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MV aktuell Widerstand gegen neue Windparks in der Ostsee
Nachrichten MV aktuell Widerstand gegen neue Windparks in der Ostsee
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14:55 31.01.2019
Offshore-Windkraftanlagen stehen im Ostsee-Windpark Iberdrola „Wikinger“ auf der Ostsee. Quelle: Stefan Sauer/dpa
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Hamburg

Naturschützer lehnen den Bau neuer Windparks in der Ostsee ab. Sie fordern, dass in dem Gewässer, wo etwa ein Zehntel der deutschen Offshore-Windkraftanlagen steht, am liebsten keine neuen Flächen mehr ausgewiesen werden. „Wir bewerten den Bau weiterer Offshore-Windparks in der Ostsee als nicht naturverträglich, wegen der geringen Größe dieses Meeres und bereits bestehenden starken Belastungen anderer Nutzungen“, erklärt der Naturschutzbund Nabu. Zusammen mit den Projekten in schwedischen Gewässern entstehe in der Ostsee ein nahezu geschlossener Riegel von Windparks auf einer wichtigen Route des Vogelzugs.

Hoch umstritten ist auch eine Fläche in der Nordsee westlich der Insel Sylt, nahe der schon bestehenden Windparks Dan Tysk und Sandbank. Hier leben seltene Seetaucher und genießen auch Schutzstatus. Doch offenbar machen sie um Windräder einen riesigen Bogen von 16 Kilometern. Die fragliche Fläche ist auch noch nicht ausgewiesen, sondern wird vom Amt überprüft.

Hintergrund sind die laufenden Planungen im Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg für die weitere Entwicklung der Windenergie auf See. Am Donnerstag berieten Wirtschaftsverbände, Umweltschützer und andere Interessierte über den ersten Flächenentwicklungsplan (FEP) für die Windenergie auf Nord- und Ostsee. Bis zum 30. Juni soll der Plan fertig sein und festlegen, wo auf dem Meer sich künftig Windräder drehen werden. Im Rahmen des Verfahrens waren 26 Stellungnahmen eingegangen.

Das BSH als Behörde richtet sich nach politischen Vorgaben. „Wir gehen bei den Planungen von 10,8 Gigawatt installierter Leistung Ende 2025 aus, davon 1,8 Gigawatt in der Ostsee“, berichtet Kai Trümpler, Chefplaner im Bundesamt. Und bis 2030 sollen es dann 15 Gigawatt sein. Der Entwicklungsplan legt fest, wo die nächste Generation Windräder gebaut wird. Und das ist nicht so einfach, denn die Nordsee ist durchzogen von unsichtbaren Grenzen. Sie markieren Schifffahrtsstraßen, Energie- und Kommunikationsleitungen, Naturschutzgebiete und Übungsflächen der Luftwaffe. „Ein Großteil der Nordsee ist für unsere Planungen tabu“, sagt Trümpler.

Dementsprechend liegen die neuen Flächen für Windparks überwiegend dort, wo schon Windräder stehen und Anschlussmöglichkeiten an Konverterstationen gegeben sind, um den Strom an Land zu transportieren. Das BSH hat Flächen nördlich der ostfriesischen Inseln Juist und Borkum ausgewiesen, sowie noch weiter nordwestlich davon, sehr weit draußen auf See. „Wir planen die Netzentwicklung und den Aufbau der Windparks zusammen““, sagt Trümpler. Das hat es vorher so noch nicht gegeben; es ist der erste Flächenentwicklungsplan dieser Art. Durch 19 Leitungen in der Nordsee und zehn in der Ostsee soll der Strom zum Verbraucher fließen.

Bei der Industrie findet die Planung im Großen und Ganzen Zustimmung, wenn auch nicht in jedem Detail. Die Unternehmen begrüßen vor allem, dass für höhere Ausbauziele als 15 Gigawatt bis 2030 bereits Planungen vorliegen, für 20 oder rund 23 Gigawatt. Die Flächen dafür wären vorhanden. Die Interessenverbände machen sich gemeinsam mit den norddeutschen Bundesländern seit langem dafür stark, die Ausbauziele für die Offshore-Windenergie heraufzusetzen. Nur so lasse sich das Ziel des Koalitionsvertrags erreichen, 65 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie zu erzeugen. „Das wird nicht ohne eine deutliche Änderung des Offshore-Mengengerüsts gehen“, heißt es in der Stellungnahme der Verbände.

Von Eckart Gienke