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MV aktuell Zu viele Katzen in Tierheimen: Betreiber fordern Kastrationspflicht in MV
Nachrichten MV aktuell Zu viele Katzen in Tierheimen: Betreiber fordern Kastrationspflicht in MV
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19:05 29.07.2019
In den Tierheimen in Mecklenburg-Vorpommern landen derzeit sehr viele junge Katzen, deren Zustand sehr schlecht ist. Quelle: Tierheim Berlin
Rostock

Sie werden niedlich „Maikatzen“ genannt. Sie tauchen jetzt in Mecklenburg-Vorpommern in Massen auf. Viele von ihnen sind gar nicht so niedlich: Sie sind krank, geschwächt, verwahrlost – und sterben deshalb oft schnell.

Die Tierheime in Mecklenburg-Vorpommern haben mit einem riesigen Andrang hilfebedürftiger Katzen zu kämpfen. Um der alljährlich wiederkehrenden Belastung endlich Herr zu werden, fordern Tierschützer schon lange eine gesetzlich verankerte Kastrationspflicht für Katzen.

Tierheim Schlage betreut 150 Katzen

„Wir sind bis unters Dach voll“, sagt Regina Groß, stellvertretende Leiterin des Tierheims Schlage (Landkreis Rostock). Das größte Tierheim des Landes musste in den letzten Wochen deutlich mehr Katzen aufnehmen als sonst. Zurzeit würden in Schlage etwa 110 Katzen betreut, die vermittelt werden könnten. Dazu kämen auf dem Gelände noch etwa 40 Freigänger-Katzen. Viele davon seien im Mai geboren worden.

Damit aber nicht genug: „Wir mussten in diesem Jahr aus zwei Wohnungsräumungen wegen, Tiersammel-Sucht’ allein 34 Katzen aufnehmen“, berichtet Regina Groß. Da sei die Quarantäne des Tierheims auf einen Schlag dicht gewesen. Sie weiß, dass im Sommer noch weitere junge Katzen dazukommen werden. Und im Spätherbst, wenn viele der freilebenden Tiere in den Kleingartenanlagen nicht mehr gefüttert werden, folge der nächste Schub. „Eine landesweit geltende Verordnung zur Kastrationspflicht wäre ein Segen“, erklärt Regina Groß.

Tierschutzverein Vorpommersche Boddenlandschaft baut Nothilfestation

Mit Katzen-Zahlen wie in Schlage hat der Tierschutzverein Vorpommersche Boddenlandschaft zwar nicht zu kämpfen. Zurzeit werden dort 17 Katzen betreut, alles Katzenkinder. „Die Zahl hört sich erst einmal sehr wenig an, aber wir haben auch nur wenige Kapazitäten und können nicht jedem Anrufer helfen, der Katzenkinder meldet“, berichtet die Vorsitzende Martina Finger. Den Verein erreichen täglich Anrufe aus der Region zwischen Fischland-Darß-Zingst und Bad Sülze, dass Kätzchen gesehen wurden oder ein Muttertier mit Jungen. „Viele sind wohl ausgesetzt worden, denn sie sind sehr zutraulich“, sagt Martina Finger.

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Der Verein arbeite daran, mehr Plätze zu schaffen. Mit Hilfe vom Land, Tierschutzbund, der Sparkasse Vorpommern und privaten Spendern habe der Aufbau einer Nothilfestation begonnen. „Wir hoffen, in diesem Jahr die ersten Häuser fertigstellen zu können, um die ersten Tiere zu betreuen“, sagt sie. Damit dies gelingt, ist der Verein auf weitere Spenden angewiesen.

Viele Maikatzen sind todkrank

Der Landesverband MV im Deutschen Tierschutzbund sieht die Brisanz der des hohen Andrangs in den Tierheimen. „ Nur sehr wenige unserer Vereine haben zurzeit weniger Katzen zu betreuen als üblich“, sagt die Landesvorsitzende Kerstin Lenz. Viele der Katzenjungen aus dem Mai seien sehr krank. „Vor allem leiden sie an Katzenschnupfen, haben zugeklebte Augen, fressen kaum noch und sterben dann elendig“, erklärt Kerstin Lenz. Gerade sei bei ihrem Tierschutzverein in Demmin (Mecklenburgische Seenplatte) eine Katze mit acht Jungen abgegeben worden. Die Katze hatte zuvor ihre Jungen eins nach dem anderen vor der Tür einer alten Frau abgelegt. „Für unsere Kastrationsaktionen gibt das Land Geld dazu, das ist eine gute Sache“, meint Kerstin Lenz. Richtig helfen könne jedoch nur eine Katzenschutzverordnung für MV, in der eindeutig festgelegt wird: Jede Katze, die Freigang hat, wird gechippt und kastriert.

Das Land sieht die Landkreise und kreisfreien Städte in der Verantwortung. MV habe „im Dezember 2015 die Katzenschutzgebiets-Ermächtigungslandesverordnung veröffentlicht“, sagt Eva Klaußner-Ziebarth, Sprecherin des Agrar- und Umweltministeriums MV. Die gebe auf Grundlage des Paragrafen 13 b Tierschutzgesetz die Möglichkeit, in betroffenen Gebieten gegenüber Katzenhaltern zwangsweise Maßnahmen wie Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Kastrationspflichten durchzusetzen. Allein die Hansestadt Rostock und das Amt Schwaan (Landkreis Rostock) hätten bisher davon Gebrauch gemacht und eine Katzenschutzverordnung erlassen.

Bernhard Schmidtbauer

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