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MV aktuell Wohnung gesucht: Ministerin zieht mit Hund nach Schwerin
Nachrichten MV aktuell Wohnung gesucht: Ministerin zieht mit Hund nach Schwerin
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05:00 07.06.2019
Bettina Martin (53, SPD) ist seit wenigen Tagen neue Bildungsministerin in MV. Als Kind war sie Schwimmerin, später Reporterin für CNN beim Mauerfall in Berlin. Quelle: Cornelius Kettler
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Schwerin

Bettina Martin blickt von ihrem neuen Büro aufs Schweriner Schloss. Vor gut zwei Wochen war die 53-Jährige noch MV-Beauftragte beim Bund in Berlin. Nach einer Personalrochade von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ist Martin (beide SPD) jetzt Bildungsministerin des Landes, zuständig für Schulen, Hochschulen, Wissenschaft, Kultur, Theater, Unimedizin – viele Problemthemen im Land. Sie wolle viele Gespräche führen und erst einmal zuhören, sagt sie. Sie sei angetreten, um Probleme zu lösen.

Seit einem Jahrzehnt in Schwesigs Diensten

Bettina Martin gilt als Mastermind hinter Schwesig, als Organisatorin und Strippenzieherin. Seit zehn Jahren arbeiten beiden zusammen: Martin war bei Schwesig als SPD-Bundesvize, ab 2013 Leiterin des Stabs im Bundesfamilienministerin, Chefin von 45 Mitarbeitern. „Das hat mich geprägt“, sagt sie. „Ich weiß, was ich will, wie man Problemthemen organisiert.“ Hier habe sie viel von Schwesig gelernt. Ihre Stärke sei, Leute mitzunehmen. Ihre Schwäche? „Ich glaube, ich bin ein Workaholic.“ Das klingt bei ihr nicht negativ.

Sehen Sie hier die vielen Facetten der neuen Landesbildungsministerin Bettina Martin in Bildern

Durchbeißen konnte sich Bettina Martin schon als Kind. Mit elf Jahren sei sie Westberliner Meisterin im Freistilschwimmen gewesen. Eine Zeit der Disziplin. Abgesprungen sei sie allerdings, als sie Hilfsmittel einnehmen sollte. Es folgte Tennis – ein Sport, den sie neben Yoga und Joggen noch heute treibe. Dazu Kanufahren mit ihrem Mann, einem Kanadier und US-Amerikaner. An der Stelle wird die Vita exotisch. Ihr Mann sei früher Tänzer und Schauspieler gewesen, heute Fernsehmoderator. Sie lernten sich kennen, als Bettina Martin Ende der 1980er in den USA studierte. Das Studium von Nordamerikanistik, Politik und Volkswirtschaftslehre ist wohl Hinweis auf eine Vielseitigkeit.

1989 in Berlin: „Ich habe auf der Mauer getanzt.“

Als sie zurückkam, landete sie direkt an der Berliner Mauer im Glückstaumel Tausender Menschen. Der Fernsehsender CNN habe eine Mitarbeiterin fürs Reporterteam gesucht, die Englisch und Deutsch spreche, Martin griff zu. Am 9. November 1989, als der Eiserne Vorhang fiel, „habe ich auf der Mauer getanzt“. Ein Foto in einer Zeitung zeigt sie mit vor Glück weinenden Ostdeutschen. Später war sie Pressesprecherin im Berliner Senat, Redenschreiberin von Familiensenatorin Christine Bergmann (SPD). Sie habe viel von ostdeutschen Politikern gelernt. 2017 machte sie Schwesig zur wichtigsten Frau des Bundeslandes in Berlin, Staatssekretärin. Dort handelte Martin im Bundesrat unter anderem den Digitalpakt Schule mit der Bundesregierung aus.

Problem-Themen im Ministerium will sie anpacken

Die Ernte könne sie jetzt als neue Bildungsministerin mit einfahren. Schule gilt als der größte Brocken im Problemkanon ihres Ministeriums. Lehrer fehlen und sind mit Stunden überlastet, Unterricht fällt aus, an den Unis hakt die Lehramtsausbildung. Sie sei sich bewusst, dass das „ein ganz dickes Brett“ ist, so Martin. „Lehrermangel ist das Thema.“ Das Studium müsse praxisorientierter werden, der Lehrerberuf mehr Anerkennung finden. Ob das über mehr Geld, Verbeamtung oder weniger Stunden funktionieren kann – Martin will sich noch nicht festlegen, erst mehr Gespräche führen. Praktisches hat sie im Blick: Dass Studienabgänger ein halbes Jahr warten müssen, bis sie ein Lehrer-Referendariat antreten können, verstehe sie nicht. „Verordnungen kann man ändern.“ So verstehe sie die Rolle von Spitzenpolitikern: den Rat der Experten hören, nach Verbesserungen suchen.

Dass das neue Schulgesetz nach Protest von Lehrern, Eltern und Schülern gerade kassiert wurde, finde sie richtig. „Was nutzt ein neues Schulgesetz, das keiner will? Wir werden jetzt mit allen Beteiligten da gemeinsam nochmal rangehen.“ Neue Töne zum Thema Inklusion, also Einbindung von Schülern mit Einschränkungen oder besonderen Begabungen. Martin: „Wir müssen Inklusion nicht verordnen, sondern ermöglichen.“ Nichts mehr von SPD-Doktrin zur Umsetzung.

Hund „Fido“ zieht mit nach Schwerin, der Mann nicht

Als ein „großes Pfund“ sehe sie den Theaterpakt in MV, ein Abkommen über mehr Landesmittel über Jahre. Auf die kulturelle Vielfalt im Land freue sie sich besonders. Damit könne das Land sich sehen lassen. Ein anderes Thema lässt ihr Vorgängerin Birgit Hesse (SPD) ungelöst liegen: den Streit um Effizienz und Gewinnmaximierung in den Uni-Kliniken Rostock und Greifswald. Dies sei „natürlich eine Baustelle“. Eine „schwarze Null“ in der Bilanz sei wünschenswert, so Martin. „Dies darf aber nicht zu Lasten der Patienten gehen.“ Ausgerechnet jetzt verlässt sie der zuständige Staatssekretär Sebastian Schröder. Aber die Nachfolgerin, Susanne Bowen, sei „eine gute Neue“, verwurzelt im Thema Hochschulen.

Kritik an der Personalie Martin gab es kürzlich wegen ihrer Herkunft Westberlin. Eigentlich wohnt sie ja südlicher, in Kleinmachnow. Osten. Sie wolle jetzt nach Schwerin ziehen, sagt sie. „Ich suche eine Wohnung.“ Wichtiges Kriterium: Hundefreundlichkeit. Denn der schokobraune Labrador „Fido“ (13) komme mit, während ihr Ehemann in Berlin bleibe. „Fido“ spricht sie englisch aus. Das bedeute „der Treue“; den Namen habe der Lieblingshund des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln getragen. Ihre beiden Söhne, beide erwachsen, gingen jetzt ihre eigenen Wege.

Frank Pubantz

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