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MV aktuell Gefährliche Sucht: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es die meisten Raucher
Nachrichten MV aktuell Gefährliche Sucht: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es die meisten Raucher
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07:39 31.05.2019
Ein Frau zieht an einer Zigarette. Mecklenburg-Vorpommern ist das Bundesland mit dem höchsten Raucheranteil. Quelle: Christoph Schmidt/dpa
Rostock

In keinem anderen Bundesland wird so viel geraucht wie in Mecklenburg-Vorpommern. Nach Angaben des Statischen Landesamts greift mehr als jeder vierte Einwohner (27 Prozent) ab 15 Jahren regelmäßig zur Zigarette. Der deutschlandweite Durchschnitt ist mit 22 Prozent deutlich geringer. Ab dem kommenden Jahr soll das krebserzeugende Laster teurer werden: Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) plant eine deutliche Anhebung der Tabaksteuer.

110 000 Tote im Jahr

Rainer Siedelberg, Landes-Suchtkoordinator, fordert alle Raucher anlässlich des Weltnichtrauchertags, der an diesem Freitag begangen wird, dazu auf, ihr tödliches Laster einzustellen: „Ziehen Sie die Reißleine, denken Sie an Ihre Gesundheit und an die Menschen in Ihrer Umgebung.“ Jährlich sterben bundesweit 110 000 Menschen an den Folgen des Rauchens, darunter mehr als 3000 Nichtraucher, die als Passivraucher dem blauen Dunst ausgesetzt waren.

Kein Rückgang beim Lungenkrebs

Rauchverbote am Arbeitsplatz und in der Gastronomie zeigten laut offiziellen Statistiken Wirkung. Der Tabakabsatz sinkt. „Wir merken davon aber noch nichts“, sagt Beate Stubbe, Lungenfachärztin an der Uniklinik Greifswald. Nach wie vor stellt ihre Abteilung jährlich bis zu 250 Neudiagnosen für Lungenkrebs aus. Von einem Rückgang sei nichts zu spüren. Es vergehe keine Sprechstunde, ohne dass ein neuer Patient die fatale Diagnose erhält. Die Wahrscheinlichkeit, fünf Jahre danach noch zu leben, beträgt 15 bis 20 Prozent. „Die meisten Betroffenen sind 50 bis 70 Jahre alt, sie haben im Schnitt 30 Jahre lang geraucht, eine Schachtel am Tag“, sagt Stubbe.

Mehr Raucher gehen zum Arzt

Erfreulich: In MV lassen sich mehr Menschen wegen ihrer Nikotinsucht behandeln. Nach Angaben der Krankenkasse KKH nahmen im Nordosten 2017 insgesamt 3150 Versicherte ärztliche Hilfe in Anspruch, wegen Tabakabhängigkeit, Entzugserscheinungen oder psychischer Probleme. Das waren 157 Prozent mehr als zehn Jahre davor. Die Techniker Krankenkasse (TK) bietet ein Internet-Entwöhnungsprogramm an. 2700­ Patienten nahmen bisher bundesweit daran teil. Das sei noch steigerungsfähig, so ein Sprecher der TK-Landesvertretung in Schwerin.

Der Staat verdient an der Sucht

Nach Plänen von Finanzminister Scholz sollen die Einnahmen aus der Tabaksteuer ab 2020 jährlich angehoben werden, um insgesamt 1,2 Milliarden Euro verteilt auf fünf Jahre. Derzeit kostet eine Zigarette etwa 32 Cent. Wie stark der Preis durch die Steuererhöhung steigt, ist laut Zigarettenverband und Finanzministerium noch offen. Laut Medienberichten soll mit der stufenweisen Anpassung – statt auf einen Schlag – ein plötzlicher Einbruch bei den Steuereinnahmen verhindert werden. Mit anderen Worten: Es soll weiter geraucht werden, um die Staatsfinanzen abzusichern. Dabei hätte ein hoher Preis eine abschreckende Wirkung auf Jugendliche, überhaupt erst anzufangen, meint die Greifswalder Lungenärztin Stubbe.

Streit um E-Zigaretten

E-Zigaretten sollen von der Erhöhung ausgenommen werden. Das stößt unter anderem innerhalb der SPD auf Kritik. „Wir dürfen den Umstieg von einer Sucht in eine andere nicht auch noch steuerlich fördern“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding. Tabakkonzerne werben bei Rauchern für den Umstieg auf neue, vermeintlich weniger schädliche Produkte. Experten warnen: Durch E-Zigaretten („Dampfen“) oder Produkte wie „Iquos“, bei denen Tabak erhitzt, aber nicht verbrannt wird, gelangen ebenfalls viele krebsauslösende Stoffe in den Körper.

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