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Wirtschaft Kabelnetz-Experte: „Immer mehr Bandbreite notwendig“
Nachrichten MV aktuell Wirtschaft Kabelnetz-Experte: „Immer mehr Bandbreite notwendig“
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05:30 23.02.2018
Die Anforderungen an die Internetverbindung steigen stetig. (Symbolfoto) Quelle: Jan Woitas / dpa
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Rostock

Warum die Datenmengen im Internet ständig wachsen und wie diese künftig schneller bewältigt werden sollen, erklärt Carsten Engelke, Technik-Chef beim Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber (Anga) in Berlin.

70 Prozent der deutschen Haushalte abgedeckt

Anga steht für Arbeitsgemeinschaft für Betrieb und Nutzung von Gemeinschaftsantennen- und -verteileranlagen. Die Netze der Firmen, zu denen u. a. Vodafone, Unitymedia oder Tele Columbus gehören, können 70 Prozent der deutschen Haushalte mit Bandbreiten über 100 MBit/s versorgen. Damit sind sie die wichtigsten Anbieter für die Highspeed- Breitbandversorgung bundesweit.

Herr Engelke, beim Netzausbau wird immer über Glasfaser diskutiert. Muss ich für eine gute Internetversorgung immer Glasfaser bis ins Haus haben?

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Carsten Engelke: Beim Ausbau der modernen hybriden Fiber-Coax- (HFC)-Netze wird Glasfaser immer näher an den Kunden herangeführt. Von dort werden die Signale über die bestehende leistungsfähige koaxiale Infrastruktur weitergeleitet. Der Mix aus neuester Glasfasertechnik und Kupferkabeln ermöglicht schon heute die viel diskutierte Versorgung mit Gigabit-Bandbreiten. Dazu gibt es optisch-elektrische Wandler, die das Lichtsignal in elektrische Signale übersetzen. Die Informationen werden bis in die Wohnungen, zum Fernseher, ans Telefon und an den Computer weitergeleitet – und für Smartphone oder Tablet stellt der Router Wlan bereit (Wireless Lan, drahtloses lokales Netzwerk / d. Red.). Somit werden in den Wohnungen keine neuen Kundengeräte benötigt.

Also muss ich als Hausbesitzer oder Vermieter nicht alle Leitungen im Haus erneuern, um einen guten Internet-Anschluss zu haben?

Nein, das läuft sehr gut über die bestehenden Koaxialkabel. Damit werden für den Bewohner unbequeme Umbauten vermieden. Mit dem heutigen Übertragungsstandard Docsis 3.0 werden in HFC-Netzen bereits Angebote zwischen 25 und 500 Megabit pro Sekunde (MBit/s) realisiert.

Und ist das zukunftssicher?

Ja. Mit Docsis 3.1 sind Down- und Uploadgeschwindigkeiten bis in den Gigabit-Bereich möglich. Alle Dienste, TV, Telefon und Internet, sind ohne Einschränkungen gleichzeitig über verschiedene Endgeräte nutzbar.

Und solche Datenraten werden wirklich gebraucht?

IP-Fernsehen, wie z. B. Amazon Prime oder Netflix, und Anwendungen wie zeitversetztes Fernsehen treiben die benötigte Bandbreite beim Endkunden in die Höhe. Auch immer mehr ältere Leute haben Spaß an Video über IP z. B. mit Skype (Bildtelefonie übers Internet / d. Red.). Dafür sind die Netze schon heute perfekt vorbereitet.

Wo steht da MV?

Bei den Backbones (dem Basisnetz, also dem verbindenden Kernbereich eines Telekommunikationsnetzes mit hohen Datenübertragungsraten, d. Red.) sieht es in einigen Bereichen im ländlichen Raum eher schlecht aus. Regionen wie z. B. die Insel Usedom sind von Backbone-Glasfaserleitungen weit entfernt. Die Anbindung an eine leistungsfähige Infrastruktur ist jedoch wichtig, um solche Gebiete mit schnellem Internet versorgen zu können. Im Bereich Rostock besteht dank des HFC-Netzes eine sehr leistungsfähige Infrastruktur. Hier arbeiten Wohnungsgesellschaften und Netzbetreiber eng zusammen – mit eigenem technischen Personal vor Ort. Damit ist Rostock ein bundesweiter Leuchtturm, vergleichbar mit Dortmund, Köln oder Magdeburg.

Die analoge Übertragung von TV und Radio über Kabel soll mittelfristig abgeschaltet werden. Über Antenne und Satellit wurde die ja schon vor Jahren eingestellt. Was ist das Ziel?

Ziel sind ein noch größeres TV-Spektrum und schnelleres Internet. Die überwiegende Mehrheit der Kabel-TV-Zuschauer nutzt ja ohnehin nur noch die TV-Programme im digitalen Standard. Auch buchen immer mehr Kunden mit Bedarf nach hohen Bandbreiten den schnellen Internet-Zugang über die Kabelnetze hinzu.

Wann geht es in MV los?

Die genauen Zeitabläufe sind noch nicht bekannt.

Was müssen Fernseh-Zuschauer beachten?

Für die meisten Zuschauer wird lediglich ein digitaler Sendersuchlauf notwendig sein. Bei Röhrenfernsehern und einigen älteren Flachbild-TV-Geräten ist nach der Abschaltung der analogen Programme ein digitaler Receiver nötig. Damit kann man solche Geräte weiter nutzen.

Interview: Thomas Luczak