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Medien & TV Hass und Rassismus – die Miniserie „When They See Us“ erzählt von einem krassen Fehlurteil
Nachrichten Medien & TV Hass und Rassismus – die Miniserie „When They See Us“ erzählt von einem krassen Fehlurteil
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13:32 17.06.2019
Am Ende rehabilitiert: Die zu Unrecht verurteilten Central Park Five (von links): Korey Wise (Jharrel Jerome), Yusef Salaam (Chris Chalk) , Raymond Santana (Freddy Miyares), Kevin Richardson (Justin Cunningham) und Antron McCray (Joven Adepo). Quelle: Foto: Atsushi Nishijima/Netflix
New York

In der ersten Folge des Netflix-Vierteilers „When they see us“ flimmert ein junger Donald Trump über den Fernsehbildschirm eines afroamerikanischen Wohnzimmers in Harlem. In heute vertraut wirkender Manier lässt Trump seiner Wut freien Lauf. „Ich möchte, dass die Gesellschaft diese Jugendlichen hasst“, tönt der damalige Immobilienmogul in den Raum. „Ich möchte, dass sie sterben.“

Der Ausbruch des späteren US-Präsidenten löst im Betrachter eine Mischung aus Abscheu und Entsetzen aus. Die Mutter von Korey Wise, einem der Jugendlichen, denen Trump da den Tod wünscht, verfällt in untröstliches Schluchzen: „Die ganze Stadt möchte, dass mein Junge stirbt“, wimmert sie.

Donald Trump wünschte sich für die Unschuldigen die Todesstrafe

Der Fernsehclip aus dem Jahr 1989 ist authentisch – es war einer der ersten Vorstöße Donald Trumps in öffentliche Angelegenheiten. Anlass war der als „Central Park Five“ in die Geschichte eingegangene Fall von fünf Jugendlichen aus Harlem, die beschuldigt wurden, eine Joggerin im Central Park angegriffen und vergewaltigt zu haben.

Noch lange bevor der Prozess begann, schaltete Trump eine ganzseitige Anzeige in der New York Post, in der er sich für die fünf dunkelhäutige Teenagern die Wiedereinführung der Todesstrafe wünschte.

Fünf Jungen werden Opfer der rassistischen Hysterie in New York

Die schwarze Filmemacherin Ava DuVernay, mit ihrem Bürgerrechtsdrama „Selma“ Oscar-nominiert, hat sich dieses Stoffes für ihre Miniserie „When They See Us“ angenommen. Die Verurteilung der Jugendlichen gilt als einer der schlimmsten Justizirrtümer in der US-Geschichte.

Die Jungen, so Botschaft DuVernays, wurden Opfer einer rassistischen Hysterie in New York, geschürt durch die Boulevardmedien und Leute wie Trump. Der wahre Mörder gestand schließlich.

DuVernays Serie ist nicht die erste Aufarbeitung des Themas, seitdem die Unschuld der fünf Jugendlichen als erwiesen gilt. Bereits 2012 veröffentlichten der Filmemacher Ken Burns und seine Frau eine Doku darüber, wie die Teenager zu Sündenböcken gemacht wurden und wie ein marodes Strafrechtssystem ihr Leben zerstörte.

Den Schadensersatz nannte der unbelehrbare Trump eine „Schande“

Die Dokumentation und die Rechtshilfe, die Burns den fünf Opfern zuteil werden ließ, führten zu einem Vergleich mit der Stadt New York, die den Männern und ihren Familien 41 Millionen Dollar Schadensersatz zusprach. Trump schäumte, nannte die Entschädigung eine „Schande“.

DuVernays Vierteiler gibt in beinahe fünf Stunden dem Erleben der Opfer Raum und verschafft ihnen erstmals Gehör. Die Filmemacherin nimmt den Zuschauer mit in die Polizeistation, wo den 14- bis 16-Jährigen in einem 30-stündigen, quälenden Vernehmungsmarathon Geständnisse abgepresst wurden.

Du Vernay lässt die Atmosphäre von Hass und Vorurteil aus Sicht der Teenager und ihrer Familien wieder aufleben. Und sie nimmt uns mit in die Realität der US-Gefängnisse, deren unbarmherzige Brutalität schon für erwachsene Insassen jegliches Maß an Zumutbarkeit überschreitet.

So ist diese fantastische, beklemmende Serie eine Abrechnung mit einem rassistischen Strafrechtsapparat. Sie zeigt, wie schwarze junge Männer in Amerika zu Sündenböcken gemacht werden und in ein System der Entrechtung verfrachtet werden, aus dem es praktisch kein Entrinnen gibt.

„When They See Us“ erzählt eine unerträglich ungerechte Geschichte

Die damalige Staatsanwältin Linda Fairstein hat lauthals gegen die Darstellung ihrer Person in DuVernays Drama protestiert. Sie hatte die Polizei zur Erpressung von Geständnissen gedrängt und entgegen einer eigentlich klaren Beweislage darauf insistiert, dass die fünf jungen Männer am Tatort gewesen sein mussten.

Fairstein glaubt noch immer, dass sie sich nichts habe zuschulden kommen lassen und dass die fünf Männer zu Recht verurteilt wurden. Doch zum Glück sind immer mehr Menschen bereit, endlich die wahre, die im Grunde unerträglich ungerechte Geschichte der „Central Park Five“ hören. 30 Jahre mussten sie darauf warten.

Von Sebastian Moll

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