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Wirtschaft Lebensmittel im Netz: MV hinkt beim Onlinehandel hinterher
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06:22 15.05.2019
Lebensmittelhändler in MV erzielen fast ihren gesamten Umsatz im stationären Handel. Quelle: dpa
Bentwisch

Andreas Barnehl ist Vorreiter: Der Rostocker Gastronom und Inhaber der Rittmeister-Destille verkauft bereits ein Drittel seiner Spirituosen über seinen Online-Shop. Mehrmals pro Woche verschicken Mitarbeiter Pakete mit Hochprozentigem. Vor allem an Kunden, die Rostocker Köm, Bernstein-Kräuterlikör oder Küsten-Whisky im Urlaub kennenlernten. Insgesamt aber profitiert die Branche in Mecklenburg-Vorpommern bisher kaum vom Geschäft im Netz. Während der Online-Handel bei Bekleidung, Elektronik, Computern und Schuhe hohe Wachstumsraten verzeichnet, hinkt das Ernährungsgewerbe hinterher.

Der Rostocker Gastronom Andreas Barnehl verkauft Spirituosen aus der Rittmeister-Destille erfolgreich im Online-Shop. Quelle: Frank Söllner

Nach einer vor dem 3. Norddeutschen Ernährungsgipfel erhobenen Branchenumfrage erzielen Lebensmittelhersteller in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Hamburg und Niedersachsen 95,5 Prozent ihres Umsatzes im stationären Handel. Umsatzstärkste Schienen sind Supermärkte, Großhandel, Hofläden und Discounter. In MV sind Online-Shops der umsatzschwächste Vertriebsweg (3,5 Prozent), Hofläden und Fabrikverkauf liegen jeweils bei knapp neun Prozent.

Zwölf Prozent der Firmen planen Online-Shop

„Wir gehen davon aus, dass der Online-Handel in den nächsten fünf Jahren wächst“, sagt Tobias Blömer, Vorsitzender der AMV Marketinggesellschaft, die die Studie in Rostock-Bentwisch vorstellte. Allerdings: Bei der Bereitschaft, stärker ins Online-Geschäft einsteigen zu wollen, bleibt MV deutlich hinter Brandenburg zurück. In Brandenburg plant fast jedes vierte der befragten Unternehmen einen eigenen Online-Shop, in MV sind es nur 12,5 Prozent. Mehr als die Hälfte der Firmen in MV (52 Prozent) wollen ihre Online-Aktivitäten nicht verändern, in Brandenburg sind es nur halb so viele.

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„In Brandenburg gibt es viele Hofläden, die von der Nähe zu Berlin profitieren“, berichtet Hanka Mittelstädt von der Initiative „Natürlich Brandenburg“ pro agro. Großstadtkunden würden die Versandangebote der Hofläden zunehmend nutzen. Bundesweit macht E-Food bisher erst 1,5 Prozent des Gesamt-Online-Umsatzes aus. Studien gehen aber davon aus, dass der Online-Handel mit Lebensmitteln 2025 schon bei etwa 25 Prozent liegen kann.

„Rechtliche Fallstricke“ verunsichern Unternehmer

Dass in Mecklenburg-Vorpommern so viele Unternehmen keinen Zugang zum Online-Geschfäft finden, begründet Blömer mit „rechtlichen Fallstricken“, durch die Firmenchefs verunsichert seien. So habe die Europäische Union ihre Vorgaben für den E-Commerce verschärft. Das Einhalten der Kühlkette sei oft problematisch. Auch das Rückgaberecht sei bei Lebensmitteln schwieriger einzuhalten als beispielsweise bei Bekleidung und Technikartikeln.

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Der Ernährungsgipfel am Mittwoch in Warnemünde soll deshalb Chancen und Schwierigkeiten mit dem Internet-Vertrieb ausleuchten. „Wir wollen vor allem kleinen Produzenten die Augen für das Thema öffnen und Lösungswege diskutieren“, meint Blömer. In einer Podiumsdiskussion sollen Start-ups, die erfolgreich im Online-Geschäft agieren, über ihre Erfahrungen berichten.

Ernährungswirtschaft mit Umsatzeinbruch

5,9 Prozentweniger Umsatz: Von 5,1 Milliarden Euro auf 4,8 Milliarden Euro sank 2018 der Umsatz im Ernährungsgewerbe Mecklenburg-Vorpommerns. Schuld an diesem gravierenden Einbruch ist laut Tobias Blömer, dem Vorsitzenden der AMV Marketinggesellschaft, unter anderem der harte Wettbewerb in der Branche, der zu sinkenden Preisen führte. Im Zuge von Produktionsverlagerung, Umstrukturierung und Generationswechsel wurden zudem mehrere Firmen oder Betriebsteile geschlossen. Aktuell betreffe dies die Verlagerung der Camembert-Produktion des „Rügener Badejungen“ von Bergen nach Thüringen sowie den Rückzug von Rügen Feinkost aus Sassnitz. Spürbar sei auch, dass der Wursthersteller Döllinghareico (Schleswig-Holstein) sein Werk in Lübz (Ludwigslust-Parchim) und der Fleischverarbeiter Heinrich Nölke GmbH (Nordrhein-Westfalen) seinen Standort in Waren (Müritz) stillgelegt hatten.

Trotz des Rückgangs steht die Ernährungsbranche beim Umsatz an der Spitze des verarbeitenden Gewerbes. Die 158 Firmen mit 20 und mehr Beschäftigten im Land tragen 32,4 Prozent zu dessen Gesamtumsatz bei, mit 15,5 Prozent folgt der Maschinenbau.

Einer von ihnen ist Lunch-Vegaz-Chef Govinda Thaler. Der Hersteller von Bio-Fertiggerichten erreicht fast 15 Prozent seines Umsatzes übers Internet. „Im Netz können wir schneller und flexibler agieren“, meint der Jungunternehmer. Im Einzelhandel gebe es zweimal im Jahr Listungsgespräche. „Wenn es da nicht klappt, muss man warten.“

Vorteile: Große Reichweite, keine Händlermarge

Auch Martin Neumann, Inhaber der „Männerhobby“-Destille Klein Kussewitz (Landkreis Rostock), wirbt fürs Online-Geschäft. „Das ist einfacher, als die meisten denken“, meint Neumann. Er verschickt fast täglich Spirituosen an Kunden, die seine Produkte übers Internet bestellen. Vorteil: „Große Reichweite und vollständiger Erlös.“ Denn es entfallen die Margen für Zwischenhändler.

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Anbieter von Frischeprodukten halten dagegen an ihren traditionellen Vertriebswegen fest. „70 Prozent vermarkten wir über den Einzelhandel in der Region, 30 Prozent über Hofladen und Direktbelieferung“, berichtet Madeleine Buchholz vom Kartoffel- und Spargelhof Demmin (Seenplatte). Aktuell kommen auch Studierende in Rostock und Wismar in den Genuss von Demminer Spargel. Bis in den Juni hinein werden in den Hansestädten mehrere Mensen beliefert. „Über den Online-Versand würde unser Spargel nicht so frisch beim Verbraucher ankommen“, meint Madeleine Buchholz. In einer Sparte setzt die Demminer Firma aber ebenfalls bereits aufs Internet: Besondere Kartoffel-Sorten, wie „Pommernhörnchen“, „Rote Emmelie“ und „Blaue Anneliese“, werden online vermarktet.

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