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Wirtschaft Was Bauern nervt: Ernte schlecht, Preise unten, Ansehen mies
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19:52 04.04.2019
Gülle ist ein wichtiger organischer Stickstoff-Dünger. Doch künftig sollen die Bauern weniger Stickstoff einsetzen. Quelle: Tilo Wallrodt
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Linstow

Schlechte Ernte, schlechte Preise, weniger Dünger, mieses Image – darüber ärgern sich die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern besonders. Auf dem Bauerntag am Donnerstag in Linstow (Landkreis Rostock) machte Landesbauernpräsident Detlef Kurreck deutlich, dass es viele Dinge gibt, die seiner Branche Sorgen machen. Auch andere Redner nannten Beispiele, die den Bauern das Leben schwer machen.

„Ich habe sieben Enkel. Wie soll ich denen erklären, dass wir hier Landwirtschaft machen wollen, wenn der Beruf permanent schlecht geredet wird. Wir wollen wieder dorthin, wo wir hingehören – in die Mitte der Gesellschaft“, sagt der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Wolfgang Vogel.

Dürre und schlechte Ernten

Durch die schlechten Ernten der vergangenen drei Jahre sind viele Agrarbetriebe im Land wirtschaftlich angeschlagen. „Einige sind in ihrer Existenz gefährdet“, weiß Kurreck. Die Trockenheit im Vorjahr führte dazu, dass viele Tierhalter hatten Mühe hatten, ihre Tiere satt durch den Winter zu bekommen. Um Saatgut und Futter kaufen zu können, muss zum Teil schon Land verkauft werden. Positiver Ausblick: Aktuell stehen die Kulturen gut.

Verschärfung der Düngeregeln

Bereits zwei Jahre nach Einführung der neuen Düngeverordnung werden die Richtlinien weiter verschärft. „Dass Beschlüsse nicht mal eine Legislaturperiode überdauern, ist nicht zu akzeptieren.“, meint Kurreck. Denn Prozesse in der Natur brauchten Zeit. Ob Maßnahmen erfolgreich sind, sei nicht in wenigen Wochen erkennbar. „Das ist nicht wie beim Licht, das man einschaltet und es wird sofort hell.“

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Streit um Grundwasserschutz

„Wir wollen das Grundwasser schützen“, stellt Kurreck klar. „Aber wir brauchen punktgenaue Messungen.“ Überhöhte Nitratwerte dürfe man nicht ignorieren, aber pauschale Einschränkungen seien der falsche Weg. Wenn großräumig kaum noch Stickstoff eingesetzt wird, könne kein Qualitätsweizen geerntet werden. „Deutschland ist das Land mit den meisten Brotsorten – es ist schizophren, keinen Wweizen anzubauen.“ Sein Vorschlag: „Konkrete Eintragsquellen für überhöhte Stickstofffrachten erkennen und ausschalten.“

Bauern und Bundesländer nicht gefragt

Keine Beteiligung der Basis: Dass die neuen Berliner Pläne ohne Beteiligung der Bundesländer entstanden und schon nach Brüssel gemeldet wurden, kritisiert Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) besonders scharf. Das sei ein „unvorstellbarer Vorgang.“ Das Papier enthalte außerdem „große agrarfachliche Fehler“. Sein Plan: Mecklenburg-Vorpommern überführt die Trinkwasserschutzgebiete in Landeseigentum und gründet eine „Allianz für sauberes Wasser“, zusammen mit Kommunen, Landwirten, Wasser- und Bodenverbänden.

Zu viel Bürokratie

Es könne nicht sein, dass Landwirte 30 bis 40 Prozent ihrer Arbeitszeit am Schreibtisch verbringen, sagt Bauernpräsident Kurreck. „Wir wollen in der Natur arbeiten, nicht unter Neonlicht.“ Es gehe um weniger Anträge, die einfacher auszufüllen sind und auch für die Bevölkerung leicht verständlich sind. Insbesondere die Agrar-Umwelt-Programme müssten übersichtlicher sein. Es sei zu aufwendig, alles einzeln zu beantragen: Hecken, Bienenweiden, Blühstreifen, Allee-Schonstreifen, Gewässer- und Erosionsschutz.

Doppelte Moral

Prof. Ulrich Nöhle von der Technischen Universität Braunschweig spricht von einer „doppelten Moral vieler Verbraucher“. Bei Umfragen würden viele sagen: „Ich bin für umweltgerechte Produktion und mehr Tierschutz.“ Danach aber drehen sie sich auf dem Absatz um und kaufen im Handel billig ein. Der Wissenschaftler stellt auch fest: „In anderen Branchen loben Verbraucher den technischen Fortschritt, nur die Landwirtschaft soll arbeiten wie zu Omas Zeiten.“

Schmetterlingsproduktion

„Wenn Verbraucher wollen, dass der Bauer sie nicht mehr ernähren soll, müssen wir uns damit auseinandersetzen“, meint René Rempt aus Stoltenhagen bei Grimmen. „Wir können auch aus der Schmetterlingsproduktion ein Geschäftsfeld machen und es in die Fruchtfolge einordnen“, sagt der 34-Jährige, der seine Zukunft in der Landwirtschaft sieht. „Wir müssen aber jemanden finden, der uns das bezahlt.“ Remts Vorschlag: „Vielleicht BASF, VW oder Edeka.“

Agrargelder aus Brüssel

Bisher gibt es keine Angaben darüber, wie viel Geld ab 2020 für die Landwirtschaft zur Verfügung steht. Durch den EU-Austritt Großbritanniens könnten künftig mehrere Milliarden im EU-Agrarhaushalt fehlen, so dass der ländliche Raum und die Agrarbetriebe weniger Unterstützung erhalten.

Herkunft der Produkte

Für den Verbraucher sei – im Geflügelbereich – oft nicht erkennbar, welche Produkte aus der Region kommen. „Es muss deutlicher gemacht werden, welche Lebensmittel nach strengen deutschen Standards produziert wurden und nicht in Thailand“, verlangt Marion Dorn aus Wolde (Vorpommern-Greifswald. Im Handel, vor allem aber in der Gastronomie, könne der Kunde könne nicht erkennen, woher Geflügel kommt.

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