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Wirtschaft Zu wenig Geld für Innovation in MV
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06:09 15.08.2017
Das Hightech-Unternehmen Clearum stellt für die medizinische Anwendung synthetische Hohlfasermembranen her. Stellvertretende Schichtleiterin Isabell Brüdigam zeigt die aufgewickelten Kunststofffasern.
Das Hightech-Unternehmen Clearum stellt für die medizinische Anwendung synthetische Hohlfasermembranen her. Stellvertretende Schichtleiterin Isabell Brüdigam zeigt die aufgewickelten Kunststofffasern. Quelle: Arscholl, Ove
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Köln/Schwerin

Schlechtes Zeugnis für die Innovationsförderung in Mecklenburg-Vorpommern: Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) wird im Nordosten zu wenig Geld in Forschung und Entwicklung investiert. Das Wirtschaftsministerium in Schwerin räumt daher Nachholbedarf bei Innovationen im Land ein, verweist aber zugleich auf mehrere Beispiele erfolgreich geförderter Projekte. „Mit der Verbundforschung wollen wir Wirtschaft und Wissenschaft anregen, verstärkt zu kooperieren“, betont Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU).

MV auf dem letzten Rang

Legt man die Ergebnisse der IW-Analyse zugrunde, gilt es dabei noch einiges aufzuholen. Die EU hat folgendes Ziel ausgegeben: „Mindestens zwei Prozent der Wirtschaftsleistung“ sollen „in unternehmerische Forschung und Entwicklung investiert werden“, heißt es in der Studie. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 2,11 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern rangiert hingegen mit Ausgaben von 0,5 Prozent der Bruttowertschöpfung – das sind gerade mal 178 Millionen Euro (Stand 2013) – auf dem letzten Rang, mit Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Zum Vergleich: Beim Spitzenreiter Baden-Württemberg sind es 4,3 Prozent.

Im Nordosten sei die Förderung für die sogenannte Verbundforschung – die Zusammenarbeit von regionaler Wirtschaft und Forschungseinrichtungen – in den vergangenen Jahren aber intensiv ausgebaut worden, teilt das Wirtschaftsministerium mit. Ziel sei es, zu mehr marktfähigen Produkten zu kommen. „Insgesamt wollen wir MV als Forschungs- und Technologiestandort weiter profilieren“, betont Glawe. Für die aktuelle Förderperiode von 2014 bis 2020 stehen den Angaben zufolge 168 Millionen Euro aus EU-Mitteln zur Verfügung.

Gesundheitsindustrie im Zentrum der Förderung

Etwa für das mit 2,25 Millionen Euro geförderte Projekt PAKt-MV, an dem Mediziner und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald forschen. Mithilfe des Projekts, das im Herbst 2017 startet, soll die betriebliche Gesundheitsvorsorge im Flächenland MV mit mobiler Untersuchung und Beratung gefördert werden. Grund: Arbeitnehmer im Nordosten sind im Bundesvergleich besonders häufig krank – im vergangenen Jahr blieben 63,4 Prozent der Erwerbstätigen mindestens einmal zu Hause (Bundesschnitt: 57,5 Prozent).

Mit rund drei Millionen Euro hat das Land ein neues Firmengebäude des Impfstoff- und Pharmazeutika-Herstellers IDT Biologika auf der Insel Riems bei Greifswald unterstützt. Die Gesamtinvestition des im Mai 2017 fertiggestellten Neubaus für Forschung und Qualitätskontrolle mit 30 Laboren beträgt zwölf Millionen Euro. Mit der Erweiterung werde „nun am Unternehmensstandort die komplette Wertschöpfungskette der Impfstofffertigung möglich sein“, hieß es.

Als weiteres Beispiel nennt das Wirtschaftsministerium die neue Produktionsstätte des Medizintechnikspezialisten Clearum GmbH in Poppendorf bei Rostock, die im März 2016 an den Start ging. Das Hightech-Unternehmen stellt dort für die medizinische Anwendung synthetische Hohlfasermembranen her, die u. a. in Dialysatoren für die Blutreinigung zum Einsatz kommen. Das Land unterstützte das in der ersten Ausbaustufe 14,8 Millionen Euro teure Projekt mit 4,8 Millionen Euro. Und Wirtschafts-Staatssekretär Stefan Rudolph (CDU) forderte damals: „Wir brauchen noch mehr heimische Unternehmen, die bereit sind, mit Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstituten Mecklenburg-Vorpommerns an neuen Produkten zusammenzuarbeiten.“

Axel Meyer