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Wirtschaft Verfahren aus Rostock: Stützscheiben gegen abbrechende Rotorblätter
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14:53 08.09.2019
Im Werk der Deutschen Großwälzlager GmbH in Rostock werden Großlager für Windenergieanlagen, Krantürme und Tunnelbohrmaschinen gefertigt. Quelle: BERND WÜSTNECK/DPA
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Rostock

In den vergangenen Monaten haben abbrechende tonnenschwere Rotorblätter von Windkraftanlagen in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. Das Abbrechen hängt nach Angaben von Lars Ulrich Kahl von der Deutsche Großwälzlager GmbH (DGWL) in Rostock mit dem Trend hin zu immer größeren Windkraftanlagen und auch schwereren Rotoren zusammen. Dies führe zu deutlich höheren Belastungen für die verbauten Wälzlager. „Bei einigen Anlagen sind die Lager in der Vergangenheit besonders grenzwertig ausgelegt worden“, sagte Kahl.

Stützscheiben sollen Kräfte aufnehmen

Sein Unternehmen sei von einem Betreiber-Konsortium beauftragt worden, nach Lösungen für dieses Problem zu suchen. Die Blattlagerungen sollten nachträglich verstärkt werden, um auch unter heutigen Gesichtspunkten alle sicherheitsrelevanten Aspekte zu erfüllen und die Anlagen weiter betreiben zu können. Die Lösung der DGWL werde nun erstmals auf der Fachmesse Husum Wind in der kommenden Woche präsentiert.

Nach der physikalischen Neuberechnung seien rund 2,5 Meter große Stützscheiben entwickelt worden, die zwischen Rotorblatt und Wälzlager verbaut werden und zusätzliche Kräfte aufnehmen. „Zusammen mit einem neuen Härteverfahren bringt das komplexe System zusätzliche Stabilität und Verbindungssteifigkeit“, sagte Kahl.

Verfahren kann auch von anderen Herstellern genutzt werden

Das jetzt gefundene Verfahren, das einen Auftrag von rund zwei Millionen Euro ausgelöst hat, könne auch von anderen Anlagenherstellern benutzt werden, sagte Kahl. Von dem Problem seien im Wesentlichen Anlagen betroffen, die in den vergangenen fünf bis zehn Jahren gebaut worden seien.

Im Mai 2016 hatten der damalige Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und Russlands Industrieminister Denis Manturow die Produktionsstätte der DGWL im Rostocker Fischereihafen eröffnet. Mehrheitsgesellschafter des Unternehmens ist mit 55 Prozent der russische Investor Georgi Semenenko, der auch Vorstandsvorsitzender der Kirov-Werke in Sankt Petersburg ist. Inzwischen arbeiten in Rostock knapp 40 Beschäftigte.

Von Joachim Mangler