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Panorama Biologe wegen Ejakulation vor Studentin verurteilt
Nachrichten Panorama Biologe wegen Ejakulation vor Studentin verurteilt
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12:41 05.02.2019
Urteil in Göttingen: Ein Biologe ist wegen eines sexuellen Übergriffs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.
Urteil in Göttingen: Ein Biologe ist wegen eines sexuellen Übergriffs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Quelle: dpa
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Göttingen

Das Amtsgericht Göttingen hat am Freitag einen 45-jährigen Biologen wegen eines sexuellen Übergriffs auf eine Studentin zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt. Der Angeklagte habe eine Lage ausgenutzt, in der die junge Frau ihm schutzlos ausgeliefert gewesen sei. Das Gericht setzte die Strafe zur Bewährung aus. Als Bewährungsauflage muss der Wissenschaftler 1500 Euro an die betroffene Studentin als Entschädigung für die erlittenen Folgen zahlen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte die Studentin, die ihm im vergangenen Mai bei einer Art Feldversuch in einem Waldgebiet unweit des Göttinger Nordcampus assistieren sollte, sexuell bedrängt und in ihrem Beisein onaniert und auf eine Fleischprobe ejakuliert hatte. Der 45-Jährige hatte bestritten, sie angefasst zu haben.

„Das ist eine Schutzbehauptung“, sagte der Vorsitzende Richter Oliver Jitschin. Die Studentin habe schlüssige Angaben gemacht und nachvollziehbar erklärt, „warum sie so reagiert hat und nicht anders reagieren konnte“.

Schutzlose Lage

Nach Ansicht des Gerichts befand sich die Studentin in einer schutzlosen Lage. Das Waldstück, in dem der Wissenschaftler Fleischproben für spätere DNA-Untersuchungen an Maden ausgelegt hatte, befinde sich „mitten in der Pampa“ und sei von Hecken umgeben. Der Ort sei bewusst so ausgewählt worden, damit keine Spaziergänger dort entlang kommen und keine Hunde die Köder wegfressen.

Die Studentin habe sich ausgeliefert gefühlt, weil sie sich dort ganz allein mit dem Angeklagten befunden habe. Er sei ihr körperlich haushoch überlegen gewesen und habe zumindest in Kauf genommen, dass sie nicht in der Lage gewesen sei, sich zu wehren. Die Studentin habe ausgesagt, dass sie völlig paralysiert gewesen sei und wie in Schockstarre dagestanden habe, als er ihr die Hand auf den Po gelegt und zu onanieren begonnen habe.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Bewährungsstrafe von neun Monaten gefordert hatte. Die Nebenklage hatte auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten plädiert, die Verteidigung auf Freispruch. Insgesamt bewertete das Gericht den Übergriff, der rund 20 Minuten gedauert habe, als minder schweren Fall.

Sperma auf Hühnerfleisch

Der Angeklagte hatte angegeben, dass er ein privates Experiment habe vornehmen wollen und die Studentin dies auch gewusst habe. Er habe, angeregt durch eine Masterarbeit in Australien, Hühnerfleisch mit menschlichem Sperma versetzen und testen wollen, ob sich aus den Maden, die sich auf dem toten Fleisch ansiedeln würden, menschliche DNA extrahieren lasse.

Das Gericht billigte ihm zu, dass er ein wissenschaftliches Interesse an einem Versuch mit Sperma gehabt habe. Man glaube ihm aber nicht, dass er der Studentin mitgeteilt habe, dass er einen Versuch in dieser Form und an diesem Tag unternehmen wollte. Die Studentin sei vielmehr davon ausgegangen, dass nur die in dem Gelände ausgelegten Fleischproben ausgewechselt werden sollten.

Nach Angaben eines Hochschulsprechers ist der Biologe inzwischen nicht mehr an der Universität tätig. Das Arbeitsverhältnis sei zum Ende des Jahres 2017 geendet. Für das Sommersemester 2018 sei ein Lehrauftrag geplant gewesen, der nach Bekanntwerden der Vorwürfe in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst worden sei. Die betroffene Studentin sei von den Gleichstellungsbeauftragten der Fakultät und der Universität betreut worden.

Von RND/Heidi Niemann