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MV aktuell Wölfe im Nordosten: Gekommen, um zu bleiben
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00:00 16.02.2016
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Schwerin

„Ingeborg“ und „Jana“ sind für Schäferin Heike Griem zusammen mit speziellen Elektrozäunen der beste Schutz gegen Wölfe. Die beiden kräftigen weißen Pyrenäen-Berghunde würden jeden Isegrim in die Flucht schlagen, der es auf die Schafe abgesehen hätte, ist die Wanderschäferin aus dem Raum Boizenburg überzeugt. Mit vier Schafherden von insgesamt 2200 Tieren beweidet die Mittvierzigerin rund 600 Hektar Naturschutzgebiet. Und dabei handelt es sich sozusagen um „Wolfs Revier“. Eines von insgesamt zwei Wolfsrudeln hat sich im Südwesten von MV angesiedelt. Ein anderes lebt in der Ückermünder Heide in Vorpommern. Beide Paare hatten im Vorjahr zusammen neun Welpen. Hinzu kommen Einzeltiere, die das Land durchstreifen. Rund zehn Jahre nachdem die ersten Wölfe im Land gesichtet wurden, sind die grauen Beutegreifer wieder in MV heimisch. Und die tierischen Einwanderer, die über hundert Jahre nicht zum festen Wildtierbestand im Nordosten gehörten, sind gekommen, um zu bleiben. Sie fühlen sich hier offenbar wohl.

Doch was Naturschützer und Wolfs-Liebhaber entzückt und geradezu zu einer Willkommenskultur animiert, ist nicht ganz unproblematisch. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) ist einerseits froh über die scheuen Raubtiere im Land: „Dies ist ein wichtiger Beleg für unsere Arbeit für die Artenvielfalt.“ Andererseits jedoch kennt er die Sorgen von Landwirten, Schäfern, Ziegenhirten oder den Betreibern von Wildgattern. „Wir müssen uns auf eine langfristige Koexistenz mit dem Wolf einrichten“, meint Backhaus und verweist auf das langfristig angelegte Wolfsmanagement der Landesregierung.

Allerdings ist das Zusammenleben von Mensch und Tier nicht problemfrei. Der Wolf ist nicht einfach ein Raubtier, das auch wieder in MV heimisch geworden ist, sondern er ist auch Gegenstand von Emotionen, Ängsten, Vorurteilen. Grimms Märchen mit Rotkäppchen und dem „bösen Wolf“ lassen grüßen.

Ganz aus der Luft gegriffen sind die Sorgen allerdings nicht. Immerhin gab es im Vorjahr im Land allein 13 Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere, vor allem auf Schafe. Dabei wurden 34 Tiere getötet und 16 verletzt. Im Jahr 2014 zuvor gab es neun Wolfsattacken. Oder genauer gesagt, ist in all diesen Fällen der Wolf als Verursacher nicht auszuschließen gewesen. Mitunter, sogar relativ häufig, reißen nämlich auch streunende Hunde Schafe. So erst am Wochenende zwei ausgebüxte Rottweiler, die in der Mecklenburger Schweiz Unheil anrichteten. Bislang zahlt das Land den betroffenen Schäfern den Verlust der vom Wolf getöteten Tiere, auch Tierarztkosten sowie die Beseitigung der Kadaver können übernommen werden. Zudem werden elektrische Weidezäune und geeignete Herdenschutzhunde bezuschusst.

„Auch für die Züchter führt nichts am Wolf vorbei“, meint der Vorsitzende des Schaf- und Ziegenzuchtverbandes in Karow (Landkreis Ludwigslust-Parchim), Jürgen Lückhoff. Zugleich forderte er jedoch, das „Wolfserhaltungsgebiet“ auf das gesamte Bundesland auszudehnen, nicht nur auf die südlichen Landkreise. Dann müssten die Tierhalter zwar überall zusätzlich in den Schutz auf den Weiden investieren, wenn sie vom Land eine Entschädigung für gerissene Tiere bekommen wollen. Doch entscheidend sei, dass der Wolf dann weniger Zugriffsmöglichkeiten auf die Tiere erhalte. Für Rotraud Geiger vom Landesbauernverband ist klar, Landwirte müssen auch weiterhin ihre Tiere draußen halten können. Sie verlangt von der Landesregierung zugleich, dass es Ausgleichzahlungen nicht nur für Schafe und Ziegen gibt, sondern dies auch für den Fall von gerissenen Kälbern oder Fohlen geschieht. Darüber, wie viele Wölfe das Land vertrage, scheiden sich die Geister: Der Nabu-Wolfsexperte Markus Bathen meint, MV habe noch sehr viel Platz für weitere Wölfe.



Reinhard Zweigler

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