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MV aktuell Drastischer Rückgang: In MV wird immer weniger Raps angebaut
Nachrichten MV aktuell Drastischer Rückgang: In MV wird immer weniger Raps angebaut
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08:26 04.05.2019
Elia (4) aus Kühlungsborn hat für seine Mutter einen Rapsblumenstrauß gepflückt. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Strahlend gelbe Rapsfelder so weit das Auge reicht – in Mecklenburg-Vorpommern gehören sie zum typischen Bild des Frühlings. In diesem Jahr fällt die Zahl der leuchtenden Ackerflächen deutlich kleiner aus.

Das Schweriner Agrarministerium teilte mit, dass die Bauern in MV auf einem Viertel weniger Ackerflächen Raps angebaut hätten. Im vergangenen Herbst wurde der Raps auf knapp 169 500 Hektar in MV ausgesät. Das entspräche 14 Prozent weniger als zur Ernte im vorigen Jahr. Seit 2013 sei ein Rückgang von etwa 27 Prozent zu verzeichnen.

Bauern beklagen Verbot von Rapsbeize

Die Ursache dafür liegt laut Landesbauernverband nicht allein in der „Trockenheit während und nach der Aussaat im letzten Herbst“, erklärt Sprecherin Ann-Kristin Hanell. Auch „das Verbot von Pflanzenschutzmitteln, wie der Rapsbeize, ist ein wichtiger Grund. Das sieht man am längerfristigen Rückgang der Rapsanbauflächen.“

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Die Beize ist eine Behandlung des Saatgutes, wodurch die Pflanzen insbesondere über den Winter vor Wurzelschädlingen und Blattläusen geschützt werden. Die Beizstoffe werden in das Innere der Pflanze aufgenommen. Daher sind sie normalerweise ungefährlich für hiesige Insekten, wie Bienen.

Bauern müssen mehr Chemikalien spritzen

Seit dem Verbot im Jahr 2014 müssten die Landwirte deutlich mehr Pflanzenschutzmittel spritzen, um die Erträge zu sichern, so Hanell. So kämen auch Pflanzen und Böden mit chemischen Mitteln in Kontakt, die durch eine Rapsbeize unberührt geblieben wären.

Die Sprecherin berichtet: „Der Trend geht dahin, immer mehr Schutzmittel zu verbieten, und die Zulassung neuer Mittel geht nur sehr langsam voran.“ Dadurch stünden den Bauern nur noch wenige Schutzmittel zur Verfügung. Dies erleichtere Schädlingen, Resistenzen zu entwickeln.

Zudem hätten Landwirte mit höheren Produktionskosten und schlechteren Wettbewerbsbedingungen zu kämpfen. „Die Einbußen bei einem ökologischen Rapsanbau sind 81 Prozent geringer als bei einem konventionellen Anbau“, sagt die Sprecherin.

Probleme für Öl-Hersteller

Wirtschaftliche Probleme verursacht der wenige Raps auch für die Ölmühle des Unternehmens Power Oil im Rostocker Seehafen. Schon in den letzten Jahren musste der Öl-Hersteller zunehmend ausländischen Raps importieren, um den einheimischen Bestand aufzustocken.

Als Betreiber einer Ölmühle müsse man sich Gedanken machen, wie man die nötige Menge an Rohstoffen halten kann, berichtet Geschäftsführer Henry Kämpf. Sein Kollege Andreas Hammler sagt: „Uns wäre es auch lieber, wenn wir die Wertschöpfung komplett im Land hätten – vom Anbau bis zum Verkauf.“

Die Ölmühle verarbeitet pro Jahr knapp eine Million Tonnen Raps. Mittlerweile habe sich der Anteil aus MV beinahe halbiert.

Entlastung für Umwelt und Trinkwasser

Umweltschützer hingegen begrüßen den Raps-Rückgang. Burkhard Roloff vom Bund für Umwelt und Naturschutz sagt: „Es ist sehr schön, dass es weniger Raps gibt, da so andere Fruchtfolgen angebaut werden.“ Die gelben Pflanzen benötigten viel giftige Dünge- und Pflanzenschutzmittel. „Wenn wir weniger davon haben, ist das eine Entlastung für die Umwelt und das Trinkwasser“, so der Ökolandbau-Experte. „Je vielfältiger die Fruchtfolge, desto besser ist es für die Umwelt und den Artenschutz.“

Er betont, dass der Anbau von Raps ursprünglich so beliebt gewesen sei, da die Aussaat, Pflege und Ernte recht unkompliziert sind. Allerdings gehe mit dem häufigen Anbau auch ein vermehrtes Auftreten von Schädlingen und Krankheiten einher.

Zudem seien die Ernteerträge bei hoher Pflanzenkonzentration stärker gefährdet. Fallen die Bedingungen für die meistgesäte Pflanzenart schlecht aus, zum Beispiel durch die Wetterverhältnisse, erwarten die Bauern wesentlich höhere Einbußen, als wenn sie viele verschiedene Pflanzen angebaut hätten. Was das bedeute, habe man „im letzten Jahr gesehen“, sagt Roloff.

Touristiker bleiben gelassen

Auf die Tourismusbranche habe die verminderte Zahl gelber Felder indes keine spürbaren Auswirkungen. „Man muss ja nicht gänzlich auf den Raps verzichten“, erklärt Tobias Woitendorf, Sprecher des Tourismusverbandes MV. „Die Entscheidung, eine Reise nach MV zu unternehmen, hängt nicht davon ab, ob oder wie viel Raps blüht.“

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