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Panorama Jüterbog leidet unter Waldbränden
Nachrichten Panorama Jüterbog leidet unter Waldbränden
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15:59 06.06.2019
Es brennt in der Nähe von Jüterbog. Quelle: Julian Stähle/dpa-Zentralbild/d
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Jüterbog

Der Leidensdruck wird immer größer. Jedes Jahr aufs Neue brennt der Wald bei Jüterbog südlich von Potsdam. Die Flammen lösen eine Kettenreaktion aus: alte Munition entzündet sich und setzt weitere Waldflächen in Brand. Die Gefahr lauert im Boden. „Die Dimension ist kaum vorstellbar“, sagt Arne Raue, Bürgermeister der Stadt Jüterbog.

Betreten des Geländes könnte tödlich enden

Der ehemalige Truppenübungsplatz von etwa 9000 Hektar wurde von 1864 bis 1992 militärisch genutzt: Während der Kaiserzeit, im Ersten und Zweiten Weltkrieg, zu DDR-Zeiten bis zur Gegenwart wurde Munition aller Art abgefeuert. Blindgänger blieben einfach liegen, alte Kampfmittel bilden mittlerweile eine dicke Schicht im Erdboden. In den vergangenen Jahrzehnten verrotteten sie und wurden damit unberechenbar. Betreten des Geländes ist undenkbar und könnte tödlich enden. Warnschilder weisen darauf hin.

Ein Hubschrauber der Bundespolizei nimmt in Frankenförde Löschwasser auf. In Frankenförde bei Jüterbog befindet sich die Einsatzzentrale der Feuerwehr. Quelle: Christoph Soeder/dpa

„Die Gefahr ist nach wie vor groß“, sagt der erfahrene 64-jährige Feuerwehrmann, Lothar Schwarz, Einsatzleiter der Feuerwehr. Bei seinem jüngsten Einsatz in diesem Jahr hat er zwar noch keine Detonationen gehört. Aber er weiß, es kann jeden Moment etwas passieren. Löscharbeiten seien nur außen vom Waldrand möglich, sagt er. „Auch Hubschrauberpiloten wissen um die Gefahr, wenn etwas hochgeht.“

Das Wegräumen der Munition ist aus Kostengründen schwer

Das Wegräumen der Munition, dessen Menge nicht bekannt ist, ist aus Kostengründen schwer. Die Heinz Sielmann Stiftung hat beispielsweise in den Sielmann Naturlandschaften Döberitzer Heide vor den Toren Berlins – ebenfalls einst ein Truppenübungsplatz – in den vergangenen Jahren rund 55 Kilometer Wanderwege von Munition geräumt. Die Kosten lagen nach Angaben der Stiftung zwischen 4 und 8 Euro je Quadratmeter.

Jüterbogs parteiloser Bürgermeister Raue sieht in erster Linie den Bund in der Pflicht, für die Beseitigung der Munition zu sorgen. „Er muss auch die Kosten tragen“, betont er. Nach seiner Kenntnis sei auf dem Gelände TNT-Sprengstoff zu finden sowie Munition, die auf U-Booten und Flugzeugen getestet wurde. Vor einigen Jahren seien Sprengkörper in die Luft gegangen, das habe man in ganz Jüterbog gespürt.

Auf dem trockenen Boden breitet sich das Feuer schnell aus

Besonders gefährlich ist aus Sicht des Waldbrandschutzbeauftragten Raimund Engel auch, dass sich an einigen Munitionsresten – sogenannte Leuchtspurgeschosse – Phosphor befindet. Das chemische Element könne sich bei Temperaturen ab 20 Grad und Wind selbst entzünden. „Da braucht es kein weiteres Zutun“, sagt er. Auf trockenem Boden breite sich der Brand dann schnell aus.

Raue befürchtet, dass auch seine Enkel noch mit dem Erbe leben müssen. „Erst wenn konsequent die Munition beräumt wurde, kann der ehemalige Truppenübungsplatz gefahrlos betreten werden.“

Von dpa/RND

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