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MV aktuell Wochenmärkte in MV boomen – aber nicht überall
Nachrichten MV aktuell Wochenmärkte in MV boomen – aber nicht überall
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19:35 08.04.2019
Auf dem Neuen Markt in Rostock findet der traditionelle Wochenmarkt an sechs Tagen in der Woche statt, im Hintergrund das Rathaus.
Auf dem Neuen Markt in Rostock findet der traditionelle Wochenmarkt an sechs Tagen in der Woche statt, im Hintergrund das Rathaus. Quelle: Wüstneck/dpa
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Schwerin

Wer frische Lebensmittel aus regionaler Produktion sucht, und die möglichst nicht in Plastik verpackt, der wird auf Wochenmärkten gut bedient. Obwohl der Umweltgedanke viele Menschen umtreibt, boomen die Märkte nicht überall, wie Betreiber in MV berichten.

„Wo günstig nicht das erste Auswahlkriterium ist, finden Wochenmärkte den größten Anklang“, sagt die Chefin der Großmarkt Rostock GmbH, Inga Knospe. Das Unternehmen betreut nach ihren Worten elf Wochenmärkte in Rostock und zwei in Stralsund. „In Warnemünde funktioniert der Markt sehr, sehr gut.“ Dort lebe eine Klientel, die an den Vorzügen eines Wochenmarktes Interesse habe und im Sommer kämen auch noch viele Touristen dazu. „Wir haben dort wesentlich mehr Bewerber als wir Platz haben.“

Ganz anders sieht es demnach im Plattenbaugebiet Rostock-Lichtenhagen aus. Kurz nach der Wende sei dies einer der größten Wochenmärkte im Land gewesen, sagt Knospe. Jetzt werde die Fläche immer weiter reduziert, weil die Nachfrage nicht da sei.

In der Innenstadt wiederum gebe es auf dem Neuen Markt an sechs Tagen die Woche Markttreiben. Dort sei die Nachfrage größer als das Platzangebot. Im Rostocker Stadtteil Evershagen wurde der Wochenmarkt vor drei Jahren aufgegeben, weil er nicht mehr funktionierte. „Wir versuchen immer auch neue Standorte“, sagt Knospe. Ein Beispiel sei Gehlsdorf, wo seit drei Jahren ein Wochenmarkt veranstaltet werde. Wie es läuft? Nun ja: Momentan seien dort nur drei Stände, sagt Knospe. „Aber die laufen.“

Frische Angebote besonders gefragt

Besonders gefragt sind nach Angaben von Marktbetreibern frische Angebote aus der Region, wie Fleisch, Käse, Gemüse, Obst, Fisch und Brot – gern auch in Bio-Qualität, aber nicht unbedingt. Feinkost ist demnach ebenfalls ein Thema, etwa Oliven und Knoblauch aus Frankreich. In kleineren Orten mit eingeschränkter Kaufkraft finden sich auch Händler günstiger Textilien.

Rüdiger Petersen-Steinhilber von der Käserei Kranich Hof in Bantin (Landkreis Ludwigslust-Parchim), Besitzer von 100 Bio-Kühen, verkauft etwa ein Drittel seiner Produktion auf Märkten. Sein Verkaufswagen steht mittwochs und donnerstags in Schwerin, freitags in Hagenow (Landkreis Ludwigslust-Parchim) und samstags im schleswig-holsteinischen Lauenburg.

Am schwächsten laufe das Geschäft in Hagenow, sagt er. Dort sei die Kaufkraft geringer, aber man bleibe dem Standort treu. Außerdem nimmt er einmal im Monat an den Schaalsee-Märkten teil, zu denen die Besucher bis aus Hamburg kommen. Petersen-Steinhilber kann auf eine Marktfrau setzen, die das gerne macht, und auf eine Stammkundschaft. „Das dauert mehrere Jahre, bis man die hat.“

Marktverkauf ist etwas für Idealisten. „Es ist massiv zu merken, dass das Personal immer teuer und rarer wird“, berichtet Knospe. Auch seien die Anforderungen an die Händler hoch, etwa was die Hygiene angeht. „Ein Kühlwagen für den Käseverkauf ist nicht unter 50 000 Euro zu haben“, sagt sie. Das mache es Einsteigern schwer. Auch Petersen-Steinhilber sagt: „Da gehört bisschen Leidenschaft dazu.“

Leichter Rückgang in Wismar

In Wismar ist in den letzten Jahren ein leichter Rückgang der Markthändler zu verzeichnen, wie Stadtsprecher Marco Trunk berichtet. „Für den neu geschaffenen Standort am Kagenmarkt finden sich leider derzeit keine Markthändler.“ In Friedenshof sei es nur einer. Ein wesentlicher Grund sei neben mangelnder Nachfrage von Seiten der Bevölkerung auch die Altersstruktur und fehlender Nachwuchs bei den Marktbeschickern. Der Wochenmarkt auf dem Marktplatz ist erfolgreicher: Er findet drei Mal wöchentlich statt, ein weiterer im Stadtteil Wendorf zwei Mal die Woche.

In Greifswald seien die beiden Wochenmärkte auf dem Marktplatz und im Wohngebiet Schönwalde I gut aufgestellt, sagt Stadtsprecherin Andrea Reimann. Doch zeige die Statistik, dass die Händlerzahl in den letzten Jahren rückläufig war. „Zum Beispiel aufgrund von altersbedingten Geschäftsaufgaben und Schwierigkeiten, Verkaufspersonal zu finden.“ Zugleich seien die Verkaufsflächen der einzelnen Händler schrittweise gewachsen und die Verkaufswagen professioneller und größer geworden.

Landeshauptstadt zeigt sich zufrieden

In Parchim mit seinen knapp 18 000 Einwohnern kommen mittwochs bis zu 18 Händler zum Wochenmarkt, samstags nur maximal fünf, wie Stadtsprecher Torsten Schünemann sagt. „Wenn eine Abmeldung erfolgt, dann meistens aus wirtschaftlichen oder altersbedingten Gründen.“ In Neubrandenburg, so heißt es aus der Stadtverwaltung, haben sich die Wochenmärkte etabliert. Die Angebote erfreuten sich großer Beliebtheit.

Auch die Stadt Schwerin ist zufrieden mit ihren sieben Wochenmärkten an verschiedenen Standorten. „Sie erfreuten sich gerade auch in den letzten Jahren einer immer größeren Beliebtheit“, hieß es. Dies sei nicht zuletzt einem umweltbewussteren Kaufverhalten der Kundschaft geschuldet. Frische Erzeugnisse wie Fleisch, Obst, Gemüse oder Eier aus einheimischer, ökologischer Produktion würden immer beliebter. Mehr lesen: 

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Iris Leithold