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MV aktuell Zu oft am Smartphone: Schüler in MV verlernen Schreiben mit der Hand
Nachrichten MV aktuell Zu oft am Smartphone: Schüler in MV verlernen Schreiben mit der Hand
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06:30 07.10.2019
Immer öfter Probleme mit der Handschrift: Die Mehrheit der Lehrer klagt darüber, dass auch in den Lehrplänen zu wenig Wert auf das Erlernen einer guten Handschrift gelegt werde. Quelle: Florian Schuh/dpa
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Rostock

Mehr als die Hälfte der Jungen hat in Deutschland Probleme, längere Texte leserlich aufzuschreiben. Lehrer und Kinderärzte schlagen deswegen Alarm: Eine wachsende Anzahl von Schülern in Mecklenburg-Vorpommern hat Probleme, längere Texte mit der Hand zu schreiben. „Immer öfter kommt im Unterricht die Frage: Können wir das Tafelbild mit dem Handy abfotografieren?“, sagt der Landesvorsitzende des Verbandes für Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck, der selbst als Lehrer tätig ist.

Blanck zufolge hätten sowohl die Fingerfertigkeiten der Kinder und Jugendlichen beim Halten von Stift und Schere als auch die körperlichen Fähigkeiten im Sportunterricht in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. „Viele Schüler haben es verlernt, längere Texte handschriftlich zu verfassen und sich entsprechend konzentrieren zu können.“

Damit würden zugleich kognitive Fähigkeiten verloren gehen. „Das Abschreiben eines Tafelbildes ist der erste Schritt, es zu verinnerlichen“, erklärt der Verbandschef. „Bei mir im Unterricht verbiete ich das Abfotografieren mit dem Handy.“

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Lehrerverband vermisst Spiele wie Stadt, Land, Fluss

An dieser Entwicklung seien zumeist Handys und Tablets schuld, die viele Kinder bereits zu häufig nutzen würden, noch ehe sie in der ersten Klasse angekommen sind. Blank zufolge hätten die Geräte traditionelle Spiele und Beschäftigungen zu Hause verdrängt. „Früher kannte das Spiel Stadt, Land, Fluss jeder. Das regt den Kopf an und fördert das Schreiben. Heute ist es fast in Vergessenheit geraten“, wundert sich Blanck. Zudem werde in den Familien kaum noch gebastelt.

Mit dieser Meinung steht der VBE-Landesverband MV nicht allein da. Auch die Kinderärzte im Land würden inzwischen deutlich öfter fein- und grobmotorische Entwicklungsverzögerungen feststellen, wie der Vize-Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Dr. Steffen Büchner aus Güstrow, betont. „Wenn Mutti und Vati in Anwesenheit ihrer Kinder oft aufs Handy starren, müssen wir uns nicht wundern, wenn am Ende die Förderung fehlt“, kritisiert er. Büchner warnt vor Projekten, über die Tablet-Computer grundsätzlich Einzug in die Kitas halten könnten. „Das wäre der Tod der Handmotorik.“

Lebenswandel der Eltern schuld an Defiziten

Viele Eltern würden von den Kinderärzten mehr Verordnungen für ergotherapeutische Behandlungen fordern, sagt der Mediziner, was aber kaum zu rechtfertigen sei, „wenn die Defizite nicht krankheitsbedingt sind und die Ursachen im Lifestyle der Eltern liegen“.

Laut einer Studie, die der Lehrer-Verband VBE gemeinsam mit dem Institut für Schreibmotorik in Bayern in diesem Jahr vorgelegt hat, vermissen drei Viertel der Lehrkräfte in der Schule ausreichend Zeit für individuelle Fördermaßnahmen, um die Entwicklungsverzögerungen aufholen zu können. Mehr als die Hälfte der 2000 Befragten gab an, dass auch in den Lehrplänen zu wenig Wert auf das Erlernen einer guten Handschrift gelegt werde.

Zudem verschärfen sich die Schwierigkeiten während der weiteren Schullaufbahn, besonders bei den Jungen: In den weiterführenden Schulen hätten demnach bereits 53 Prozent der Jungen Probleme und 33 Prozent der Mädchen. Nur zwei von fünf Jugendlichen in der Sekundarstufe könnten 30 Minuten und länger beschwerdefrei schreiben.

Kinderärzte fordern auch mehr Breitensport

Um die Förderung der Grobmotorik zu verbessern, fordert Kinderarzt Büchner von der Landesregierung mehr Engagement, Vereine dabei zu unterstützen, Angebote im Breitensport zu schaffen, von denen auch Kinder profitieren, die im Sport nicht zu den Besten gehören. Bisher werde zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Leben Auslese betrieben. „Wer rasch gut Fußball spielen kann, bleibt dabei, alle anderen fallen wieder heraus. Wir müssen aber bei allen Kindern die Lust auf Bewegung wecken.“

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