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MV aktuell Weihnachten im Hochsommer: Zu Besuch beim Herrn der Tannen aus Marlow
Nachrichten MV aktuell Weihnachten im Hochsommer: Zu Besuch beim Herrn der Tannen aus Marlow
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09:48 16.08.2019
Benedikt Schneebecke hat seit 2008 hauptberuflich mit Weihnachtsbäumen zu tun – als Chef der Firma „Ostseetanne“. Quelle: Martin Börner
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Rostock/Alt Steinhorst

Badehose, Sonnencreme und Taucherbrille – für diese Sommerutensilien hat Benedikt Schneebecke selbst jetzt im August nichts übrig. Stattdessen ist der junge Mann auch bei Außentemperaturen von mehr als 25 Grad voll auf Weihnachten eingestellt.

Mit seinen Mitarbeitern sorgt der Inhaber eines Forstbetriebes aus der Nähe von Marlow dafür, dass die Menschen aus MV und der ganzen Republik am 24. Dezember einen prachtvollen Baum in der Stube stehen haben.

Und das braucht Zeit. „Es dauert etwa sieben bis acht Jahre, bis ein Weihnachtsbaum verkaufsfertig ist“, sagt Schneebecke. Er kann deshalb Beschwerden über den Preis nicht nachvollziehen. „Für einen Blumenstrauß zahlen viele locker 20 bis 30 Euro. Und die Blumen sind in zwei bis drei Monaten gewachsen und brauchen nicht Jahre wie unsere Bäume“, sagt er. Das Problem sei, dass viele Kunden durch die Preise der Tannen bei Discountern „das Gefühl dafür verlieren, wie viel Handarbeit darin steckt“.

Ob mit den Tannen oder der Deko: Einige Menschen im Land haben auch im Hochsommer ständig mit Weihnachten zu tun.

Jahrelanges Wachstum und viel Handarbeit

Und das ist tatsächlich eine ganze Menge. „Wir bekommen die Pflanzen als Setzlinge von speziellen Baumschulen. Die ersten zwei bis drei Jahre geht es nur darum, sie vom Unkraut freizuhalten“, sagt Schneebecke. Dann beginne jedoch die Arbeit: „Den ersten Formschnitt gibt es ab dem vierten Standjahr und dann jährlich. Dazu kommt im fünften Jahr, dass wir den oberen Terminaltrieb, also die Spitze, regulieren und möglichst kurz halten müssen.“

Alles einzeln von Hand und an jedem der unzähligen Bäume. Auch das Unkraut müsse bekämpft werden – rund um die Jungbäume vorsichtig mit der Sense, später mit speziellen Maschinen. Die letzten Handarbeitsschritte vor dem Verkauf sind dann das Etikettieren sowie das Fällen der Bäume mit einer hydraulischen Zange, wobei Benedikt Schneebecke dabei durch Saisonkräfte unterstützt wird.

70 000 Neuanpflanzungen pro Jahr

Pro Jahr werden von dem Forstbetrieb etwa auf 12 bis 15 Hektar rund 70 000 Bäume neu angepflanzt. „Hauptsächlich Nordmanntannen – die haben sich durchgesetzt, weil sie nicht stacheln und sich gut kultivieren lassen“, sagt Schneebecke. Aber auch duftende Blaufichten, Nobilis-Tannen sowie Weymouth-Kiefern werden angebaut. Aufgrund der Menge an Bäumen könne er vom Weihnachtsbaumgeschäft ganz gut leben, sagt der junge Unternehmer.

Einige Jahre hätte er sogar auf Bio gesetzt und Pflanzenschutzmittel sowie Dünger weggelassen. „Man steckt viel Zeit und Geld in die Fläche und dann, wie zum Beispiel 2011, kommt der große Regen. Da wurden die unbehandelten Bäume auf einmal alle gelb und dann wollte sie keiner mehr“, blickt Schneebecke zurück. Das plötzliche Auftauchen eines Schädlings könnte so eine Existenzkrise auslösen.

Mittlerweile arbeitet der 39-Jährige wieder konventionell und setzt zwar Pflanzenschutz sowie Dünger ein, aber „nur sparsam und von Hand“. Der Herr der Tannen sieht sogar einen Nutzen für die Natur durch seine Dauerkultur: „Die Tiere haben so fast zehn Jahre lang einen Unterschlupf.“

Die Felder rund um Alt Steinhorst sind ein Abbild des Wachsens und Werdens der Weihnachtsbäume: Vom 25 Zentimeter kleinen Exemplar bis zur 1,75 Meter großen prächtigen Tanne ist alles dabei. „Wir haben sogar sechs Meter hohe – zum Beispiel für Kirchen oder Hotelfoyers“, so Schneebecke.

Boomender Onlinehandel mit der Ostseetanne

Schneebecke ist seit 2008 im Geschäft, übernahm den Landwirtschafts- und Forstbetrieb seiner Eltern, die sich in den 90er-Jahren nahe Marlow niederließen und 1999 begannen, sich auf den Anbau von Sanddorn sowie Weihnachtsbäume zu konzentrieren. Mittlerweile werden diese unter dem Namen „Ostseetanne“ bundesweit und sogar ins europäische Ausland verschickt. 2014 startete Schneebecke den Onlinehandel in einer exklusiven Partnerschaft mit der Firma Karls.

In einer großen Halle auf dem Hof von Benedikt Schneebecke lagern bereits stapelweise Kartons. Denn auch wenn sich nicht jeder Paketbote darüber freuen wird: Der Onlinehandel mit den Tannen aus Marlow boomt. „Die Bestellungen trudeln schon jetzt im August oder September ein“, sagt der Familienvater. Geschlagen würden die Bäume dann drei Tage vor dem Versand, damit sie noch trocknen könnten, bevor es auf die teilweise lange Reise geht.

Ein Herz für individuelle Einzelstücke

Neben dem Onlinehandel beliefert der Betrieb den Großhandel plus 25 eigene Verkaufsstände in der Region sowie in Schleswig-Holstein und Berlin. „Und wir bieten in der Vorweihnachtszeit Termine zum Selbstschlagen der Bäume an, die werden immer beliebter“, sagt Schneebecke.

Während der Großhandel strenge Kriterien an die Größe und Form der Bäume hat, bekämen beim Selbstschlagen auch individuelle Exemplare die Chance auf den Platz in einer heimeligen Stube. Auch wenn Schneebecke täglich dafür sorgt, dass die Bäume die perfekten Maße und Formen bekommen – er selbst schenkt zu Weihnachten immer einem vermeintlichen Mängelexemplar ein Zuhause. „Die schönsten Bäume lassen wir natürlich für unsere Kunden“, sagt er schmunzelnd.

Weihnachtsmarkt öffnet im Oktober

Was in diesem Jahr zum Fest an den Tannenbäumen hängt, wissen die Dekorationsexperten des Rostocker Fachmarktes Grönfingers ganz genau. Schließlich steht ihr Lager im Sommer bereits voller Weihnachtsartikel. Sobald Ende August die letzten Gartenmöbel und Sommerblumen aus dem Blickfeld der Kunden verschwinden, wird auf der großen Ausstellungsfläche mit dem Aufbau des traditionellen Weihnachtsmarktes begonnen, der am 2. Oktober eröffnet wird.

Während sich Einheimische und Urlauber noch in die Ostsee stürzen und die letzten Sommertage genießen, arbeiten die Deko-Profis dann bereits mit Kugeln, Lichterketten und Kerzenleuchtern. „Bei uns hat dann jede Abteilung mit Weihnachten zu tun – ob mit der Herstellung der Gestecke oder den Weihnachtssternen. Das geht sogar bis hin zur saisonal angepassten Speisekarte des Restaurants“, sagt Lissy Hoppe.

Inspiriert von Fachmessen in Indien und China

Die Vorbereitungen dafür haben schon im Januar begonnen. Schließlich sind Anfang des Jahres die großen Weihnachtsmessen, auf denen sich auch die Mitarbeiter von Grönfingers umschauen: in Frankfurt, Hamburg, aber auch Indien oder China. „Dieses Weihnachten ist für uns schon durch“, sagt Liane Pocher mit Blick auf die Bestellung der Ware.

Aus jahrelanger Erfahrung weiß sie, „dass jeder Kunde mit seiner persönlichen Idee von Weihnachten ankommt“ – ob traditionell aus der Kindheit geprägt oder modern. Neben der größten Auswahl an Erzgebirgsdeko im Norden gebe es deshalb auch ausgefallene Dinge wie Weihnachtskugeln mit Totenköpfen. Selbst Kunstbäume mit LED-Beleuchtung wären dabei. „Ein Trend ist die Kategorie Landlust. Kugeln mit Tieren drauf sind der Renner“, sagt Pocher.

Tausende Bäume in Dänemark geordert

Ihr Kollege Heiko Rademacher ist seit 1993 bei Grönfingers für die Auswahl der Bäume zuständig. Die Gespräche für die diesjährige Lieferung seien schon geführt. Geordert würden „ein paar tausend Stück, der größte Teil Nordmanntannen; von 75 Zentimeter bis zu fünf Metern Größe“, sagt er. Rademacher bestellt die Bäume in Dänemark. „Das ist für uns im Norden der kürzere Weg, die deutschen Bäume kommen ja sonst meist aus Süddeutschland. Und in Skandinavien ist das Klima dafür besser“, so der Experte.

Was Rademacher beobachtet hat, sei ein Trend zu größeren, dafür aber immer schlankeren Bäumen. „Wahrscheinlich werden die Fernseher in den Stuben dafür immer breiter“, mutmaßt er schmunzelnd. Ansonsten müssten die Tannen eine schöne pyramidale Form haben und dicht gewachsen sein. „Man sollte nicht mit dem Fußball durchschießen können“, macht Rademacher anschaulich.

Seine Kunden hätten hohe Erwartungen an die Qualität und wüssten, dass sie diese auch bekommen. Waren es früher meist Firmen, die vor dem 1. Advent zum Baumkauf kamen, seien es heute auch viele Privatkunden, die nicht erst an Heiligabend ihre Tanne holen und schmücken wollen.

Einige der Stammkunden könnten den Start des Weihnachtsbaumverkaufs kaum erwarten. „Manche drehen unzählige Runden, bevor sie sich entscheiden. Bei der Auswahl spielen sich manchmal auch Dramen ab“, sagt Rademacher. Er ist dennoch überzeugt, dass bei ihm „jeder Kunde den für sich passenden Baum findet“. Schließlich ist Rademacher Profi und denkt sogar im Hochsommer nur an Weihnachten.

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Von Claudia Labude

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