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Nachrichten Medien So lief das zweite Halbfinale des ESC
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23:24 16.05.2019
Duncan Laurence aus den Niederlanden trat im zweiten Halbfinale des Eurovision Song Contest (ESC) 2019 auf. Quelle: Ilia Yefimovich/dpa
Tel Aviv

Geld löst manches Problem, das gilt im Leben wie beim Eurovision Song Contest. Deutschland hat sich als größter Beitragszahler der Europäischen Rundfunkunion das Recht erkauft, gleich ins ESC-Finale zu dürfen und sich die Rosskur eines Halbfinals nicht antun zu müssen. Ungerecht? Gewiss. Aber so ist es eben, wenn inzwischen mehr als 40 Länder am ESC teilnehmen wollen – es passen nicht alle in eine Show. Und so wird zweimal ausgesiebt.

18 Länder bewarben sich gestern beim zweiten Halbfinale des Eurovision Song Contest in der israelischen Mittelmeermetropole Tel Aviv. Zu den glücklichen Gewinnern gehörten am Ende: Nordmazedonien, die Niederlande, Albanien, Schweden, Russland, Aserbaidschan, Dänemark, Norwegen, die Schweiz und Malta. Ausgeschieden sind dagegen Armenien, Irland, Moldawien, Lettland, Rumänien, Österreich, Kroatien und Litauen.

ESC Zweites Halbfinale: Was gab’s zu sehen und zu hören?

Eine sehr zornige Armenierin in Anglerstiefeln. Einen knallroten Schweizer Justin-Timberlake-Nachbau („DSDS“-Gewinner Luca Hänni). Ein quietschsüßes Blondinenmusical aus Irland. Eine bestürzend öde Lettenballade. Ei-ei-ei-eine Midtemponummer vor antiker LED-Kulisse aus Rumänien. Ein „Lemon Tree“-Verschnitt aus Dänemark von leider allzu stupsnasiger Doofheit. Einen selbstbewussten Schweden mit einem eiskalten Stück Edelstahl von einem Popsong. Und einen Aserbaidschaner, der aus nachvollziehbaren Gründen „Shut up!“ forderte - ein Appell freilich, der durch die Verwendung der Kopfstimme deutlich an autoritärer Wucht verlor.

Auch dieses zweite Halbfinale sah keimfrei und kühl aus – es ist das Merkmal aller großen Fernsehshows seit den Nullerjahren. Musikalisch freilich schlug das erste das zweite ESC-Semifinale um Längen. Trotzdem Fragen über Fragen: Warum singt ein Schweizer „Despacito“? Warum trägt eine lettische Folkballadeurin einen grünen irischen Koboldhut auf dem Kopf? Wann kamen Schnurrbärte wieder in Mode? Gibt es ein geheimes Gesetz, das ESC-Komponisten zwingt, zum dritten Refrain einen Ton hochzugehen? Und sind Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt jetzt ein und dieselbe Person und singen für Litauen Getragenes?

Carlotta Truman und Laurita müssen mit ihrer Powerballade „Sister“ also keine Halbfinalprüfung bestehen. Auch Großbritannien, Italien, Spanien und Frankreich gehören – ebenso wie Gastgeber Israel – automatisch zu den 26 Finalisten am Sonnabend. Das deutsche Duo hatte im zweiten Halbfinale aber schon mal einen netten kleinen Werbeauftritt samt „Sister“-Kostprobe. Der Grund: Es könnte als ungerecht empfunden werden, wenn die „Großen“ zwar direkt ins Finale durchmarschieren, gleichzeitig aber ja nur einmal europaweit zu sehen sind. Beide schenkten dem israelischen Supermodel und Komoderatorin Bar Refaeli ein Freundschaftsarmbändchen mit „Sister“-Aufschrift, hauchten Artiges ins Mikrofon und sagten „Schwester“ auf Hebräisch. Was man hat so unterbringen kann in 20 Sekunden.

Ob es etwas nützt? Bei den Buchmachern stehen die deutschen Sisters weiterhin nur im hinteren Mittelfeld. Im internationalen Pressezentrum, einem wichtigen Seismographen bei der Bewertung von Erfolgsaussichten summt es wie in einem Bienenstock – allerdings kreisen die Bienen eher um den Niederländer Duncan Laurence, den Schweizer Luca Hänni, den Russen Sergej Lazarow und den Italiener Mahmood. Vier junge Kerle also. Schwer zu sagen, ob da in diesem Jahr Platz ist für zwei „Schwestern“ aus Deutschland.

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Von Imre Grimm/RND

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