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MV aktuell Wie Flugdrachen den Windrädern in MV Konkurrenz machen sollen
Nachrichten MV aktuell Wie Flugdrachen den Windrädern in MV Konkurrenz machen sollen
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11:33 03.11.2019
So könnten die Windparks der Zukunft in MV aussehen: Eine Hamburger Firma entwickelt Flugdrachen, die Strom erzeugen. Quelle: SkySails
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Rostock/Hamburg

Erzeugt MV seinen Strom bald hoch oben am Himmel? Ein Hamburger Unternehmen hat eine neuartige Windkraftanlage entwickelt, die Flugdrachen in bis zu 400 Metern Höhe nutzt, um Energie zu erzeugen. Nun sucht das Unternehmen Skysails Power nach Standorten, um ihre Anlagen unter realen Bedingungen zu testen – auch im Nordosten: „Mecklenburg-Vorpommern ist für uns und unsere Technologie ein interessanter Standort – sowohl an Land als auch auf See“, sagt Skysails-Power-Geschäftsführer Stephan Wrage.

Mit Drachen für Schiffe fing es an

Wrage und sein Mitgeschäftsführer Stephan Brabeck sind in der Windkraftbranche längst keine Unbekannten mehr: Ihr Unternehmen Sky Sails hat Drachen entwickelt, die an Bord von Frachtschiffen zum Einsatz kommen. Der Drache wird als Hilfsantrieb eingesetzt, er zieht das Schiff über das Meer und hilft Reedereien, bis zu 15 Prozent Treibstoff zu sparen. Nun gehen die Entwickler den nächsten Schritt – und wollen Strom erzeugen – ebenfalls mit Flugdrachen.

Jojo-Effekt in luftiger Höhe

„Das Prinzip ist ganz simpel“, sagt Wrage. Der Flugdrache ist an einer Basisstation befestigt. Wird er losgelassen, steigert er an einem Seil in den Himmel auf – bis zu 400 Meter hoch. „Beim Ausrollen erzeugt ein Generator Strom. Die Trommel mit dem Seil dreht sich und treibt den Generator an“, so Wrage. Das geschehe von allein, nur durch die Kraft des Windes. Ist der Drachen oben, muss er wieder eingeholt werden. „Dazu wird der Drache gesteuert – und wir nutzen die Schwerkraft. Das Einrollen braucht nur einen Bruchteil der Energie, die wir beim Ausrollen erzeugen.“ Einfach gesagt: Der Energiedrache muss permanent auf- und absteigen, um Strom zu erzeugen.

„Wenn wir mehrere Anlagen in einem Netzwerk betreiben, haben wir immer konstant die gewünschte Menge Energie“, sagt der Entwickler. Der Vorteil der Drachen gegenüber herkömmlichen Windräder: „Sie wiegen zwei bis drei Prozent einer herkömmlichen Windkraftanlage. Deshalb können sie an Land, aber vor allem auf See viel einfacher installiert werden – und viel günstiger.“ Und weil der Wind in 300 bis 400 Metern Höhe immer und stetig weht, können die Drachen auch Strom erzeugen, wenn für Windräder Flaute herrscht. „Wir können Strom genau so sicher und unterbrechungsfrei liefern wie Kohlekraftwerke. Das können Solaranlagen und Windräder nicht“, sagt Wrage.

Konzern und Bund fördern Vorhaben

Wrages Technologie ist mittlerweile selbst für Energieriesen interessant: Der Bund fördert das Projekt Sky Power, ebenso die Konzerne EWE (Oldenburg) und EnBW (Stuttgart). „Bis 2020 wollen wir gemeinsam eine vollautomatische Flugwindkraftanlage mit einer Nennleistung von 100 Kilowatt entwickeln und testen“, so EWE-Sprecherin Ina Buchholz. „Fliegende Systeme wie Drachen können höhere Luftschichten mit energiereicheren und stabileren Windgeschwindigkeiten zur erneuerbaren Stromgewinnung nutzbar machen. Die Höhenwindtechnologie könnte somit zur zukunftsweisenden Ergänzung der konventionellen Windenergienutzung werden“, sagt auch EnBW-Konzernsprecher Markus Mußgnug.

Erster Käufer kommt von Mauritius

Nach eigenen Angaben sucht Sky Power derzeit Betreiber und Investoren für die neuartigen Windparks – an Land und auf See. Einen ersten Käufer gibt es schon: Die IBL-Gruppe will in ihrer Heimat Mauritius eine Anlage errichten. „Unsere Windkraftanlagen sind auch für entlegene Standorte geeignet – für Minen im Urwald Südamerikas, für Hotelinseln im Meer“, so Wrage. Mauritius will die Technologie nutzen, um weniger Kohle für die Stromerzeugung importieren zu müssen. Ein Standort in MV wäre für Sky Power aber ideal: „Je näher an Hamburg, desto besser.“

Landesplanung müsste geändert werden

Ganz so einfach dürfte es mit dem Bau fliegender Windkraft-Anlagen dann aber doch nicht werden: „Bislang ist im aktuellen Landesraumentwicklungsprogramm (LEP) kein Raum in Mecklenburg-Vorpommern für Anlagen in dieser Höhe vorgesehen“, sagt Renate Gundlach, Sprecherin des Schweriner Energieministeriums. „Grundsätzlich begrüßen wir technologische Neuerungen, die uns bei der Gestaltung der Energiewende und insbesondere bei der Akzeptanz durch die Bürger voranbringen, nicht nur – wir fördern sie auch nach Kräften. Aus diesem Grunde haben wir uns auch für das Offshore-Testfeld in der Ostsee vor Warnemünde eingesetzt.“ Gundlach weiter: „Das Unternehmen ist uns bekannt, das von Projekt, das Betriebshöhen von bis zu 800 Metern vorsieht, noch nicht. Das ist ein absolutes Novum in der Erzeugung von Windenergie. Schon allein aufgrund dieser bislang nie dagewesenen Höhe wäre ein solches Projekt intensiv zu prüfen –insbesondere durch Vertreter der Luftfahrtbehörden: Generell unterliegen Anlagen ab einer Höhe von 100 Metern über Grund oder Wasser der Zustimmung der Luftfahrtbehörde.“

Von Andreas Meyer

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