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Wirtschaft Bauern sollten weniger für die Kaikanten produzieren
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08:32 12.01.2019
Mecklenburg-Vorpommerns Bauern bauen viel Raps an, wie auf diesem Feld bei Neubukow. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Güstrow

Welche Landwirtschaft wollen wir? Und wer ist dabei besonders in der Pflicht – Produzenten, Verbraucher oder Handelsketten? Ist der Preis für Spitzenerträge nicht zu hoch, wenn dafür Böden überdüngt, das Grundwasser belastet und der Klimawandel beschleunigt werden? Sollten Verbraucher im Winter auf Erdbeeren verzichten, weil die Treibhausgase bei deren Transport aus südlichen Ländern der Umwelt schaden? Fragen wie diese stellte die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung in den Mittelpunkt einer Tagung in Güstrow (Landkreis Rostock).

Der Greifswalder Ökologie-Professor Michael Succow sieht die Zukunft der Landwirtschaft im regionalen Wirtschaften. „Landwirte auf Rügen sollten Nahrungsmittel für die Region produzieren, nicht für die Hafenkante von Mukran“, meinte Succow. Aus der Sicht des Wissenschaftlers, der für sein Umweltengagement mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt wurde, vernichtet der Export subventionierter Agrarrohstoffe nicht nur heimische Arbeitsplätze, sondern schadet auch „den ärmsten Länder der Welt beim Aufbau einer eigenen Landwirtschaft“. Succow unterstützt mit seiner Stiftung zum Beispiel Projekte in Äthiopien.

Kommentar zum Thema: Die Bauern sollten mehr für den regionalen Markt und weniger für den Export produzieren

Michael Succow: Einige Dinge sollten tabu sein

Auch gegen bestimmte Importe spricht sich der Greifswalder aus. Die deutsche Landwirtschaft importiere enorme Mengen Futtermittel, „um damit Schweinefleisch für China zu produzieren“. Succow fordert: „Wenn man den ökologischen Fußabdruck berücksichtigt, sollten einige Dinge tabu sein.“ Fair gehandelte Bananen, Kaffee und Kakao seien in Ordnung, Erdbeeren zu jeder Jahreszeit müssten aber nicht sein. Sie um den halben Erdball zu transportieren, treibe den Klimawandel voran.

Landesbauernpräsident Detlef Kurreck hält dagegen: „Weder Importe noch Exporte lassen sich verbieten.“ Dass das Angebot vielfältiger geworden ist, sei eine „tolle Errungenschaft“. Außerdem gebe es auch in Afrika Menschen, die gern Joghurt essen. „Es wäre arrogant, wenn wir ihnen das vorenthalten.“

Kay-Uwe Teetz: Der Handel hat keinen Erziehungsauftrag

Auch der Geschäftsführer des Handelsverbandes Nord, Kay-Uwe Teetz, widerspricht Succow: Der Handel analysiere das Kaufverhalten der Kunden und biete das an, was nachgefragt wird. Aber: „Der Handel hat keinen Erziehungsauftrag.“

Uta Nehls von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern bestätigt den Trend zur Regionalität. „Verbraucher möchten regionale Produkte kaufen“, meint die Rostockerin. Sie verlangt mehr Transparenz bei der Kennzeichnung der Lebensmittel. „Oft ist nicht zu erkennen, was ist ein echtes Label und was ein Werbegag.“

Sebastiaan Huisman: Wahre Kosten für Weizen sind neunmal so hoch

Ökolandwirt Sebastiaan Huisman zeigt verdeckte Kosten bei der Nahrungsmittelproduktion auf, die nicht im Ladenpreis sichtbar sind, sondern von der Gesellschaft über Steuermittel finanziert werden. Neben den Direktzahlungen an die Landwirte bezifferte er auch Kosten für abnehmende Bodenfruchtbarkeit durch hohen Kunstdüngereinsatz, für die Wasseraufbereitung nach Beeinträchtigung durch die Agrarwirtschaft, Auswirkungen auf die Artenvielfalt und die menschliche Gesundheit. „Die wahren Kosten für eine Tonne Weizen sind neunmal so hoch wie der Wert, zu dem das Getreide verkauft wird“, meint der Holländer, der seit zwei Jahren in Mecklenburg-Vorpommern lebt und auf Rügen einen Biobetrieb aufbauen will. „Wenn die Bauern die Kosten bezahlen müssten, würden wir sofort aufhören Weizen anzubauen.“

Peter Sanftleben, Chef der Landesforschungsanstalt in Gülzow bei Güstrow, berichtet, wie die Wissenschaft versucht, die Bauern bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. In Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst wird über ein Internetportal die agrarmeteorologische Beratung der Bauern verbessert. Außerdem gibt es Tests, welche Saatgut-Sorten für die konkreten Bedingungen in MV besonders geeignet sind.

Sollen dabei auch gentechnisch modifizierte Neuzüchtungen und gezielten Mutationen helfen? Dazu positioniert sich Agrarminister Till Backhaus (SPD): Bei gentechnischen Verfahren sei nicht abzuschätzen, „wo das langfristig hinführt“, meint der Minister. „Die Menschheit ist gut beraten, nicht alles auszuprobieren, was möglich ist.“

Elke Ehlers

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