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Wirtschaft Händler in Warnemünde verteidigen Sonntagsöffnung
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13:17 19.07.2018
Die Ladenöffnung am Wochenende wird in MV durch die Bäderregelung ermöglicht. (Symbolbild) Quelle: Frank May dpa/lsw
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Warnemünde

In Warnemünde tobte am Mittwoch das Leben: Tausende Urlauber bummelten durch die Gassen, Badegäste und Kreuzfahrtpassagiere von gleich drei Kreuzlinern. Viele Geschäfte freuten sich über großen Andrang, überall waren Verkaufsgespräche in allerlei Sprachen zu vernehmen. Ähnlich sieht es in dem Ostseebad jetzt im Sommer auch an den Sonntagen aus. Doch die Bäderregelung, die das möglich macht, wurde gestern erst einmal gekippt. Bei Händlern sorgt dies für Unverständnis.

Unmut gegen Verdi

„Ich kann die Diskussion um die Bäderregelung überhaupt nicht verstehen“, sagt Rainer Scholz (50), während er als Filialleiter im Modegeschäft „mare baltic“ gerade eine Gruppe arabisch sprechender Kunden bedient. „Ich bin Ur-Warnemünder, da gehört es nunmal einfach dazu, dass man sieben Tage die Woche für den Gast da ist.“ Er habe viele Stammkunden, die seit vielen Jahren auch sonntags kommen, „und die honorieren das auch, dass wir dann geöffnet haben“.

In der Gastronomie oder in der Gesundheitsbranche sei das auch nicht anders. „Verdi steht da komplett neben der Realität“, schimpft Scholz. „Mir tut die Gewerkschaft mit ihrem Kampf gegen die Bäderregelung jedenfalls keinen Gefallen.“

Das sieht Scholz’ Chef, Geschäftsinhaber Burkhard Rohde, genauso: „Wir machen sonntags 20 Prozent unseres Umsatzes, das sind die entscheidenden Prozente, die wir brauchen, um alle unsere 14 Arbeitsplätze ganzjährig zu erhalten.“

Bäderregelung schafft Arbeitsplätze

Für die Beschäftigten lohne sich der Sonntagsdienst durchaus: „Ich zahle 100 Prozent Sonntagszuschlag und zum Ausgleich gibt es zudem zwei zusammenhängende freie Tage unter der Woche.“ Die Verkäufer und Verkäuferinnen in Rohdes Geschäften arbeiten meist zwei Sonntage im Monat. „Aber niemand muss in der Hochsaison sieben Tage durcharbeiten.“ Selbst in den Sommerferien können Mitarbeiter Urlaub machen – dank der Studenten, die als Ferienjobber einspringen. Andererseits: Jeder muss grundsätzlich sonntags arbeiten. „Da gilt gleiches Recht für alle“, so Rohde.

Auch Daniela Rakowski (31) beklagt sich nicht über die Sonntagsarbeit. Sie verkauft gerade amerikanischen Kreuzfahrtpassagieren Wein. „Ich komme aus der Gastronomie, da stört mich das überhaupt nicht“, sagt die Verkäuferin im Spezialitätengeschäft „Genusswelt“. „Wer eine Familie hat, bei dem ist es vielleicht anders.“ Sie komme auf zwei bis drei Sonntage im Monat. „Wir versuchen, uns im Dienstplan abzuwechseln. Und wenn wir mal frei haben wollen, macht das der Chef auch meistens möglich.“

Der Chef ist Inhaber Thomas Witte. Für ihn ist die Sonntagsöffnung aus mehreren Gründen wichtig, „einerseits für das Image, sowohl des Ladens als auch des Ortes. Viele Stammkunden erwarten einfach, dass wir sonntags auf haben.“ Auch betriebswirtschaftlich werde der Sonntag gebraucht: „Die Mietverträge und auch andere Kosten sind in der Sommerzeit auf sieben Tage die Woche kalkuliert. Das macht pro Wochentag mehrere Hundert Euro pro Monat aus.“ Dürfte er am Sonntag nichts verkaufen, würden ihm mehrere Tausend Euro monatlich fehlen – auch wenn der Sonntagsanteil am Wochenumsatz nur bei rund sieben Prozent liege. „Zum Ausgleich müsste ich die Preise erhöhen oder Mitarbeiter entlassen.“

Bäderregelung in MV

77 Kur- und Erholungsorte sowie anerkannte Ausflugsorte mit besonders starkem Fremdenverkehr und die beiden Welterbestädte Stralsund und Wismar fallen unter die Bäderregelung, wonach Geschäfte sonntags in der Zeit von 12 bis 18 Uhr öffnen dürfen. Baumärkte, Möbel- und Autohäuser sind ausgeschlossen. Die Regelung trat 2016 in Kraft. In den Welterbestädten ist die Öffnung an zwölf Sonntagen, in den Kur-und Erholungsorten an Sonntagen zwischen Mitte März und Anfang November erlaubt

Axel Büssem

Der Gewerkschaft Verdi geht die Sonntagsöffnung von Läden zu weit. Vor dem Oberverwaltungsgericht will sie die bestehende Verordnung in großen Teilen kippen, um eine strengere Regulierung zu erwirken. Das steckt hinter der Regelung und der Klage.

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