Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Wie das Gazprom-Gas nach MV kommt
Nachrichten MV aktuell Wie das Gazprom-Gas nach MV kommt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:57 07.06.2019
Gasfeld in Bovanenkovo auf der Halbinsel Jamal/Sibirien. Von dort strömt das Erdgas nach Deutschland. Quelle: Gennadi Litvinov
Moskau/Lubmin

Ein „Diamant“ ist die geplante Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 für das Unternehmen laut Sprecherin Irina Vasiljeva. Weitere 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas, die aus Sibirien in Russland stammen, sollen ab 2020 in Lubmin bei Greifswald anlanden. Die gleiche Menge liefert bereits Nord Stream 1. Für das Unternehmen, eine Tochter des russischen Erdgasgiganten Gazprom, ist die Pipeline ein lohnendes Geschäft. Ein Grund: Durch die Ostseequerung spare man 2000 Kilometer Strecke im Vergleich zu Landstrecken durch die Ukraine und Polen. Schon etwa nach „drei bis vier Tagen“ sei das Gas in Deutschland, erklärt Dimitri Melnikov, Chef der Gazprom-Tochter, die in Bovanenkovo auf der Halbinsel Jamal/Sibirien das Gas fördert.

Gazprom-Leitungen ziehen sich wie ein Netz Richtung Europa

Parallel zu den Nord-Stream-Leitungen pumpt Gazprom das Gold Sibiriens über mehrere Leitungen, die zentral durch Russland und die Ukraine führen. Wie ein Spinnennetz mutet das Leitungssystem an, das zentrale Knotenpunkte in Uchta und Grjasowez nordöstlich Moskaus hat, westlich nach Torschok an der Grenze zu Weißrussland führt und weiter in verschiedene europäische Länder verteilt wird. Auch Gas von Nord Stream 1 rauscht hier durch. Zwischen Uchta und Torschok sind zwei weitere Leitungen geplant. Im Süden baut Gazprom die Pipeline Turk Stream. Die Expansion läuft.

Etwa zwei Milliarden Euro Transitgebühren erhält die Ukraine bislang von Gazprom pro Jahr für die Durchleitung von rund 93 Milliarden Kubikmeter Gas. Und darum dreht sich ein Teil des Streits, den der Bau von Nord Stream 2 ausgelöst hat. Kritiker unterstellen: Gazprom werde, politisch gesteuert durch Moskau und Präsident Putin, den Gashahn Richtung Ukraine zudrehen, wenn die Ostsee-Pipelines erst einmal volle Last fahren. Eine geostrategische Auseinandersetzung um Macht.

Gazprom beteuert: Leitungen durch Ukraine weiter gebraucht

Gazprom weist das zurück. Man brauche weiterhin auch die zentralen Leitungen, so Manager Dimitri Khandoga. Sehr wohl dürfte Nord Stream 2 als Druckmittel helfen, wenn Gazproms Ende 2019 auslaufende Verträge mit der Ukraine verlängert werden sollen. Was für Khandogas Aussage spricht: Gazprom will deutlich mehr Gas nach Europa pumpen. Es braucht mehr Kapazitäten. Weiteres Gas kommt aus Nordafrika, Norwegen oder Übersee nach Europa.

Deutschland ist unser wichtigster Erdgasabnehmer“, sagt Khandoga. Knapp 500 Milliarden Kubikmeter der Ressource verbraucht Europa pro Jahr, 90 davon Deutschland. Baut Gazprom noch mehr Ostsee-Pipelines – von Nord Stream 3 war schon die Rede –, ließe sich die Lieferkapazität deutlich erhöhen.

Nord Stream 2 soll die Gaspreise senken

Die Röhren durch die Ostsee seien nur etwa ein Drittel des Gesamtprojekts, erklärt Henning Kothe, Chef von Nord Stream 2. Von Lubmin aus baut das Unternehmen weitere Leitungen, die durch Europa führen. Etwa die beiden Eugal-Leitungen von Lubmin bis nach Tschechien. Weitere Leitungen – Opal und Nel – bestehen bereits.

Ein Hauptargument von Nord Stream 2 für das eigene Projekt ist der Gaspreis: Die neue Pipeline soll mit dafür sorgen, dass Verbraucher in Europa nicht zu stark zur Kasse gebeten werden. Dies gelinge bereits dadurch, dass mehr Wettbewerb am Markt herrscht. Europa habe durch das russische Pipelinegas einen „Preisvorteil“ gegenüber dem teureren Flüssiggas LNG, so Kothe: im Jahre 2020 von bis zu 24, in 2030 von bis zu 27 Milliarden Euro pro Jahr.

Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, hat sich wiederholt für Nord Stream 2 und enge wirtschaftliche Beziehungen mit Russland trotz der EU-Sanktionen ausgesprochen. Derzeit ist sie in Russland, trifft dort unter anderem Industrieminister Denis Manturov. „Russland ist ein wichtiger Partner für uns“, so Schwesig.

Frank Pubantz

Der Bundestagsabgeordnete Peter Stein fordert das Land zum Handeln auf. Eine große Lösung zum Beräumen der Munition könne es aber nur mit anderen Ostsee-Anrainern geben.

06.06.2019

Zwei Polizeibeamte haben dienstlich erlangte Kontaktdaten genutzt, um sich privat zwei minderjährigen Mädchen zu nähern. Das im Nordosten heftig diskutierte Thema erreicht den Landtag. Unterdessen wird ein weiterer Fall bekannt.

06.06.2019

Dem Bundespräsidenten, der mit Ministerpräsidentin Schwesig und Vorpommern-Staatssekretär Dahlemann unterwegs ist, wird bei seiner Tour „Land in Sicht“ in Ducherow ein warmherziger Empfang bereitet. Vereine stellen sich vor, Einwohner schütteln ihm die Hand. In Anklam erfährt er von Problemen im Verborgenen.

06.06.2019