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MV aktuell Zu modern? Linke straft Co-Chefin Brüdgam bei Vorsitzendenwahl ab
Nachrichten MV aktuell Zu modern? Linke straft Co-Chefin Brüdgam bei Vorsitzendenwahl ab
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14:33 30.11.2019
Die Doppelspitze bleibt: Torsten Koplin (l.) und Wenke Brüdgam sind am Sonnabend als Parteichefs wiedergewählt worden. Allerdings mit schlechteren Ergebnissen als vor zwei Jahren. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
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Kühlungsborn

Die Linke kämpft gegen den personellen Niedergang: Keine Partei in Mecklenburg-Vorpommern verliert in so rasantem Tempo Mitglieder wie die Linkspartei. Zurzeit zählt der Landesverband noch 3440 Mitglieder, rund 500 weniger als noch vor drei Jahren. Der Partei sterben besonders an der Basis die Genossen buchstäblich weg. Langfristig steht damit auch die finanzielle Basis infrage, die aber noch solide sei, wie Torsten Koplin, einer der beiden Vorsitzenden sagt.

Ursprünglich wollten beide Parteichefs, Wenke Brüdgam und Torsten Koplin, diesen Trend nicht nur stoppen, sondern die Mitgliederzahl während ihrer Amtszeit, der ersten mit einer Zweierspitze im Landesverband, verdoppeln. Brüdgam: „Das ist nicht gelungen.“ Koplin will die Verantwortung dafür nicht allein tragen. „Es muss doch möglich sein, dass jeder von uns im Verlauf von zwei Jahren einen Menschen zum Eintritt bewegt. Es ist nicht illusionär, Menschen zu gewinnen“, raunt er während des Parteitages am Wochenende in Kühlungsborn einem kritischen Genossen entgegen. Auch das Engagement der Kreisverbände in der Parteiarbeit sei verbesserungswürdig. Koplin: „Das ist doch keine Einbahnstraße.“ Klartext: Macht mit und hört auf zu meckern. Rumms!

Parteivorsitzende mit schlechteren Ergebnissen wiedergewählt

Wiedergewählt worden ist das Duo am Sonnabend in Kühlungsborn dennoch. Brüdgam aber mit einem deutlich schlechteren Ergebnis als noch vor zwei Jahren: 61,7 Prozent der 107 Delegierten gaben der dynamisch auftretenden 35-Jährigen ihre Stimme. Für Koplin votierten 72 Prozent. Bei der vorangegangenen Wahl im Jahr 2017 kam Brüdgam noch auf 75 und Koplin immerhin auf 76,6 Prozent. Gegenkandidaten gab es am Sonnabend keine.

Beide Vorsitzende besetzen parteiintern verschiedene Felder. Brüdgam gibt sich modern, Koplin eher traditionell. Er trägt vor seiner Wiederwahl eine Rede vor, die wenig überrascht, in Teilen gar etwas zusammenhangslos wirkt, für die er aber mehr Zwischenapplaus bekommt als Brüdgam zuvor.

Koplin kritisiert „die Mächtigen“ allgemein, nimmt „die Großkonzerne“ in die Mangel und stellt fest: „Es ist etwas Edles, sich für humanistische Ideale stark zu machen.“ Das „miese Spiel von teile und herrsche“ sei mit den Linken nicht zu machen. „Die Macht, um die es uns geht, ist die Selbstermächtigung der Menschen. Freiheit ohne soziale Gerechtigkeit ist die Freiheit der Wildnis.“ Es geht bis zu jenem Satz, der auf keinem Linken-Parteitag fehlen darf: „Wir sehen, wie die Reichen immer reicher werden.“ Wenig Konkretes, aber mit derart markigen Worten kann man in dieser Partei nicht viel falsch machen.

146 Euro für eine Monatskarte

Auch Brüdgam hält den Kapitalismus „nicht für das Ende der Geschichte, sondern ein Kernproblem der heutigen Zeit“. Sie bringt mit ihrer Bewerbungsrede zugleich einen Leitantrag des Parteivorstandes zur besseren Mobilität im ländlichen Raum ein. Ihr zufolge haben die Stilllegung von 300 Bahnkilometern und das Kappen vieler Buslinien auch eine große soziale Komponente.

Der Zugang zu Arbeit, Kultur- und Freizeitangeboten sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Teil gar nicht mehr möglich. Hinzu komme der ökologische Wandel, der Menschen wie „eine alleinerziehende Kellnerin aus Tribsees, die jeden Tag nach Stralsund zur Arbeit fahren muss“, ausschließe. „Ich bin mir sicher, wer sich ein Elektroauto für über 40 000 Euro kauft, ist auf die 5000 Euro Förderung dafür nicht angewiesen. Aber die Kellnerin aus Tribsees wird nie in den Genuss der E-Auto-Prämie kommen. Sie wird weiter ihren Kleinwagen fahren und darauf in Zukunft höhere Abgaben zahlen.“ Eine Monatskarte für den Bus von Tribsees nach Stralsund koste 146 Euro, rechnete Brüdgam vor. Aber schon ab 16.30 Uhr gebe es keine Verbindung mehr. „Das heißt, keine Schwimmkurse für Kinder von außerhalb, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind.“

Im weiteren Verlauf des Parteitages beschäftigen die Delegierten mehrere Anträge, mit denen die Partei ihr ökologisches Profil deutlich schärfen will. Dazu gehört das Ansinnen, die ökologische Bilanz der eigenen Parteitage zu verbessern. Mit einem weiteren Vorstoß möchte die Linke eine naturnahe Landwirtschaft fördern, um die Nitratbelastung im Grundwasser zu senken.

Von Benjamin Fischer

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