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MV aktuell Wende nach tödlichem Reiterunfall auf Usedom: Augenzeugin erhebt schwere Vorwürfe
Nachrichten MV aktuell Wende nach tödlichem Reiterunfall auf Usedom: Augenzeugin erhebt schwere Vorwürfe
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16:11 21.11.2019
Das getötete Pferd stammt von diesem Privatgestüt in Swinemünde. Quelle: Radek Jagielski
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Garz

Der schwere Zusammenstoß zwischen einem Auto und einer Reitergruppe zwischen Garz auf Usedom und der deutsch-polnischen Grenze auf der B 110 sorgt auch mehrere Tage danach für reichlich Gesprächsstoff.

Laut einer Augenzeugin, die zur Reitergruppe gehört, war der Autofahrer in seinem Opel Astra viel zu schnell auf der B 110 unterwegs. „Im Moment steht Aussage gegen Aussage. Der Autofahrer sagt, dass er vernünftig gefahren ist, die Reiterin behauptet das Gegenteil“, so Polizeisprecherin Katrin Kleedehn.

Und weiter: „Sollte er wirklich viel zu schnell unterwegs gewesen sein, würde man dies anhand der Verletzungen des Pferdes erkennen. Außerdem hätte die Reiterin dann nicht nur einen gebrochenen Arm, sondern wäre womöglich noch schwerer verletzt“, sagt sie. Laut Polizei wurden der Autofahrer sowie seine Beifahrerin bereits vernommen.

Besitzer des Gestüts in Swinemünde sind schockiert

Am Sonntagnachmittag, kurz nach 17 Uhr, ist ein 42 Jahre alter Autofahrer aus Polen bei Dunkelheit mit einem Pferd kollidiert. Die 25-jährige Reiterin stürzte bei dem Crash und brach sich einen Arm. Das Tier erlag am Unfallort seinen Verletzungen. Das Auto erlitt einen Totalschaden und musste abgeschleppt werden. Der Gesamtschaden beträgt laut Polizei 10 000 Euro.

Die junge Frau war in einer fünfköpfigen Reitergruppe unterwegs. Alle Pferde stammen von einem Gestüt aus dem Swinemünder Stadtteil Paprotno, welches sich unmittelbar hinter der Landesgrenze befindet. Der Besitzer des Gestütes wollte sich gegenüber der OZ nicht zu dem Vorfall äußern. Seine Frau sei geschockt, heißt es von polnischer Seite.

Das tote Tier wurde am Montag von einem polnischen Abschleppdienst per Kran geborgen und zurück zum Gestüt nach Swinemünde gebracht. Wie die Polizei in Anklam mitteilt, wurde das Pferd von dort anschließend in eine Tierbeseitigungsanlage nach Koszalin gefahren. Dort wird es fachgerecht entsorgt.

Reitergruppe war nun doch mit Beleuchtung unterwegs

Für die Polizei in Anklam ist nun viel Ermittlungsarbeit gefragt. „Es müssen erstmal alle Fakten genau sortiert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass wir immer einen Dolmetscher benötigen“, sagt Polizeisprecherin Katrin Kleedehn. Die Beamtem stehen noch am Anfang ihrer Ermittlungen. „Ein Kollege war bereits in Polen und hat sich das Unfallauto und die damit einhergehenden Schäden angesehen“, sagt sie.

Entgegen der ersten Polizeimeldung vom Sonntagabend heißt es nun, dass die Reitergruppe im Dunkeln doch beleuchtet unterwegs gewesen sein soll. Nach Aussagen von Polizeisprecherin Katrin Kleedehn trugen alle Reiter auf der Rückseite ihres Helmes rote Leuchten – ähnlich wie bei einem Fahrrad. Damit sie auch für entgegenfahrende Fahrzeuge erkennbar sind, trugen die Reiter Taschenlampen und schalteten das Licht an ihrem Handy ein. Sie waren vorschriftsmäßig auf der rechten Fahrbahnseite unterwegs. „Der Autofahrer behauptet nun, dass er sie gar nicht gesehen hat“, so Kleedehn.

Auch für Pferdeführer gilt die Straßenverkehrsordnung

Laut Polizei müssen sich auch Pferdeführer an die grundsätzlichen Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung halten. Dazu zählt unter anderem das Rechtsgehgebot und die Beachtung von Verkehrszeichen. „Der Pferdeführer muss körperlich und geistig zum Führen geeignet sein, um das Tier zu beherrschen“, so die Sprecherin. Folgende Strecken sind für die Reiter tabu: Autobahnen, Kraftfahrtstraßen sowie Geh- und Radwege. Außerdem müssen sie bei Dunkelheit über genügend Beleuchtung verfügen. Ähnlich wie bei den Radfahrern, sind sie verpflichtet, beim Abbiegen ein Handzeichen zu geben.

Um Unfälle solche zu verhindern, empfiehlt die Polizei das Tragen von reflektierenden Westen und eines Helmes beim Reiter. Für Pferde empfiehlt sich das Tragen von Leuchtgemaschen.

Usedomer Reitverein: Eine Bundesstraße ist nicht optimal zum Reiten

Dass eine Pferdegruppe auf den Bundesstraßen der Insel Usedom unterwegs ist, ist für die Tages- und Jahreszeit relativ ungewöhnlich. Claudia Bluhm vom Usedomer Reit- und Fahrverein sagt gegenüber der OZ: „Eine Bundesstraße ist natürlich nicht optimal. Wir nutzen die Straße auch manchmal, aber hauptsächlich für das Gespannfahren. Wenn man auf der Bundesstraße reitet, dann ist es wichtig entsprechende Signal-Kleidung zu tragen“, sagt sie.

In Swinemünde gibt es vier Reiterhöfe. Polnische Reiter benutzen manchmal Waldwege auf deutscher Seite. Aufgrund des geringeren Verkehrsaufkommens wählen sie die südlichen Gebiete von Usedom um Kamminke, Garz und den Wolgastsee. Die polnischen Vorschriften für das Reiten auf Straßen sind nicht streng. Wenn die Straße keine Seitenstreifen hat, kann sich der Reiter auf der Straße bewegen, ausgeschlossen davon sind jedoch Autobahnen oder Schnellstraßen. Um auf einer öffentlichen Straße zu reiten, muss man mindestens 17 Jahre alt sein. Der Reiter muss über keine besondere Erlaubnis verfügen. Er muss auch nicht mit Reflektoren ausgestattet sein. Bei schlechter Sicht sollte er sich nur auf einer unbefestigten Straße bewegen. Wie von der Polizei in Swinemünde zu erfahren war, gab es bisher keine Zwischenfälle mit Pferden.

Bei Unfällen betraf es hauptsächlich Kutschen. Wie Joanna Ulaczyk-Surowiec vom Hippotherapie- und Reiterhof „Kopytko“ mitteilt, gibt es inzwischen viele Swinemünder, die ihre Pferde in Gestüten auf der deutschen Seite von Usedom halten.

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Von Hannes Ewert und Radek Jagielski

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