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MV aktuell Zu Besuch bei Zirkusshow nach Tod von „Pumba“: Trauer bei Gästen und Mitarbeitern
Nachrichten MV aktuell Zu Besuch bei Zirkusshow nach Tod von „Pumba“: Trauer bei Gästen und Mitarbeitern
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17:09 06.10.2019
Sind nach dem Tod von „Pumba“ aus Sanitz zur Vorstellung gekommen, um den Zirkus zu unterstützen: Laura Redemund und Jasmin Brandt (v.l.) mit Friedrich. Quelle: Stefanie Büssing
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Tessin

Im „Circus Barlay“ liegen die Nerven blank: Nach dem Tod von Zebra „Pumba“ herrscht vor der Vorstellung am Sonnabend immer noch Entsetzen bei Mitarbeitern und Zuschauern. Einige Besucher waren extra gekommen, um den Zirkus zu unterstützen.

„Wir haben die Geschichte von ’Pumba’ gehört und sind deswegen hergefahren“, sagt Ilka Müller aus Wesselstorf bei Selpin. Auch ihre fünfjährige Tochter Alina ist traurig. „Ich habe für das andere Zebra Äpfel und Möhren mitgebracht“, sagt die Kleine und zeigt auf ihren gefüllten Beutel.

Fotos von der Vorstellung nach Tod von Zebra „Pumba“:

So laufen die Vorstellungen nach dem Tod von Zebra „Pumba“

Hintergrund: In der Nacht zum Mittwoch waren die zwei Zebras „Pumba“ und „Safari“ aus ihrem mobilen Stall auf dem Festplatz an der ehemaligen Zuckerfabrik in Tessin ausgebrochen, wo der Zirkus zurzeit gastiert. Bei dem Versuch, das Tier einzufangen, war „Pumba“ von einem Tierretter der Berufsfeuerwehr erschossen worden (OZ berichtete).

Stadtsprecher: Wir mussten schnell handeln

Ulrich Kunze, Sprecher der Hansestadt, deren Tierretter der Berufsfeuerwehr die Polizei zur Hilfe gerufen hatte, hatte das die tödlichen Schüsse in der Dorfmitte von Liepen verteidigt. „Das Tier war etwa 60 Meter von unseren Rettern weg. Unsere Betäubungsgewehre treffen aber nur auf 40 Meter. Es war gefordert, dass wir schnell handeln“, hatte er am Donnerstag auf OZ-Anfrage erklärt.

Auch Mama Ilka lässt die Geschichte nicht kalt: „Ich finde es empörend. Die Schüsse waren aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt. Das Tier war ja weg von der A20 und daher keine direkte Gefahr mehr“, sagt die 36-Jährige. „Ich weiß, es gibt immer wieder das Argument, dass Wildtiere nicht in den Zoo gehören. Aber wer würde ohne sie noch kommen? Wichtig ist, dass sie artgerecht gehalten werden.“ Auch ihre Freundin Juliane Fickel kann den Einsatz der Helfer nicht nachvollziehen. „Ich denke, eine Betäubung wäre sinnvoller gewesen. Dass einfach geschossen wurde, ist wirklich traurig.“

Haben Futter für Zebra „Safari“ dabei: Juliane Fickel, Ilka Müller (v.l.) und Tochter Alina (5) aus Wesselstorf bei Selpin. Quelle: Stefanie Büssing

„Wäre der Unfall auf der A20 tödlich verlaufen, sähe die Sache anders aus“

Auch Jasmin Brandt (18) ist mit dem zweijährigen Friedrich und ihrer Freundin Laura Redemund (26) aus Sanitz gekommen. „Wir wollten uns sowieso eine Vorstellung anschauen. Das Zebra hat uns noch mal darin bestärkt, herzukommen, um den Zirkus zu unterstützen“, sagt Brandt. „Das ist wirklich eine schlimme Sache“, fügt Redemund hinzu.

Video: Warum musste Zebra „Pumba“ sterben?

Stephanie Fleischmann (29) aus Tessin sieht das Ganze von zwei Seiten. „Es ist schon traurig, dass einfach geschossen wurde. Aber wäre der Unfall auf der A20 tödlich verlaufen, sähe die Sache wahrscheinlich für viele anders aus“, gibt sie zu bedenken. Nach seiner Flucht war „Pumba“ auf der A20 zwischen Sanitz und Tessin unterwegs und hatte dort einen Unfall mit hohem Sachschaden aber ohne Verletzte verursacht. Ein Autofahrer war ausgewichen und gegen eine Leitplanke gefahren. „Für das Tier und den Zirkus ist es natürlich trotzdem sehr traurig“, so Fleischmann.

Sieht das Drama um „Pumba“ von zwei Seiten: Stephanie Fleischmann (29) aus Tessin Quelle: Stefanie Büssing

„Es ist herzzerreißend, man könnte weinen“

Auch im Zirkus selbst können viele das Geschehene noch gar nicht glauben: „Es ist herzzerreißend, man könnte wirklich weinen“, sagt Inhaber Jonny Ortmann. Er führt den Familienzirkus, zu dem rund 80 Tiere, mehrere Familien, Mitarbeiter und Artisten gehören, in der achten Generation. Von März bis November gastiert der Zirkus jedes Jahr in bis zu 35 Städten – überwiegend in Norddeutschland. Auch nach dem Unglück muss die Schau weitergehen – auch wenn es schwerfällt. Nach „Pumbas“ Tod hat Dompteur Angelo Madel auch das zweite Zebra „Safari“ aus dem Programm genommen – beide waren Teil der Exotennummer mit Kamelen und Rindern.

Der Zirkus ist auf der Suche nach einem neuen Zebra

Der Zirkus sei nun auf der Suche nach einem neuen Zebra, sagt Ortmann. „Aber allein die Dressur dauert Jahre.“ Für die Zirkus-Mitarbeiter war „Pumba“ mehr, als nur ein Nutztier. „Wir leben hier sehr dicht mit den Tieren zusammen“, sagt Ortmann. „Sie haben mein Kind erschossen“, hatte Dompteur Angelo Madel nach dem tragischen Ereignis an der Unfallstelle gesagt, wo die Zirkusleute weinend neben dem toten Tier knieten.

Auch in der Vorstellungspause, als er mit Besuchern und „Safari“ am Tiergehege steht, kommen bei dem Dompteur die Emotionen hoch. Äußern will er sich nicht mehr. Nur noch in Ruhe trauern, sagt er. Er habe seinen Anwalt eingeschaltet, um denjenigen zu verklagen, dessen tödliche Schüsse „Pumba“ trafen. „Mir geht es nur um eins“, sagt er. „Um die Gerechtigkeit.“

Video: Zebra verursacht Unfall auf A20 in Mecklenburg

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Von Stefanie Büssing

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