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MV aktuell Kein Tag ohne Crashs mit Keiler und Co.
Nachrichten MV aktuell Kein Tag ohne Crashs mit Keiler und Co.
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15:13 22.10.2018
Ein totes Reh liegt nach der Kollision mit einem Auto am Straßenrand.
Ein totes Reh liegt nach der Kollision mit einem Auto am Straßenrand. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Rostock

Zwölf Wildunfälle in 24 Stunden, ein paar Tage später sogar 16 in der gleichen Zeit. Die Polizeiinspektion Wismar verzeichnet in Nordwestmecklenburg derzeit eine erhebliche Zunahme der Crashs mit Keiler und Co. Im Nachbarkreis Ludwigslust-Parchim und auch im der Region Vorpommern-Greifswald mehren sich ebenfalls die Crashs mit Wildschwein, Fuchs und Reh. Bis zu zehn solcher Kollisionen vermelden beide Behörden. „Seit Anfang Oktober vergeht kein Tag ohne Wildunfälle“, informiert Andrej Krosse von der Polizeiinspektion Anklam. Zum Glück handelte es sich bisher fast ausschließlich um Blechschäden.

„Oktober, November und Mai sind die Monate mit den meisten Wildunfällen“, weiß auch Wismars Polizeisprecher Axel Köppen. Im November seien es zum Beispiel fast doppelt so viele wie im März. Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung steigt die Gefahr von Zusammenstößen mit Tieren. „Dann verlassen die Tiere ihre Deckung im Wald oder Buschwerk und wechseln zum Fressen auf Wiesen und Ackerflächen“, sagt Kati Ebel vom Landesjagdverband. Wenn nach der Zeitumstellung am 28. Oktober der Berufsverkehr in die Dämmerung falle, seien noch mehr Autos zu den Wildwechsel-Zeiten unterwegs.

Eicheln und Kastanien locken Tiere direkt auf die Fahrbahn

Doch auch tagsüber könnten gerade Wildschweine unvermittelt über die Fahrbahn laufen. Da jetzt kaum noch Mais auf den Feldern steht, „muss sich das Schwarzwild neue Futterplätze suchen“, ergänzt Polizeisprecher Klaus Wiechmann von der Polizeiinspektion Ludwigslust. Verstärkt wird die Gefahr in diesem Jahr noch dadurch, dass die Alleebäume nach dem heißen Sommer übermäßig viele Früchte tragen. Eicheln und Kastanien würden Wildtiere „direkt auf die Fahrbahn locken“, meint Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg. Da könne es vorkommen, dass ein 100-Kilo-Keiler mitten auf der Straße steht und in aller Seelenruhe frisst. Auch durch den Beginn der herbstlichen Treib- und Drückjagden könne aufgescheuchtes Wild plötzlich aus dem Wald springen.

Jeder vierte Crash ist ein Wildunfall

In Mecklenburg-Vorpommern wächst die Zahl der Wildunfälle, wie das Schweriner Innenministerium auf OZ-Anfrage mitteilt. Bei insgesamt 58 300 Verkehrsunfällen fiel 2017 in MV jeder vierte Crash in diese Kategorie. 15 433 Zusammenstöße mit Wildtieren wurden im vorigen Jahr gezählt, fast 1000 mehr als 2016. Die Zahl der Verletzten stieg von 115 auf 141. Außerdem verlor im vorigen Jahr ein Mensch sein Leben, 2015 waren es zwei.

Sachsen-Anhalt testet neuartige Warn-Geräte

Sachsen-Anhalt testet seit diesem Herbst neuartige Geräte, die das Wild von Straßen fernhalten sollen. Auf vier Strecken, an denen es gehäuft zu Wildunfällen kam, geben schwarze Kästchen nicht nur Lichtsignale, sondern auch Pieptöne von sich. Dass akustische und optische Warnsignale kombiniert werden, sei „für Deutschland eine Premiere“, heißt es im Magdeburger Verkehrsministerium. In Österreich würden dies Modelle bereits mit großen Erfolg eingesetzt. Wo sie installiert wurden, sei die Zahl der Unfälle um etwa 90 Prozent gesunken.

In Mecklenburg-Vorpommern werden seit 2010 Wildwarn-Reflektoren eingesetzt. 38 Kilometer Straße in den Regionen Ludwigslust-Parchim, Uecker-Randow, Müritz und Mecklenburg-Strelitz wurden laut Schweriner Verkehrsministerium mit solchen optischen Warngeräten ausgerüstet. Der Landsjagdverband hält sie für erfolgreich, das Schweriner Verkehrsministerium dagegen ist eher skeptisch.

Weiterlesen: Schützen Warngeräte vor Wildunfällen?

Elke Ehlers