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15:27 02.11.2019
André Huysmann, Netzwerkmanager von ILWiA in Greifswald, präsentiert ein Modul für die automatische Herdabschaltung. Quelle: Foto: Christian Rödel
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Greifswald

Aus der Wohnung von Liselotte T. in Greifswald zogen in den vergangenen Monaten immer mal wieder Rauchschwaden. Aufmerksame Anwohner klingelten daraufhin an der Tür der 85-Jährigen. Es zeigte sich, dass die alte Dame vergessen hatte, den Topf vom Herd zu nehmen. Die besorgten Nachbarn rieten der Tochter der Seniorin, sich an die Initiative Leben & Wohnen im Alter (ILWiA) zu wenden, denn offensichtlich benötige Liselotte T. Hilfe.

Einige Tage später saßen Mutter und Tochter dem ILWiA-Netzwerkmanager André Huysmann in der Greifswalder Makarenkostraße 38 gegenüber. Für ihn sind solche Besuche keine Ausnahme. „Jeder dritte Einwohner unseres Landes ist im Seniorenalter. Viele von ihnen haben zunehmend Schwierigkeiten, den Alltag selbstständig und sicher bei hoher Lebensqualität zu meistern“, so Huysmann.

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Pflegepersonal allein reicht nicht

Mit der Hilfe von Pflegepersonal allein ist das Problem nicht zu meistern. Der Experte betont: „Wir haben uns 2014 mit dem Landkreis dafür eingesetzt, den Senioren solche technischen Hilfsmittel an die Hand zugeben. Sie sollen es ihnen ermöglichen, weiterhin eigener Herr in der eigenen Wohnung zu sein, selbst im Falle einer leichten Demenz.“

Wichtig sei es, die älteren Menschen frühzeitig an solche Geräte zu gewöhnen. Die Initiative sei ein zentrales Netzwerk von mehr als 40 Partnern, darunter Gesundheitsdienstleister, Städte und Kommunen, Wohnungsbaugesellschaften sowie Krankenkassen. Das Netzwerk fasst verschiedene Lösungen und Hilfsangebote für ältere Bürger zusammen und stellt ihnen diese zur Verfügung.

Rauchmelder Pflicht

Brandmelder sind mittlerweile in allen Bundesländern sowohl in Mietwohnungen als auch im eigenen Haus vorgeschrieben. Verantwortlich für ihren Einbau sind in Mecklenburg-Vorpommern die Eigentümer bzw. Vermieter einer Wohnung. Die regelmäßige Wartung der Geräte können diese zwar an ihre Mieter übertragen, sie sind aber dennoch verpflichtet, mindestens einmal jährlich zu überprüfen, ob diese das auch tatsächlich tun. Zu bekommen sind Rauchmelder in unterschiedlichen Preisklassen. Feuerwehr und Stiftung Warentest empfehlen allerdings jene Modelle, die mit einem Q gekennzeichnet sind (ab 20 Euro). Diese haben fest eingebaute Lithiumbatterien, die mindestens zehn Jahre lang halten sollen. Abgesehen von mehr Sicherheit und geringerer Fehlerquote bieten sie auch den Vorteil, dass nur selten jener Piepton zu hören ist, der vor einer fast leeren Batterie warnt – was gefühlt fast immer mitten in der Nacht passiert.

Worum es dabei geht, kann der Manager seinen beiden Gästen nicht nur in Worten, sondern auch an praktischen Beispielen klarmachen. Denn die Beratungsstelle ist nichts anderes als eine komplette Wohnung, in der vieles von dem gezeigt wird, was Senioren das Leben leichter macht. „Bleiben wir gleich mal beim Herd. Mit ihm verbindet sich doch sehr viel Alltagskompetenz. Um zu kochen, zu braten und zu backen, müssen wir zuvor einkaufen. Und dann selbst noch am Herd stehen zu können, um sich das Eingekaufte zuzubereiten, ist für viele Ältere ein Stück Selbstständigkeit“, betont der Berater. Und das sollte möglichst lange erhalten bleiben.

Mehr Sicherheit durch smarte Technik

Durch den Einbau von Sensoren kann zum Beispiel geregelt werden, dass sich der Herd selbst abstellt, wenn es über mehr als 15 Minuten keine erkennbaren Aktivitäten in der Küche gibt. Ähnliche Messfühler können feststellen, ob Türen und Fenster offen beziehungsweise geschlossen sind. Sie können zudem prüfen, ob Wasserhähne geschlossen oder das Bügeleisen aus der Steckdose gezogen wurde.

In der Wohnung findet der Ratsuchende weitere Beispiele für Lebenshilfe im Alter. Dazu gehört eine Kontaktmatte, die immer dann, wenn sie der Fuß berührt, das Nachtlicht automatisch einschaltet. Und sollte man gar einmal aus dem Bett fallen, alarmiert der Mattensensor sofort den Hausnotruf.

Ein anderes Beispiel für sinnvolle Hilfe ist der Funkschalter. Da er keinen Stromanschluss benötigt, können Senioren ihn immer in ihrer Nähe liegen haben, um damit zum Beispiel Stehlampe oder Kaffeemaschine einzuschalten. Im Zusammenspiel mit der Hausautomatisierungszentrale kann der Schalter dort eine einzelne oder auch kombinierte Funktionen steuern.

Digitaler Gesundheitscheck zu Hause

Von besonderer Bedeutung ist der Einsatz von Sensoren zur Überwachung des Gesundheitszustandes. War es bisher notwendig, zum Gesundheitscheck eine Arztpraxis aufzusuchen, so können Vitalsensoren jetzt das Befinden in den eigenen vier Wänden überprüfen. Alle Daten, die der Arzt benötigt – Puls, Blutdruck, Lungenfunktion oder Blutzucker –, werden eigenständig daheim ermittelt. Eine sogenannte Telemonitoring-Zentralbox in der Wohnung erfasst diese Gesundheitsdaten. Sie können, wenn vom Patienten gewünscht, jederzeit vom Arzt oder der Notrufstelle abgerufen und ausgewertet werden. So ist gesichert, dass im Notfall sofort Hilfe geleistet werden kann.

Alles zum Thema „Sicherheit“

Im Herbst und Winter gibt es besondere Dinge zu beachten. Ist Ihr Haus einbruchssicher? Ist Ihr Auto fit für den Winter? In unserem Sicherheitsspezial informieren wir über diese wie über zeitlose Themen – und erklären zum Beispiel, wie Sie Ihre finanzielle Vorsorge jetzt optimieren können, welche Apps Sie lieber nicht auf Ihrem Smartphone lassen sollten und welche Kindersitze wirklich halten, was sie versprechen.

Inzwischen haben Wohnungsgesellschaften in MV schon mehr als 100 Wohnungen mit diesem Komfort ausgestattet. „Wichtig ist, dass in allen Fällen der ältere Bürger allein oder in Abstimmung mit seinen Angehörigen festlegt, wer die Informationen erhält, sei es die Notrufzentrale, der Pflegedienst oder der Hausmeister“, so Huysmann.

Er freut sich, dass immer mehr Senioren die Unterstützung der ILWiA suchen, um sich auf diese Weise fürs Alter fit zu machen. Dabei müssen sie gar nicht erst nach Greifswald fahren. Mit zwei mobilen Containern reisen Huysmann und andere Vereinsmitglieder über Land, zeigen Hilfstechnik, geben Informationen und vermitteln Denkanstöße. Bereits 500 Interessenten holten sich so im vergangenen Jahr guten Rat beim Verein.

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