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09:51 07.01.2019
Wolfsrudel wie dieses im Wildparadies Tripsdrill (Baden-Württemberg) bringen jedes Jahr vier bis sechs Welpen zur Welt. Auch in freier Wildbahn breiten sich die unter Naturschutz stehenden Raubtiere aus. In Mecklenburg-Vorpommern sind sechs Rudel und mehrere Wolfspaare sesshaft. Bundesweit gibt es mehr als 70 Rudel, insgesamt etwa 1000 wildlebende Wölfe. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
Grevesmühlen/Marlow

Die Zahl der Wölfe in Mecklenburg-Vorpommern steigt. Doch nicht nur Jäger sichten das Raubtier immer häufiger. Auch Anwohner bekommen das eigentlich scheue Tier in der Nähe von Dörfern zu sehen. Erst in den Weihnachtstagen wurde bei Kloster Wulfshagen bei Marlow (Vorpommern-Rügen) beobachtet, wie ein ausgewachsener Wolf über die Landstraße lief. „Ein Autofahrer hat das in einem Video festgehalten“, berichtet Landwirt Ansgar Kurp aus Kloster Wulfshagen. „Nur etwa 50 Meter von den Häusern entfernt lief der Wolf tagsüber über meinen Rapsschlag in Richtung Wald.“ Der Inhaber des Gestüts Nordvorpommern geht davon aus, dass es in der Region zwischen Marlow und Rostocker Heide sesshafte Wölfe gibt, die vom Wolfsmonitoring des Landes noch nicht erfasst sind. Im August hatte es auf einer Weide bei Blankenhagen einen Wolfsangriff gegeben, bei dem 15 Schafe gerissen und zehn verletzt wurden. Dass sich die Raubtiere unkontrolliert ausbreiten können, hält Kurp für „unverantwortlich“.

Auch in Nordwestmecklenburg gibt es offiziell noch keine sesshaften Wölfe. Landwirte machen sich aber verstärkt Sorgen, seit im vorigen Frühjahr in Pötenitz bei Grevesmühlen ein junger Galloway-Bulle vermutlich von einem Wolf schwer verletzt wurde. „Wir müssen darüber reden, wie wir uns darauf vorbereiten, dass der Wolf ständig da ist“, meint Kurt Klaczinski. Dass meterhohe Koppelzäune die beste Lösung sind, zweifelt er an.

In MV mehren sich die Übergriffe auf Weidetiere. Im Vorjahr zählte das Schweriner Agrarministerium 21 Attacken, die dem Wolf zugeschrieben wurden. 2017 waren es sogar 28. Die Zahl der betroffenen Nutztiere hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt: auf 118 getötete und 43 verletzte Tiere. Offiziell bestätigt sind in MV sechs Rudel, außerdem mehrere Einzeltiere und Wolfspaare – insgesamt mindestens 70 Wölfe. Bundesweit gehen Experten bereits von rund 1000 Wölfen aus. Die Zahl der Rudel wuchs 2018 laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) um 13 auf jetzt 73.

Hat MV schon zu viele Wölfe? Wie weit sollte sich das Raubtier im Land ausbreiten? Darum geht es am 29. Januar bei zu einer Podiumsdiskussion in Grevesmühlen (Nordwestmecklenburg), zu der die Ostsee-Zeitung einlädt. Fachkundige Gäste, darunter Umweltminister Till Backhaus (SPD), Landwirt Kurt Klaczinski aus Pötenitz und Jäger Ulf-Peter Schwarz aus Plüschow bei Grevesmühlen, Schäfer Ingo Stoll aus Langsdorf bei Grimmen sowie Vertreter von Naturschutzorganisationen, stellen sich den Fragen. Beginn: 18 Uhr im Kreistagssaal in der ehemaligen Malzfabrik. Der Eintritt ist frei.

Bis Mitte Januar wollen Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) klären, ob der Abschuss von Wölfen in Deutschland erleichtert werden soll. Schulze hatte bereits zugesagt, das Bundesnaturschutzgesetz so zu ändern, dass auffällige Wölfe mit weniger Hürden erschossen werden können. Klöckner geht das nicht weit genug. Sie will eine Gesetzesänderung, die eine „gemäßigte Bestandsregulierung“ ermöglicht.

Diese Ansicht teilt Ulf-Dieter Schwarz vom Landesjagdverband. „Es sollte Gebiete geben, in denen der Wolf ungestört leben kann“, meint Schwarz, „aber auch solche, aus denen er ferngehalten wird“. Der Bundesverband verlangt zudem, das Raubtier wieder ins Jagdrecht aufzunehmen. Schwarz: „Wenn Wölfe merken, dass ihnen keine Gefahr droht, verlieren sie ihre Scheu vom Menschen.“

Agrarminister Till Backhaus (SPD) betont, dass im Umgang mit dem Wolf „die Sicherheit der Menschen oberste Priorität haben muss“. Backhaus pocht auf „rechtssichere Lösungen“ für das Töten von Wölfen, „die Menschen oder gut geschützte Nutztiere“ gefährden.

Elke Ehlers

Die Dortmunder Firmengruppe Jülich verkauft die Camembert-Markenrechte Rügener nach Frankreich. Jülich hatte sich 1995 die Markenrechte am „Rügener Badejungen“ gesichert, seit 1953 wird der Käse auf Rügen produziert. Ab 2019 nicht mehr - auch die Milch kommt nicht mehr von Rügener Kühen.

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