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MV aktuell Frachterunglück vor Rügen: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schiffsführer
Nachrichten MV aktuell Frachterunglück vor Rügen: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schiffsführer
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14:50 19.02.2019
Zwei Frachtschiffe sind in der Nacht zu Freitag östlich der Ostseeinsel Rügen kollidiert. Bei dem Zusammenstoß schlug einer der beiden Havaristen leck. Quelle: Besatzung BERTHOLD BEITZ
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Sassnitz

Nach einem Zusammenstoß zweier Frachter vor Rügen ermittelt nun der Staatsanwalt: Der Unfall etwa neun Seemeilen östlich von Sassnitz hielt Freitag Wasserschutzpolizei, Feuerwehr, THW und Seenotretter in Atem. An beiden Schiffen entstand erheblicher Sachschaden. Verletzt wurde niemand.

„Durch die Kollision ist der norwegische Frachter „Norvind“ allerdings Leck geschlagen, so dass es zu einem größeren Wassereinbruch kam“, sagte Ralf Baur, Sprecher der DGzRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger). Die zehnköpfige Besatzung konnte den Wassereinbruch unter Kontrolle bringen und aus eigener Kraft in den Hafen Sassnitz/Mukran fahren, in Begleitung der Seenotkreuzer „Vormann Jantzen“ und „Berthold Beitz“. Ein Marine-Spezialflugzeug hat keinen Austritt von Schadstoffen festgestellt.

Einsatz für die Seenotrettung: Bei einer Kollision vor Rügen hat ein norwegischer Frachter Leck geschlagen, ein Schiff unter deutscher Flagge erlitt ebenfalls Schäden. Seenotkreuzer begleiteten die Schiffe in den Hafen.

Die Landeswasserschutzpolizei MV ermittelte an Bord beider Schiffe zur Unfallursache, sagt Sprecher Björn Nürnberg. Dazu seien gestern je zwei Beamte an Bord der Havaristen zum Einsatz gekommen. Grund für das Unglück war nach Angaben der Wasserschutzpolizei ein Vorfahrtsfehler der „Norvind“. Die Schiffe waren auf sich kreuzenden Routen unterwegs, wo sie zusammenstießen. Die Auswertung der AIS-Daten wie auch die Aussagen der Schiffsführer bestätigen diesen Unfallhergang, sagte Björn Nürnberg. „Auch auf dem Wasser gilt die Regel: rechts vor links.“ Gegen den norwegischen Kapitän wie auch den schiffsführenden Offizier des deutschen Schiffes seien in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Verfahren wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs eingeleitet worden. So hätte der Schiffsführer der „Beate“ ein Ausweichmanöver einleiten müssen, als er die von der „Norvind“ ausgehende Gefahr erkannte.

Anders als die Kadetrinne gilt der Bereich des Unfalls unter Schifffahrt-Experten nicht als besonders gefährlich. Die „Norvind“, ein 110 Meter langer Stückgutfrachter, war mit seiner zehnköpfigen Crew auf dem Weg von Sassnitz nach Danzig, der deutsche Containerfrachter „Beate“ mit 13 Mann an Bord hatte von Stettin aus Kurs auf Bremerhaven genommen.

Rufe nach Lotsenpflicht werden lauter

Nach dem Unglück werden die Rufe nach mehr Sicherheit auf der Ostsee lauter. Die Grünen in MV fordern nun eine neue Initiative zur Lotsenpflicht in der Kadetrinne. Auch eine Peilsender-Pflicht von Gefahrgutcontainern sei nötig, sagte die Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Ulrike Berger. „Wir sehen gerade wieder einmal, wie schnell es auch vor unserer Haustür zu Schiffsunfällen kommen kann.“ Die Kadetrinne sei schwer zu durchfahren, weil nur schmale Fahrrinnen eine ausreichende Wassertiefe aufweisen. „Darum ist die fehlende Lotsenpflicht schon jetzt grob fahrlässig.“

Andreas Krüger (57), seit Januar Ältermann der Lotsenbrüderschaft Wismar-Rostock-Stralsund, beschreibt den Weg der beiden kollidierten Frachter wiederum als „normalen Schifffahrtsweg, für den Kapitäne von Frachtern in der Größe keinen Lotsen brauchen“.

Schiffe in Kadetrinne werden immer größer

Anders gestaltet es sich in der Kadetrinne. Sie gehört zu den meist befahrenen Seewegen Europas. Knapp 50 000 Schiffe durchfahren das Nadelöhr zwischen MV und Dänemark jedes Jahr – Tendenz steigend. Auch die Größe der Schiffe nimmt zu: Es sind laut jüngsten Angaben des Maritimen Cluster Norddeutschland mehr Öltanker und größere Kreuzfahrtschiffe auf der Ostsee unterwegs als noch vor einigen Jahren.

Eine Lotsenpflicht wurde viel diskutiert, besteht für die Kadetrinne aber nicht. Es gibt jedoch eine Empfehlung der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO): Demnach sollen Schiffe mit einem Tiefgang von mehr als elf Metern sowie mit bestimmter gefährlicher Ladung, einen Lotsen an Bord nehmen.

Kapitän Krüger konnte in dieser Hinsicht eine erfreuliche Entwicklung feststellen: „Im Bereich Kadetrinne kommen inzwischen die meisten Schiffe bestimmter Größe dieser Empfehlung auch nach. Hier gibt es regen Lotsenversetzverkehr.“

Schiffsunfälle

27 Seeschiffsunfälle gab es in MV laut Wasserschutzpolizei im Jahr 2018 insgesamt. Im Jahr zuvor waren es 32. Die letzten größeren Kollisionsunfälle waren der Zusammenstoß der Dampfeisbrecher „Stettin“ mit der „Finnsky“-Fähre während der Hanse Sail im August 2017. Hier gab es auch Leichtverletzte. Im Oktober 2017 sind ein Frachter und ein Schlepper kollidiert. Äußere Einflüsse wie Windböen gelten laut WSP als Hauptursache für Kollisionen – oft stoßen die Schiffe auch gegen Fahrwasser-Tonnen oder gegen die Kai-Mauern in den Häfen.

Erst vor wenigen Tagen war in Rostock ein Frachter auf Grund gelaufen. Das finnische Frachtschiff hatte vermutlich ein Ruderausfall. Das Schiff stand nach dem Unfall zwischen den beiden Molenköpfen quer.

Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) hat in einem Vergleich der Seeunfälle im deutschen Raum seit 2015 einen Rückgang festgestellt. 268 waren es noch 2015. Im Jahr 2017 zählte die BSU 219 Seeunfälle.

Klicken Sie hier, um eine Übersicht über Schiffsunglücke auf der Ostsee, die sich in den letzten Jahren ereignet haben, zu sehen.

Virginie Wolfram

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