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MV aktuell Wechsel zu Bio nimmt Fahrt auf
Nachrichten MV aktuell Wechsel zu Bio nimmt Fahrt auf
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00:00 01.09.2018
In der Bio-Gärtnerei an der Rostocker Küstenmühle erntet Annelore Sedat Tomaten. Quelle: Fotos: Dietmar Lilienthal, Cornelius Kettler
Schwerin

Die Marke ist geknackt: 150000 Hektar werden seit diesem Sommer in Mecklenburg-Vorpommern ökologisch bewirtschaftet – und das bereits drei Jahre eher als von der Landesregierung im Koalitionsvertrag angepeilt. „Der Zuwachs an Ökofläche ist deutlich größer als erwartet“, freut sich Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). „Die Landwirte haben die Zeichen der Zeit erkannt.“

Jeder fünfte Agrarbetrieb in Mecklenburg- Vorpommern wirtschaftet ökologisch. Der Bedarf an Bio-Produkten ist groß.

Allein zwischen Januar und Mai dieses Jahres kamen fast 10000 Hektar neue Öko-Fläche hinzu, mehr als im gesamten Vorjahr. Fast jedes fünfte Agrarunternehmen im Land sei ein Biohof, betont Minister Backhaus. Im Ländervergleich liegt MV mit 19,3 Prozent Ökobetrieben auf Platz eins – vor Brandenburg und dem Saarland, wo jeweils 12,5 Prozent der Agrarbetriebe ökologisch arbeiten.

„Das ist die richtige Richtung“, meint der Öko-Experte beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Burkhard Roloff. „Die Nachfrage nach Bioprodukten ist groß.“ Bisher könne die Branche den Bedarf nicht mit heimischer Ware decken. Öko-Rohstoffe wie Getreide, Milch, Fleisch, Obst und Gemüse würden noch in großen Mengen importiert, so aus Österreich, Dänemark und Italien.

Ökobauern nutzen in MV inzwischen mehr als elf Prozent der Agrarfläche. Erst im vorigen Sommer war die Zehn-Prozent-Marke geknackt worden. Auch damit behauptet sich MV auch in der Spitzengruppe der Bundesländer. Hinter dem Saarland, Hessen und Brandenburg belegt MV Platz vier. Bundesweit liegt der Anteil der Bio-Fläche erst bei sieben Prozent.

Obwohl das von der Landesregierung bis zum Ende der Legislaturperiode gesteckte Ziel bereits erreicht ist, fördert das Land den Ausbau der Öko-Landwirtschaft auch 2019. Bestehende Biohöfe könnten bis Ende Oktober Erweiterungsanträge stellen, Neueinsteiger sollten sich bis Mai 2019 entscheiden, heißt es aus dem Ministerium.

BUND-Vertreter Roloff hofft, dass mehr konventionell wirtschaftende Agrarbetriebe mit guten Böden ihre Höfe auf Öko umstellen, das nutze auch dem Umwelt- und Tierschutz. Roloff: „Ökobauern arbeiten ohne Agrarchemie, verzichten auf gentechnisch verändertes Futter und stellen ihren Tieren mehr Platz als im konventionellen Landbau zur Verfügung.“

Verbraucher, die sich ein praktisches Bild davon machen wollen oder Kontakt zu Biobauern suchen, können am 22. September an einer landesweiten „Bio-Landpartie“ teilnehmen. Zwischen Rügen und Schönberg (Nordwestmecklenburg) öffnen 62 Öko-Betriebe ihre Türen. Roloff: „In hofeigenen Bäckereien, Käsereien, Mühlen und Fleischereien können Besucher auch erleben, wie die Rohstoffe schonend verarbeitet werden.“

Backhaus appelliert an die Branche, die Erschließung neuer Absatzmöglichkeiten nicht zu vernachlässigen. „Bei 7,5 Millionen Urlaubern sehe ich für den Absatz regionaler Bio-Produkte deutlich mehr Potenzial“, betont der Minister. Die Bio-Gärtnerei an der Rostocker Küstenmühle beliefert bereits drei Restaurants in der Hansestadt. Tomaten, Gurken, Kohlrabi, Zuccini, Salat und Kürbisse wachsen in der Stadtrand-Gärtnerei, die die gemeinnützige Neue ohne Barrieren GmbH betreibt. „Wir stellen aber auch Kisten mit Bio-Gemüse zusammen, die online vermarktet werden“, berichtet Gärtner Markus Brost.

In öffentlicher Gemeinschafts-verpflegung in Betriebskantinen, Mensen und Krankenhausküchen wird ebenfalls noch viel zu wenig mit Bio-Produkten gekocht. Bei der jüngsten Sommerreise der Öko-Anbauverbände war aufgefallen, dass beispielsweise die größte Uni-Mensa des Landes in der Rostocker Südstadt kaum Ökogerichte anbietet. „Natürlich ist das eine Preisfrage“, weiß BUND-Vertreter Roloff. Doch der 59-Jährige hält es sei wichtig, gerade junge Leute für Bio zu begeistern. „Man kann doch mit Gemüse und Kartoffeln anfangen.Wenigstens einmal in der Woche müsste ein vegetarisches Öko-Gericht drin sein.“

Für den Aufbau eines Netzwerkes Ökologischer Landbau, das auch Verarbeitung und Gastronomie umfasst, stellt das Schweriner Ministerium rund 550000 Euro zur Verfügung. Ein richtiger Schritt, betont Roloff. „Uns fehlen Betriebe, die die Bio-Rohstoffe verarbeiten, damit die Wertschöpfung im Land bleibt.“ Gebraucht würden dezentrale kleinere Schlachthöfe und Fleischzerlegebetriebe, aber auch Firmen, die Fruchtaufstrich, Saft oder Öko-Konserven herstellen.

Rund 70 neue Bio-Höfe seit vorigem Sommer

15 Prozent des in Deutschland produzierten Bio-Schweine- und Bio-Rindfleisches stammen aus Mecklenburg-Vorpommern, außerdem rund 20 Prozent der Öko-Eier. Laut Schweriner Agrarministerium werden im ostdeutschen Norden 28 Prozent der Legehennen und 50 Prozent der Mutterkühe ökologisch gehalten. Insgesamt wirtschaften fast 960 Höfe nach den

Kriterien des Öko-Landbaus, allein seit dem vorigen Sommer kamen

70 neue dazu.

Ökobauern arbeiten ohne Agrarchemie, verzichten auf gentechnisch verändertes Futter und stellen ihren Tieren mehr Platz als im konventionellen Landbau zur Verfügung.

Elke Ehlers

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