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Panorama Campino: „Die Toten Hosen dürften auch noch als 80-Jährige spielen“
Nachrichten Panorama Campino: „Die Toten Hosen dürften auch noch als 80-Jährige spielen“
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07:06 26.03.2019
Sänger Campino von der Band Die Toten Hosen (56). Quelle: Britta Pedersen/dpa

Campino, welches sind die glücklichsten Momente auf einer langen Tournee?

Die Nachtfahrten nach einem Konzert. Obwohl wir sie zu vermeiden versuchen, weil du dir bei den miesen Klimaanlagen in den Nightlinern schnell eine Erkältung einfängst. Aber manchmal klettern wir noch mit der Euphorie von der Bühne in den Bus, machen einen Wein auf und feiern. Dabei fliegen links und rechts der Autobahn die Städte vorbei und es geht immer nur voran.

Empfinden Sie eine intensive Tournee als Verjüngungskur? Oder altert man im Zeitraffer?

Beides. Man schießt viel Energie rein, bekommt aber auch eine Menge zurück. Für jeden Moment der Ekstase müssen wir einen Preis zahlen – so wie auf eine durchgetanzte Disconacht die Erschöpfung folgt.

Die Erschöpfung ist Ihnen im Kinofilm „Weil du nur einmal lebst“ anzusehen. Ist dies ein Werk übers Älterwerden?

Das Älterwerden beschäftigt uns immer wieder mal. Wir schauen uns selbst dabei zu. Die Toten Hosen haben aber auch nie versucht, das unter den Teppich zu kehren. Wir nehmen es mit auf die Bühne.

Als Problem?

Es hat etwas Ambivalentes, aber es muss einem nicht peinlich sein. So gesehen dürften die Toten Hosen auch noch als 80-Jährige spielen. Ich hoffe jedoch, dass unser engstes Umfeld uns davor bewahrt.

Ketzerisch gefragt: Ist ein ordentlicher Tinnitus Voraussetzung für einen Stammplatz bei den Toten Hosen?

Weil im Film nach meinem heftigen Hörsturz plötzlich alle von ihren Ohren reden? Nein, da kann ich Sie beruhigen. Hörprobleme sollte man bei diesem Job aber immer einkalkulieren. Für mich ist so ein Tinnitus Kinderkram, den höre ich schon lange nicht mehr. (lacht)

Ist Disziplin die größte Tugend auf einer Tournee?

Wir müssen zumindest niemandem mehr beweisen, dass wir die Megapunks sind, die nur besoffen Musik machen. Ich empfinde es nicht als Verrat an der Sache, nüchtern auf die Bühne zu gehen. Über die Jahre haben wir eine große Lust daran entdeckt, uns möglichst gut vorzubereiten – und sind heute fast fitter als in unseren Zwanzigern.

Ob Fans Sie nach dem Kino mit Faszienrollen beschenken werden?

Immer her damit! Nein, im Ernst: Dass wir mit Physiotherapeuten arbeiten, ist eine Frage der Professionalität. Jede Sportmannschaft hat einen dabei – und die verfügt über Ersatzspieler. Wenn wir auf riesigen Bühnen hin und her sprinten, tut das mit einer Sehnenzerrung weh.

Haben Sie schon mal drüber nachgedacht, einfach stehen zu bleiben?

Dann wird es schwer, die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu halten. Deshalb laufe ich nach links und tue so, als hätte ich dort etwas vor. Und wenn ich da angekommen bin, fällt mir nichts anderes ein, als wieder zurückzulaufen. Das nennt man dann Bühnenshow.

Wie kommen die Bandmitglieder nach so langer Zeit miteinander klar?

Sie können das mit einer guten Ehe vergleichen: Wir arbeiten ständig an unserer Beziehung. Eine Zeit lang haben wir uns wöchentlich getroffen, und einer musste kochen.

Ist es eine Ehre oder nervig, wenn bei jedem Konzert gegen rechts die Toten Hosen angerufen werden?

Eine Ehre! Es ist schön, auch von den jüngeren Bands ernst genommen zu werden. Allerdings kämpft man gegen Ermüdungserscheinungen an, wenn man immer wieder gegen dieselbe rechte Stumpfheit anspielt.

Gelingt Ihnen das?

Was soll man denn machen, wenn das so mühsam vereinigte Europa in Gefahr ist? Das Aufstehen gegen rechts ist aber eine generationenübergreifende Aufgabe – und nicht nur eine für Künstler: Jeder von uns sollte in der Straßenbahn oder im Supermarkt den Mund aufmachen, wenn er Zeuge von Ungerechtigkeit wird.

Hat sich in Ihrer langen Musikerzeit der Blick aufs Leben verändert?

Als ich 20 war, habe ich gedacht, je älter ich werde, desto mehr werde ich die Welt verstehen. Das Gegenteil ist eingetroffen: Die Welt wurde immer konfuser. Wenn sich irgendetwas zum Guten gewandelt hat, dann aus einer Art Kraftlosigkeit heraus. Ich könnte keinen Unsinn mehr machen, selbst wenn ich wollte. Wenn heute irgendwo in Düsseldorf eine Party ohne mich stattfindet, kann ich gut damit leben.

Von Stefan Stosch/RND

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