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Wirtschaft Schlechtes Kartoffeljahr in MV: Knollen oft klein und faulig
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10:19 08.12.2018
Sylvia Tetzlaff, Geschäftsführerin des Landwirtschaftlichen Unternehmens Sarmstorf, und schaut in der dunklen Kartoffelhalle in Gitterboxen mit Kartoffeln der Sorte "Gala". Immer wieder finden sich faulige oder austreibende Knollen, die Kartoffeln sind auffallend klein. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Rostock

 Die Landwirtin Sylvia Tetzlaff mag nicht mehr hinschauen. In den Gitterboxen mit je 900 Kilogramm Kartoffeln findet sie zahlreiche Nester mit fauligen Knollen, aus denen der Saft quillt. Die Kartoffeln sind auffallend klein, viele im Durchmesser kaum größer als eine 2-Euro-Münze.

Der Stärkegehalt liegt weit unter dem Durchschnitt von rund 17 Prozent. „Ein Katastrophenjahr! So etwas habe ich in meinem langen Berufsleben noch nicht erlebt“, bringt es die Geschäftsführerin des Landwirtschaftlichen Unternehmens Sarmstorf bei Güstrow (Landkreis Rostock) auf den Punkt.

Hitze und Trockenheit

Hitze und Trockenheit über Monate hinweg haben übliche Vegetationsabläufe außer Kraft gesetzt. Kartoffelbauern, die ihre Flächen nicht beregnen können, standen schon früh auf verlorenem Posten: Ihre Pflanzen sind überwiegend vertrocknet. Nur einige Frühkartoffelsorten brachten noch eine recht gute Ernte.

„Erst nach einigen Regenschauern im Herbst zeigten die Pflanzen wieder eine Reaktion“, sagt Tetzlaff. „Da war es aber bereits zu spät. Das hat die Probleme nur noch vergrößert.“ Kurz vor dem angesetzten Erntetermin trieben die Knollen nämlich erneut aus. Über Ausläufer an der Mutterknolle, sogenannte Stolonen, bildeten sich etliche kleine Knollen neu. Alle Versuche, dies zu unterbinden, schlugen fehl. Die Ausläufer machten der Erntetechnik zu schaffen, sie verstopften die Bänder. Das Gros der mit viel Aufwand ins Lager gebrachten Knollen war dann noch unausgereift und neigt zur Fäulnis.

In der Kartoffelhalle des Landwirtschaftlichen Unternehmens Sarmstorf finden sich immer wieder austreibende oder faulige Knollen, die Kartoffeln sind auffallend klein. Quelle: dpa

Bauern versuchen Verluste zu verhindern

Fast alle Mitarbeiter sind Tetzlaff zufolge damit beschäftigt, die Bestände zu sortieren, um weitere Verluste zu verhindern. „Ein enormer Aufwand. Finanziell rechnet sich das überhaupt nicht. Wir machen jeden Tag Miese“, beschreibt sie die Lage. „Aber wir wollen weitestgehend unsere Lieferverträge einhalten.“ Die Sarmstorfer liefern unter anderem an die Stärkefabrik Kyritz in Brandenburg, die Rohstoffe für den medizinischen Bereich gewinnt.

Auch bei der Kartoffellager und Handelszentrale im vorpommerschen Züssow spricht man von einem schwierigen Jahr. „Dank unserer modernen Lagertechnik sind wir aber in der Lage, die angelieferten Qualitäten weitestgehend zu halten“, sagt Betriebsleiter Falko Korinth. Eine optimale Kühlung sei oberstes Gebot. Die Stromzähler laufen auf Hochtouren. Das Unternehmen exportiert nahezu weltweit Pflanzkartoffeln aus eigenem Anbau sowie von Partnern. „Hochwertiges Pflanzgut ist Grundvoraussetzung für eine gute Ernte. Daran können wir keine Abstriche machen.“

Problem: Unterschiedliche Knollengrößen

Der Vertriebsleiter Jörg Elvers von der Mecklenburger Kartoffelveredlung in Hagenow, einem Unternehmen der Emsland-Food, hat ein Problem mit den höchst unterschiedlichen Knollengrößen. „Wir sind aufgrund der geringen Ernte auf jede Kartoffel angewiesen. Auch auf die besonders kleinen.“ Gerade habe die Firma noch einmal in ihre Produktionsanlagen investiert. „Da ist eine hohe Auslastung Pflicht“, erklärt er.

Permanent müssten die Maschinen an die unterschiedlichen Knollengrößen angepasst werden: „Das mindert die Effektivität spürbar.“ Die Unternehmensgruppe mit acht Werken gilt als größter Kartoffelveredler bundesweit. Der Marktanteil liegt bei rund 50 Prozent. Alle namhaften Lebensmittelanbieter werden mit Fertigprodukten wie Bratkartoffeln oder Püree beliefert. Grundlage sind stets Kartoffelflocken. Fünf Tonnen Rohware sind für eine Tonne notwendig. Zukäufe aus anderen Regionen sind kaum möglich, denn in ganz Europa blieb die Ernte hinter dem langjährigen Mittel zurück.

Preise steigen deutlich

Auch die Verbraucher bekommen die angespannte Situation zu spüren. Die Kartoffelpreise sind zuletzt deutlich gestiegen, auch wenn die Qualität schlechter ausfällt als gewohnt. Sylvia Tetzlaff setzt in diesem Fall auf Kundenkontakt. Das Sarmstorfer Unternehmen gehört zu den wenigen, die noch Kartoffeln direkt an Haushalte ausliefern. Bei Touren in die umliegenden Dörfer bis nach Rostock erklären Mitarbeiter den Kunden die Situation. „Da erfahren wir fast überall Verständnis“, sagt Tetzlaff. „Im nächsten Jahr wird hoffentlich wieder alles besser.“

RND/dpa

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