Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Wirtschaft Angelkutter in Not: Koalition spannt den Rettungsschirm
Nachrichten MV aktuell Wirtschaft Angelkutter in Not: Koalition spannt den Rettungsschirm
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 01.09.2018
Rostock/Sassnitz

Hilfe für Betreiber von Angelkuttern auf der Ostsee, die seit zwei Jahren durch die Begrenzung der Dorsch-Fangquote arg gebeutelt sind: Die Schweriner Regierungskoalition von SPD und CDU stellt 200000 Euro aus dem Strategiefonds im Landtag bereit, um Verluste abzufedern. Gut, aber zu wenig, heißt es aus der Branche. Das sogenannte Bag-Limit, eine durch die EU verhängte Begrenzung des touristischen Fischfangs, müsse fallen. Der Dorschbestand in der Ostsee hat sich laut Experten erholt.

Vincent Kokert, CDU-Fraktionschef

FOTO: J. BÜTTNER/DPA

SPD und CDU verteilen Geld aus Strategiefonds

129 Projekte haben SPD und CDU im aktuellen Strategiefonds. Daraus werden 24 Millionen Euro aus Haushaltsüberschüssen verteilt. Beispiele:

familienfreundliche Schlösser und Gärten, Spielplätze, Gehwege, Zuschüsse an einzelne Vereine. Die Opposition kritisiert, dass der Fonds neben dem Landeshaushalt besteht.

Anderthalb Jahre hat es gedauert, bis die finanzielle Hilfe für die Hochseeangler kommt. Seit 2017 darf jeder Tourist auf Kuttern nur noch fünf Dorsche pro Tag fangen, in der Schonzeit drei. Folge:

ein dramatischer Rückgang bei den Anglern in MV, die überwiegend aus anderen Bundesländern stammen. Nun reagiert die CDU im Landtag und legt ein Programm zur Förderung der touristischen Angelkutter vor. Jeder Betreiber könne bis zu 15300 Euro beantragen – 2018 und 2019 stehen jeweils 100000 Euro zur Verfügung. „Die Kutterfischerei gehört zu unserem Land. Deswegen ist es richtig, den betroffenen Betrieben unter die Arme zu greifen“, erklärt CDU-Fraktionschef Vincent Kokert.

In der Branche löst das nur begrenzt Jubel aus. Frank Fibig, Kapitän der „Santa Maria“ in Warnemünde, begrüßt das politische Geld, den „Rettungsschirm“. Seit 2015 sei man im Gespräch. Die einzige Lösung zur Rettung der Kutterbetreiber wäre allerdings eine Abschaffung des Fang-Limits. Viele Stammgäste seien nach Polen abgewandert, wo die Grenze nicht gilt. Bernhard Mielitz von der HSC GmbH in Sassnitz wird sehr deutlich: Das Geld sei willkommen, „aber ein Tropfen auf den heißen Stein“. Er habe derzeit Monat für Monat 40000 Euro Verlust, seit Inkrafttreten des Fang-Limits seien 80 Prozent der Touristen weggeblieben. Andere Kapitäne berichten von 50 Prozent. „Das ist existenzvernichtend“, sagt Mielitz. Mit den fünf Dorschen pro Tag sei eine unnötige psychologische Hürde aufgebaut. Im Schnitt fingen Angler genau diese fünf Dorsche. „Einer 30, einer 10, andere nur zwei“, so Mielitz. Die Grenze aber vertreibe vielen die Lust. „Die Leute wollen auf dem Meer frei sein, ohne Limit.“

Das kann sogar Harry Strehlow vom Thünen-Institut für Ostseeforschung in Rostock verstehen, der den Dorschbestand im Auge hat. „Dem Dorsch geht es ziemlich gut“, sagt Strehlow. Im Vergleich zu 2016 habe sich der Bestand von Elterntieren in der westlichen Ostsee deutlich erhöht. „Man kann sagen, dass der Wiederaufbau funktioniert.“ Dennoch könne er noch keine Entwarnung geben; bedenklich sei, dass 83 Prozent des Dorschbestandes aus dem Jahr 2016 stammen. Es fehle an älteren Tieren, die etwa gegen Umwelteinflüsse höher resistenten Laich abgeben. Die Fangbegrenzung sei dennoch nicht alternativlos, so Strehlow. Möglich wäre etwa eine Erhöhung des Mindestmaßes für Dorsche. Kleine Fische würden wieder im Meer landen.

Andere Lösungen als die Quote wünscht sich der Landestourismusverband, denn Hochseeangler seien keine geringe Größe. Jeder Tourist lasse pro Tag rund 70 Euro im Land, für Gastronomie oder Übernachtung. Bei 90000 Anglern pro Jahr – Quelle: Thünen-Institut für 2015 – gingen Verluste in die Millionen. Tourismusverbands-Geschäftsführer Bernd Fischer sorgt sich auch um das kulturelle Erbe Kutterfischerei: „Durch eine Verordnung der EU werden Kleinstbetriebe bedroht, die in zwei Jahren wieder ihre Berechtigung haben werden.“ Das dürfe nicht sein.

Frank Pubantz

Tourismusverband erwartet Rekord von mehr als 30 Millionen Übernachtungen. Sommer 2018 war in MV mit durchschnittlich 19,2 Grad Celsius der heißeste seit Beginn der Messungen 1881.

31.08.2018

Tourismusverband erwartet Rekord von mehr als 30 Millionen Übernachtungen / Sommer 2018 war in MV mit durchschnittlich 19,2 Grad Celsius der heißeste seit Beginn der Messungen 1881

31.08.2018

Auch Menschen in Vorpommern verbrauchen weniger Energie

22.08.2018