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MV aktuell Zempin braucht 500 Tonnen Sand pro Strandaufgang
Nachrichten MV aktuell Zempin braucht 500 Tonnen Sand pro Strandaufgang
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00:00 17.01.2017
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Zempin

TV-Reporter, Journalisten großer Zeitungen und Radiosender gaben sich in den letzten Tagen am Zempiner Campingplatz auf Usedom die Klinke in die Hand. Der durch die Sturmflut zerstörte Kiosk wurde wohl das prägendste Bild der heftigen Sturmflut an der Küste, welche deutschlandweit für Aufsehen sorgte. Der Kiosk ist mittlerweile mit einem Bagger dem Erdboden gleichgemacht worden. Wie es mit Betreiberin Petra Hofmann (57) weitergeht, ist jedoch unklar.

25 Jahre lang betrieb die Insulanerin den Kiosk, zum letzten Mal öffnete sie am 4. Oktober, einen Tag nach dem ersten Herbststurm des letzten Jahres. Eigentlich wollte Petra Hofmann zum Herrentag im Mai wieder öffnen. „Ich habe mich schon auf alle Stammkunden gefreut. Am liebsten aßen sie Fischbrötchen“, weiß sie.

Insgesamt stand das Häuschen 60 Jahre. „Vor meiner Selbständigkeit habe ich bei meinen Schwiegereltern mitgearbeitet“, erklärt sie. Sie kennt noch die Bilder, wie es früher einmal aussah.

„Bis vor zehn Jahren hatten wir eine Terrasse hinter dem Kiosk, also mit Blickrichtung zum Wasser. Dort hatten etwa 50 Gäste Platz. Doch der Außenbereich wurde verlegt, die Plätze waren dann an der Seite des Kiosks“, erinnert sie sich. Auch die in der Nähe befindliche Kurmuschel wurde baulich verrückt. „Es bildeten sich erste Risse am Gebäude. Vor 15 Jahren wurde die Kurmuschel dann abgerissen und einige Meter weiter wieder aufgebaut. Zum Glück stürzte sie nicht in Wasser.“

Nun kann Petra Hofmann nur hoffen, im Sommer wieder Arbeit zu finden. Ihre Versicherung bekam mit, dass der Küstenabschnitt an dieser Stelle immer schmaler wurde und kündigte den Vertrag. „Bis vor zehn Jahren war das Gebäude noch gegen Elementarschäden wie Sturmfluten versichert, dann nicht mehr. Deshalb können wir auf kein Geld von dieser Seite hoffen“, sagt sie. Unterstützung bekam Petra Hofmann nach dem Abbruch aber von ihren Stammgästen aus vielen Teilen der Bundesrepublik. „Sie schickten mir Blumen und Karten. Das baut uns wieder auf“, sagt sie. „Eine Bekannte aus Kanada meinte sogar, dass sie uns im Fernsehen gesehen habe. Die Anteilnahme war echt überwältigend.“

Während der Sturmflut saß die Kioskbetreiberin in ihrem Wohnzimmer. „Ich war wie in Schockstarre und konnte es gar nicht fassen. Meine Kinder holten noch ein paar wichtige Sachen heraus. Dann stürzte auch schon die hintere Wand ein und fiel abwärts.“

Wichtig sei aber erst einmal, „dass die Strandfischer wieder arbeiten können. Die sind eher dran als ich in der Urlaubssaison. Bald geht die Heringszeit wieder los“, sagt die Zempinerin.

Strandfischer Torsten Labahn schätzt, dass etwa 500 Tonnen Sand pro Aufgang notwendig sind, damit die Aufgänge wieder funktionieren. „Da wurde eine Menge Sand abgetragen“, sagt er. „Wir sind diejenigen, die sofort Hilfe von der Landesregierung brauchen.“ Ohne schwere Technik sei dies kaum möglich.

Aber nicht alle Zempiner Strandaufgänge werden künftig zugänglich sein. „Vier Naturabgänge werden wir aufgrund der immensen Abtragungen für immer schließen müssen. Nur zwölf Abgänge bleiben bestehen“, sagt Petra Hofmann, die auch als Vorsitzende des örtlichen Bauausschusses tätig ist.

Zempins Strandfischer Torsten Labahn hofft, dass er bald wieder in See stechen kann. Er lobt die Buhnen, die vor zwei Jahren in den Boden gerammt wurden. Rund 750000 Euro investierten das Land, der Bund zu einem kleinen Teil die Gemeinde Zempin. 3400 Pfähle wurden gesetzt. „Die neuen Buhnen wurden dem Küstenverlauf besser angepasst“, erklärt Labahn. Die alten Exemplare waren 30 Jahre alt und sehr anfällig. Allerdings: Auch die neuen Buhnen konnten nicht verhindern, dass sich das Meer viel holte vom Zempiner Strand.

Hannes Ewert

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