Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Zufriedenheit unter Lehrlingen in MV steigt
Nachrichten MV aktuell Zufriedenheit unter Lehrlingen in MV steigt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
19:01 19.02.2019
Ein Auszubildender demonstriert in einer Werkstatt des Berufsbildungszentrums der Handwerkskammer das Gasschweißen. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Anzeige
Schwerin

Lehrlinge in Mecklenburg-Vorpommern klagen über Überstunden, häufigen Unterrichtsausfall und fehlende Betreuung, sind insgesamt aber mehrheitlich mit ihrer Ausbildung zufrieden. Wie aus dem am Dienstag in Schwerin vorgestellten Ausbildungsreport des DGB Nord hervorgeht, stieg der Anteil der zufriedenen Azubis auf gut 72 Prozent. Bei den Befragungen 2011 und 2014 waren es noch 66 Prozent.

Allerdings habe sich der Anteil der Jugendlichen ohne Ausbilder im Betrieb von 9 auf fast 14 Prozent erhöht und auch an den Berufsschulen falle der Unterricht häufig aus, weil Fachlehrer fehlten, konstatierte DGB- Nord-Vize Ingo Schlüter. Er forderte die Landesregierung auf, die Berufsschulstruktur auf den Prüfstand zu stellen und die Ausbildung von Berufschullehrern zu forcieren.

Anzeige

Der DGB wolle die Berufsausbildung auch zu einem zentralen Thema im „Zukunftsbündnis MV“ machen, zu dem Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgeber erstmals am 4. März in Schwerin zusammenkommen, kündigte Schlüter an. Berufsschulstandorte müssten erhalten bleiben. „Unser Konzept heißt nicht Ausbluten der Fläche“, betonte Schlüter. Er erneuerte die Forderung nach einem landesweit gültigen Azubi-Ticket, um die für Jugendlichen die Fahrtkosten zu den oft weit entfernten Schulen zu senken.

Für den Ausbildungsreport hatte der DGB nach eigenen Angaben etwa 650 Auszubildende aus allen Branchen und allen Lehrjahren befragt. Dabei habe sich gezeigt, dass immer mehr Azubis Jobs machen, die mit ihrer Ausbildung nichts zu tun haben, wie Kaffee kochen oder Botengänge. Viele der Befragten gaben an, dass ein Ausbilder nur selten bis nie präsent sei. Regelmäßige Überstunden würden nach wie vor zum Ausbildungsalltag gehören.

Jeder dritte Ausbildungsvertrag im Land wurde vorzeitig gelöst. Das liege aber nicht daran, dass junge Leute keine Lust auf Arbeit haben, sondern oft an Differenzen im Betrieb oder an schlechter Bezahlung, hieß es. Laut DGB lag die durchschnittliche Lehrlingsvergütung im Nordosten bei 649 Euro im Monat. Bundesweit waren es 150 Euro mehr, in tarifgebundenen Firmen sogar fast 200 Euro mehr.

Schlüter räumte ein, dass sich die Situation für Lehrlinge in Mecklenburg-Vorpommern spürbar verbessert habe und viele nach dem Ende der Ausbildung von ihren Betrieben übernommen werden. „Die 1990er Jahre mit fehlenden Lehrstellen und Sonderprogrammen für Schulabgänger sind vorbei“, sagte der Gewerkschafter. Auch die massenhafte Abwanderung in Nachbarbundesländer gehöre der Vergangenheit an.

Im Vorjahr war auch in Mecklenburg-Vorpommern ein Teil der Lehrstellen unbesetzt geblieben. DGB-Jugendbildungsreferent Friedrich Gottschewski rief die Betriebe auf, sich ins Zeug zu legen, um ihre Ausbildungsfähigkeit zu verbessern. „Schlechte Ausbildungsbedingungen wie im Deutschen Hotel und Gaststättenverband und die Verweigerungshaltung vieler Arbeitgeber beim Thema Übernahme passen nicht zum öffentlichen Wehklagen über den Fachkräftemangel“, sagte Gottschewski. Er schlug auch eine „Soko Jugendarbeitsschutz“ vor, um die Ausbildungsbedingungen minderjähriger Auszubildender wirksam zu kontrollieren.

„Wenig Licht, viel Schatten“, fasste die Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, den DGB-Bericht zusammen. „Die Ausbildungszufriedenheit ist leicht gestiegen, aber gleichzeitig nahmen unter anderem auch die Anzahl der Überstunden, die Schichtarbeit und die ausbildungsfremde Tätigkeit zu. Besonders erschütternd ist die Tatsache, dass jeder 7. Azubi überhaupt keinen Ausbilder hat“, sagte Oldenburg. Der Unterrichtsausfall sei zu hoch, die Klassen zu groß. „Wir brauchen bessere Ausbildungsbedingungen an den Schulen und Berufsschulen des Landes sowie bessere Ausbildungsbedingungen in den Betrieben, wenn wir die dringend benötigten Fachkräfte für morgen im Land halten wollen“, mahnte sie.

Frank Pfaff

Anzeige