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Nachrichten „Nur wenige Jahrgänge profitieren“
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00:00 30.01.2014
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Axel Börsch-Supan ist Volkswirt und Mathematiker und arbeitet am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik in München. Er war Mitglied der Rürup-Kommission, die 2003 die Rente mit 67 vorgeschlagen hat.

OSTSEE-ZEITUNG: Wer profitiert von der Möglichkeit, früher in Rente zu gehen?

Axel Börsch-Supan: Es sind erstaunlich viele überdurchschnittliche Verdiener, und es ist auf relativ wenige Jahrgänge beschränkt, zwischen 1950 und 1964. Diejenigen, die Probleme auf dem Arbeitsmarkt haben, bekommen die 45 Jahre nicht zusammen. Deshalb sind die unterdurchschnittlich Verdienenden bei der Rente mit 63 nicht vertreten.

OZ: Aber es ist doch nachvollziehbar, dass diejenigen, die 45 Jahre lang hart gearbeitet haben, nicht dafür bestraft werden sollten, wenn sie irgendwann nicht mehr können.

Börsch-Supan: Das ist richtig. Denjenigen, die wirklich 45 Jahre am Stück gearbeitet haben, kann man eine großzügigere Rente durchaus gönnen. Aber das sind weniger als die Hälfte der Anspruchsberechtigten. Die anderen haben zusätzliche Zeiten, die mit 45 Jahren Arbeit am Fließband wenig zu tun haben — etwa Arbeitslosigkeit oder Erziehungszeiten.

OZ: Was hätte man besser machen müssen?

Börsch-Supan: Die Rentenreformen der Jahre 2001, 2004, 2007 waren eigentlich sehr gut gemacht. Einen großen Nachbesserungsbedarf sehe ich da nicht. Ich sehe aber einen großen Bedarf bei der Aus- und Weiterbildung, bei der Gesundheitsprävention, bei Kindergartenplätzen — bei allem, was es Männern und Frauen ermöglicht, ein langes Erwerbsleben zu führen.

OZ: Kann das Umlageverfahren angesichts der demografischen Entwicklung erhalten bleiben?

Börsch-Supan: Das ist ja gerade der Sinn der Rentenreformen gewesen. Der Nachhaltigkeitsfaktor macht das Umlageverfahren demografiefest. Wir waren auf gutem Weg, und wir sind es im Großen und Ganzen ja auch nach wie vor.

OZ: Setzt man das nun aufs Spiel?

Börsch-Supan: Man setzt viel aufs Spiel, wenn man die Rente mit 67 unterhöhlt. Gott sei Dank gefährdet das die umlagefinanzierte Rente nicht im Kern, es macht sie aber teurer für die jüngere Generation. Für die wird es ohnehin schon ziemlich teuer. Interview: Antje Schroeder



OZ