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MV aktuell Wer rettet die Gutshäuser? Politik streitet über Not-Fonds
Nachrichten MV aktuell Wer rettet die Gutshäuser? Politik streitet über Not-Fonds
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00:01 25.07.2017
Das Gutshaus in Danneborth (Landkreis Rostock) liegt zwar recht idyllisch, doch es ist marode und steht leer. Quelle: Fotos: Renate Peter/thomas Häntzschel
Schwerin

Viele Gutshäuser in MV sind in miserablem Zustand. Dem in Danneborth (Kreis Rostock) droht der Abriss, das in Plennin bei Marlow (Vorpommern-Rügen) ist kaum betretbar – Einsturzgefahr. Dabei wäre eine Notsicherung mit Hilfe der Landespolitik an vielen Standorten nicht teuer, argumentiert die Arbeitsgemeinschaft Erhaltung und Nutzung der Gutsanlagen in MV. Jetzt sendet die Politik Signale, ein Fonds ab 2018 könnte den Verfall von Schlössern und Gutshäusern stoppen. Vielleicht.

Rund 200 Objekte sind in MV akut gefährdet / Experten fordern Landesgeld

Rolf-Peter Bartz von der AG Erhaltung und Nutzung der Gutsanlagen in MV

Von „drei, vier Millionen Euro“ Bedarf für die kommenden beiden Jahre geht Rolf-Peter Bartz von der Gutshausretter-AG aus. Damit könnten Dächer geflickt, Gebäude gesichert werden. „Die Landespolitik muss Verantwortung übernehmen.“ Bartz kämpft seit über 20 Jahren um die Gutshäuser. Irgendwann hat es ihm und seinen Mitstreitern gereicht. Sie verfassten eine Resolution, einen bitteren Appell an die Politik. Botschaft: Von den gut 2000 Gutshäusern und Schlössern in MV seien etwa 200 „akut vom Verfall bedroht“. Mitverantwortlich sei die Regierung, da sie nur dann Finanzspritzen bewillige, wenn ein Guthaus-Besitzer diese beantragt. Allerdings nicht bei Herrenhäusern, die vernachlässigt werden. Die AG forderte „eine Wende hin zur Bestandssicherung“, um die in Europa einzigartige Gutsherrenhaus-Landschaft zu retten. Besitzer könnten auch gezwungen werden, ihre Gutshäuser zu sichern.

Jetzt sorgt das Thema in der Landespolitik für eine hitzige Debatte. Die AfD beantragte im Landtag einen Fonds zur Notsicherung der Herrenhäuser – abgelehnt. Die CDU sicherte jedoch zu, sich für einen solchen Fonds einzusetzen – ohne AfD. Denn die Herrenhäuser seien „unverwechselbare Denkmäler unseres Bundeslandes“, erklärte Christin von Allwörden, „die es gilt, auch für zukünftige Generationen zu erhalten“. Die CDU werde sich in Gesprächen zum Doppelhaushalt des Landes 2018/19 für diesen Fonds einbringen. Ob und in welcher Höhe ein Not-Fonds entsteht, ist unklar. Man wolle mit der SPD „ausloten, ob sich der Entwurf des Doppelhaushaltes entsprechend verändern lässt“, sagte gestern Matthias Schult, Sprecher der CDU-Fraktion. In den Landtag kommt der Haushalt allerdings erst nach der Bundestagswahl.

AfD-Mann Holger Arppe spricht von einer „Farce, dass sich Schwerin mit Unterstützung der Landesregierung um die Aufnahme in die Welterbe-Liste der Unesco bewirbt, und gleichzeitig lässt man unsere wertvollen Herrenhäuser verfallen“. Es müsse dringend etwas geschehen – jetzt. Sein Vorschlag: Das Land soll Geld vorstrecken, um marode Häuser zu bewahren, bei Verkauf Geld vom Eigentümer zurückverlangen“. Den Linken ist ein Not-Fonds zu wenig. „Die Zuständigkeiten zwischen Land und Kommunen müssen neu geklärt und die monetäre Herangehensweise überdacht werden“, sagt Eva-Maria Kröger.

Dafür müsse das Denkmalschutzgesetz überarbeitet werden.

Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) weist die Zuständigkeit zurück an den Landtag. „Wenn dieser die Notwendigkeit eines Notsicherungsfonds sieht, werden die dafür benötigten finanziellen Mittel bereitgestellt“, so sein Sprecher, Stefan Bruhn. Verantwortlich seien zunächst die Besitzer der Immobilien. Nach Paragraf 20 des Denkmalschutzgesetzes wäre es allerdings möglich, die Erhaltungspflicht durchzusetzen, auch durch Notsicherung „gegen den Willen des Eigentümers“. Zuständig wären die Landkreise.

Doch genau da liege das Problem, erklärt Rolf-Peter Bartz. Die unteren Behörden drückten sich vor Eingriffen in private Gebäude, da kein Geld zum Vorstrecken vorhanden sei. Landesgeld müsse her, um die Gutshäuser zu sichern und damit zu retten. Ivenack oder Fincken bei Röbel zählt er auf. So könnten Millionenschäden vermieden werden.

Ein Sorgenkind kam kürzlich auf der Liste der Gutshaus-Freunde hinzu. In Groß Potrems bei Rostock brannte das frühere Hotel „Nordland“, ein Schloss aus dem Jahre 1890. Der Schaden wurde auf rund 200000 Euro geschätzt. Die Zukunft ist ungewiss.

Zwangseingriffe an Fassade und Dach bereits jetzt möglich

2000

Gutshäuser und Schlösser gibt es in MV, davon stehen etwa 1000 unter Denkmalschutz. Laut Arbeitsgemeinschaft Erhaltung und Nutzung der Gutsanlagen in MV sind rund 200 akut vom Verfall bedroht.

Behörden können laut Finanzministerium den Verfall denkmalgeschützter Anlagen durch Zwangsmaßnahmen stoppen. Grundlage: Paragraf 20 des Denkmalschutzgesetzes. Als Notmaßnahmen kämen danach infrage: Dach-, Gründungs- und Fassadensicherung, Sicherung oder Abnahme von gefährdeten Fresken, Bauschmuck, anderen Bauteilen und der Schutz vor Vandalismus.

Frank Pubantz

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