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MV aktuell Wenn Angehörige aufgeben, droht der Notstand
Nachrichten MV aktuell Wenn Angehörige aufgeben, droht der Notstand
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17:23 18.12.2018
Eine Krankenschwester führt auf der Geriatrischen Station im Kreiskrankenhaus Wolgast eine Patientin zu ihrem Zimmer. Quelle: ZB
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Schwerin

Der größte Pflegedienst Deutschlands – die Familie - stößt an seine Grenzen. Viele pflegende Angehörige sind erschöpft, wie aus einer am Dienstag in Schwerin vorgestellten Studie der Krankenkasse Barmer hervorgeht. Ohne die Angehörigen gehe es nicht, sagte der Landesgeschäftsführer der Barmer, Henning Kutzbach. Dann drohe der Pflegenotstand. Doch der Gesundheitszustand der pflegenden Angehörigen ist besorgniserregend.

In Mecklenburg-Vorpommern müssen nach Angaben der Barmer prozentual mehr Menschen gepflegt werden als in jedem anderen Bundesland. Fünf Prozent der Bevölkerung im Nordosten seien pflegebedürftig, im Bundesschnitt seien es nur 3,7 Prozent. Gut drei Viertel der Menschen würden zuhause von der Familie betreut. 58 000 Männer und Frauen im Nordosten seien als Hauptpflegepersonen registriert, 4350 von ihnen würden diese Aufgabe gerne abgeben. Bundesweit gibt es laut Studie 2,5 Millionen pflegende Angehörige, von denen 185 000 die Pflege am liebsten einstellen würden.

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Pflegende Angehörige sind häufiger krank als andere. 59 Prozent leiden unter Rückenbeschwerden, jeder zweite unter einer psychischen Störung. Die Pflegebedürftigen sind meist über 75 Jahre alt, die Einkommen liegen bei jedem dritten unter 1000 Euro.

Die Pflegenden wissen Kutzbach zufolge häufig nicht, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen können. Angebote wie Kurzzeitpflege, Tagespflege, Betreuungs- oder Haushaltshilfen seien oft nicht bekannt oder auf dem Lande schlecht erreichbar oder zu teuer.

Birgit Sander

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