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Medien & TV Der neue „Tatort: Kaputt“ aus Köln lässt Action und Spannung vermissen
Nachrichten Medien & TV Der neue „Tatort: Kaputt“ aus Köln lässt Action und Spannung vermissen
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18:24 10.06.2019
Kerzen für den Kollegen: Freddy Schenk (Dietmar Bär, l.) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) am Gedenkort für den ermordeten Streifenpolizisten. Quelle: Foto: Thomas Kost/WDR
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Köln

Gut, dass bald Sommerpause ist. Dem “Tatort“ geht nämlich auf der Zielgerade offenbar die Puste aus. Schon der Fall aus Wien vor einer Woche ist bestenfalls von durchschnittlicher Qualität gewesen und auch vom letzten „Tatort“ der Saison aus Luzern sind – erfahrungsgemäß – keine kriminalistischen Wunderdinge mehr zu erwarten.

Tatort: Kaputt“ – der Kölner Fall ist eine Enttäuschung

Aber auch die jetzt gesendete Folge (Regie: Christine Hartmann, Drehbuch: Rainer Butt) aus Köln ist leider eine Enttäuschung. Schlicht „Kaputt“ heißt der Fall des altbewährten Duos Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär), und nur Zuschauer, die eine große Schwäche für klassische Ermittlungsarbeit haben, werden sich von ihm gut unterhalten fühlen. Die filmische Qualität des Films ist dagegen ziemlich – nun ja – kaputt.

So schleppen sich die beiden Ermittler durch schier endlose Befragungen mit Dialogen, die leider weder originell noch witzig sind. Und der Film selbst ist vorwiegend eine recht einfallslose Abfolge von Innenraumszenen, deren dramaturgische Höhepunkte oft nur darin bestehen, dass im Hintergrund ein Statist mit Aktenmappe von links nach rechts und manchmal auch von rechts nach links durchs Bild geht.

Tatort: Kaputt“ – der bisher nette Assistent klopft harte Sprüche

Überraschend ist jedoch, dass der bisher eigentlich ganz nette schluffige Assistent Jütte (Roland Riebeling) plötzlich überaus üble Law-and-Order-Sprüche klopft. Woraufhin Ballauf seine Stirn jedes Mal vorwurfsvoll in Falten legt, um dann mit Zorn in der Stimme den Rechtsstaat zu verteidigen. Eine politisch korrekte Haltung, die auch Schenk teilt – der aber ganz väterlich die große Empörung seines jungen Kollegen verstehen kann.

Viel mehr geschieht eigentlich in den 90 Minuten nicht, sieht man mal von der kleinen Mordserie ab, mit der sich unsere Altermittler in ihrem 76. Fall seit 1997 beschäftigen müssen. Und diese mörderische Serie beginnt ganz ähnlich wie der Anfang Mai gezeigte Berliner „Tatort“, als auch ein Routineeinsatz zur tödlichen Falle wird. Wegen nächtlicher Ruhestörung werden die Streifenpolizisten Melanie Sommer (Anna Brüggemann) und Frank Schneider zu einem Vorstadthaus gerufen – mit tödlichem Ausgang.

Tatort: Kaputt“ – der tote Polizist war homosexuell

Während Sommer im Garten niedergeschlagen wird, wird ihr Kollege unvorstellbar brutal im Wohnzimmer des Hauses totgeprügelt. Als Ballauf und Schenk am Tatort dann mit ihren Befragungen beginnen, kann sich die noch recht junge Polizistin jedoch an kaum etwas erinnern.

Immerhin stellt sich im Gespräch heraus, dass Schneider eine homosexuelle Beziehung zu seinem Kollegen Stefan Pohl (Maximilian Simonischek) gehabt hat und wegen seiner sexuellen Orientierung in seiner Polizeitruppe homophob angefeindet worden ist, auch vom Vorgesetzten Bernd Schäfer (Götz Schubert).

Anlass genug für Ballauf, seine Stirn mal wieder sorgenvoll in Falten zu legen. Schließlich, das weiß die alte Ermittlernase, ist ja vieles möglich, auch bei der Polizei. Bei weiteren Vernehmungen gerät dann jedoch Ben (Hauke Diekamp), der drogensüchtige Bruder des smarten Hausbesitzers (Ronny Miersch), ins Visier der Ermittler.

Tatort: Kaputt“ – Übergriffe auf Polizeibeamte sind alltäglich

Tatsächlich sprechen einige Indizien für seine Täterschaft. Doch noch bevor er festgenommen werden kann, wird er im Haus des ersten Mordes erschossen. Da als Motiv dieser Tat auch Rache nicht auszuschließen ist, ist auch Schneiders Lebenspartner verdächtig, genau wie seine ehemaligen Kollegen.

So frustrierend ist ihr Berufsalltag, bei dem Übergriffe auf Polizeibeamte beinahe alltäglich sind. Ein brisantes Thema, das dieser „Tatort“ allerdings fast schon zu plakativ beschreibt. Doch noch bevor Ballauf auch hierüber noch ins Grübeln geraten kann, gibt es einen weiteren Toten, der, wie die Ermittlungen inzwischen ergeben haben, auch an der Ermordung des Polizisten beteiligt gewesen ist.

Tatort: Kaputt“ – eine Blaulichtfahrt ist Höhepunkt der Action

Und da es sogar noch einen weiteren Tatverdächtigen gibt, schwebt dieser natürlich in höchster Lebensgefahr. Aufregend ist das alles leider nicht trotz der mörderischen Handlung, dafür mangelt es diesem „Tatort“ einfach an Tempo und Esprit. Und eine Blaulichtfahrt mit Schenks Oldtimer-Mercedes sieht zwar ganz nett aus, ist aber schon der einsame Höhepunkt an Action, den dieser Film zu bieten hat.

Eines muss man diesem Krimi zumindest lassen: Die Auflösung des Falls ist sehr überraschend – selbst für den geübten Krimigucker. Der es indes bei den restlichen 85 Minuten Ballauf gleichtut – und die Stirn in Falten legt.

Von Ernst Corinth/RND

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