert.

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Boote bis zu 40 Knoten schnell und sehr wendig

Innenminister Caffier auf Probefahrt mit dem neuen Schlauchboot der Wasserschutzpolizeiinspektion Wolgast. Quelle: Tilo Wallrodt

Mit den beiden neuen Schlauchbooten MV 16 und MV 17 vom Typ „Humber Ocean Pro 650“ ist das nun leichter möglich. Die Boote sind bis zu 40 Knoten schnell, extrem wendig und auf dem Gelände der Wasserschutzpolizeiinspektion in Wolgast stationiert. Innenminister Lorenz Caffier (CDU), der die Boote am Mittwoch inspizierte, machte auf dem Peenestrom mit Polizeihauptkommissar Thomas Müller im wahrsten Sinne des Wortes eine kleine Spritztour und zeigte sich begeistert. Insgesamt flossen rund 340 000 Euro aus einem EU-Programm zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in die Anschaffung der drei Boote samt Trailern.

Normalerweise sollten seit Sommer deutsche und polnische Beamte gemeinsam mit den Booten auf Streife in der Pomerania-Region gehen. Wegen der Corona-Pandemie ist das nicht möglich. Doch die Polizisten haben eine andere Möglichkeit gefunden: Wie die Direktorin des Landeswasserschutzpolizeiamtes MV, Anja Hamann, informierte, gebe es nun sogenannte Spiegelstreifen – die deutschen und polnischen Polizeibeamten sind zwar jeweils allein, aber zeitgleich unterwegs.

Schon 37 Verstöße geahndet

Und sie waren sehr erfolgreich, denn insgesamt 37 Verstöße wurden bereits aufgenommen. Dabei ging es neben Delikten im Fischereirecht (Wilderei) auch um Umweltverstöße, wie etwa Gewässerverunreinigung und illegale Müllentsorgung. Auch etliche Bootsführer wurden abgestraft, weil sie zu rasant auf dem Wasser unterwegs waren.

Das Gebiet dieses Interreg-Projektes erstreckt sich auf polnischer Seite auf das gesamte Gebiet Westpommerns und auf deutscher Seite auf die Landkreise Vorpommern-Greifswald, Vorpommern-Rügen und Mecklenburgische Seenplatte. Durch das gemeinsame polizeiliche Handeln gilt es nach Aussage des Leiters der Wolgaster Wasserschutzpolizeiinspektion, Jens Mattutat, in Polen über 5650 Quadratkilometer und in MV über 7300 Quadratkilometer Wasserfläche zu überwachen.

Fischer hoffen auf Hilfe durch Wasserschutzpolizei

Fischer der Region machten auf den Niedergang der Fischerei in MV aufmerksam und suchten das Gespräch mit dem Innenminister. Unterstützung bekamen sie von Vertretern der FDP im Kreis. Quelle: Tilo Wallrodt

Fischer der Region begrüßten die Indienststellung der beiden neuen Boote. Gerade sie seien immer wieder von Fischwilderei betroffen. Andererseits hoffen sie, dass nun schneller bei Aktionen wie der von Greenpeace im Adlergrund eingegriffen wird. Die Umweltorganisation Greenpeace hatte dort mehrere Tage Dutzende tonnenschwere Granitbrocken in die Fahrrinne gekippt, um die Schleppnetzfischerei zu unterbinden. Die Fischer fordern deshalb eine Beendigung des Kompetenzgerangels von Bund und Land, um gegen solche Aktionen einzuschreiten.

Im Falle von Greenpeace hatte weder die Küstenschutz- noch die Wasserschutzpolizei eingegriffen. Erst das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie hatte die Aktion unter Androhung von Strafe untersagt und von einem gefährlichen Eingriff in das Fischereirecht gesprochen. Wie Fischer Alexander Steffens im Namen der anderen Fischer aus Freest und von der Insel Usedom sagte, sei ihr Berufszweig vom Aussterben bedroht angesichts immer neuer Auflagen, Quotenkürzungen und sonstiger Eingriffe bei der Ausübung der Fischerei. Unterstützt wurden die Fischer durch FDP-Mitglieder aus dem Kreis. Innenminister Caffier machte ihnen allerdings wenig Hoffnung, dass sich die Kompetenzstreitigkeiten schnell beilegen lassen.

Von Cornelia Meerkatz