Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Panorama Ein Jahr nach dem Brückeneinsturz: Genuas Wunde ist noch nicht verheilt
Nachrichten Panorama Ein Jahr nach dem Brückeneinsturz: Genuas Wunde ist noch nicht verheilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:12 13.08.2019
Blick auf die Trümmer der eingestürzten Morandi Autobahnbrücke. Die vierspurige Brücke war am 14. August teilweise eingestürzt. Quelle: Luca Zennaro/ANSA/AP/dpa
Genua

Die Brücke hat ihr nicht das Leben, aber einen Teil davon genommen. Wenn Iris Bonacci heute auf den verheerenden Brückeneinsturz in Genua zurückblickt, dann wirkt sie so aufgewühlt, als wäre er gerade erst passiert. Doch es ist bereits ein Jahr her, dass dieser unerschütterlich wirkende Viadukt einstürzte und 43 Menschen in den Tod riss. Am 14. August 2018 war das. Und seither ist in Genua nichts mehr, wie es vorher war.

Die 56-jährige Lehrerin hatte ihre Wohnung direkt unter der Morandi-Brücke. Von ihrem Balkon aus konnte sie die mächtigen Stützpfeiler und die Fahrbahn wie ein zweites Dach über ihrem Kopf sehen. "Mein Zuhause gibt es nicht mehr", sagt Bonacci. Seit vorigem Jahr wohnt sie mit ihrem Partner in einer anderen Wohnung und hat eine Entschädigung bekommen. Die bringe aber nicht zurück, was verlorengegangen sei: Erinnerungsstücke, Routinen, die Nachbarn. Das letzte Mal habe sie im Mai für zwei Stunden die Wohnung besuchen können. Ende Juni vermischten sich die Trümmer der Brücke dann bei einer spektakulären Sprengung mit den Wänden ihres Hauses.

Der Abriss der alten Brücke von Genua ist fast vollendet - und ein Mahnmal verschwindet

Der Abriss der alten Brücke ist fast vollendet. Mit ihr verschwindet ein Mahnmal, das einem die Ungeheuerlichkeit des Ereignisses immer wieder in Erinnerung rief. Die klaffende Lücke zwischen den beiden Enden der Fahrbahn hielt den Horror des 14. August für Monate fest.

Parallel zu den Abrissarbeiten läuft der Bau der neuen Brücke. Nicht mal ein Monat war seit dem Einsturz vergangen, da hatte sich Stararchitekt Renzo Piano schon etwas für seine Heimatstadt überlegt. Mindestens 1000 Jahre soll die neue Brücke halten, so sein Versprechen. Nur wann ein neues Bauwerk die Stadt wieder verbindet, ist die große Frage.

Die neue Brücke in Genua soll am 15. April 2020 eröffnet werden

Eine Antwort darauf gibt Marco Bucci, der Bürgermeister der Hafenstadt und Sonderkommissar für den Wiederaufbau. Am 15. April 2020 soll es so weit sein. Der erste Pfeiler ist fast fertig. Da, wo er steht, soll am Mittwoch der Toten gedacht werden. Erwartet werden nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa 450 Angehörige der Opfer.

Lesen Sie auch: Regierung will Brücke in Genua selbst wieder aufbauen

"Die Tragödie ist etwas Negatives, aber wir haben uns entschieden, sie als Chance zu nehmen, damit Genua nach dieser Phase besser dasteht als zuvor", sagt Bucci optimistisch der Ansa. Er scheut sich nicht, ein Datum für die Vollendung der neuen Brücke zu nennen - auch wenn er weiß, dass sich dieses immer wieder nach hinten verschieben könnte. "Es ist wichtig, sich ein Ziel zu setzen", meint er. Wenn es triftige Gründe für Verzögerungen gäbe, leide darunter auch die Glaubwürdigkeit nicht. Auch beim Abriss musste der Zeitplan immer wieder angepasst werden. Zum Beispiel, weil Asbest in der Brücke gefunden wurde.

Hätte der Brückeneinsturz von Genua verhindert werden können?

Der Abriss und der Wiederaufbau sind nicht alles, auf das in Genua ein Jahr nach dem Einsturz der Brücke gewartet wird. Ein Ende der juristischen Aufarbeitung der Katastrophe ist noch nicht absehbar. Gegen mehr als 70 Menschen wird inzwischen ermittelt und gegen den Autobahnbetreiber Autostrade per l’Italia, der über den Konzern Atlantia von der Familie Benetton kontrolliert wird.

Lesen Sie auch: Nach Brückeneinsturz in Genua immer noch Verkehrsprobleme

Immer noch ist die Frage offen, ob der Einsturz der Brücke hätte verhindert werden können. “Die Brücke ist eingestürzt, weil sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Wie ein Mensch, der eines natürlichen Todes stirbt”, sagte Staatsanwalt Francesco Cozzi kürzlich. “Wir müssen herausfinden, ob die Brücke hätte gerettet, geheilt werden können. Und das ist das, was wir mit den Ermittlungen überprüfen werden.”

Heute wird anders über den Einsturz der Brücke in Genua gesprochen

Der Brückeneinsturz sei im Alltag in Genua immer noch allgegenwärtig, sagt Bonacci. Aber mittlerweile werde anders darüber gesprochen. Es gehe vor allem um die Folgen des Einsturzes für das Straßennetz. Industrie- und Unternehmerverbände beziffern den entstandenen Schaden für Unternehmen in der Hafenstadt auf Hunderte Millionen Euro. Auch das Ansehen bei den Touristen sei in Mitleidenschaft gezogen worden, stellte der Verband Confesercenti fest.

Mit dem schnell angelaufenen Wiederaufbau sei die Hoffnung verknüpft worden, dass wenigstens auf der Straße die Normalität zurückkehrt. "Aber jetzt ist die Regierung zusammengebrochen", sagt Bonacci. Italien steckt mitten in einer Regierungskrise. Vergangene Woche hatte der Innenminister und Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, die Koalition mit der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung aufgekündigt.

Lesen Sie auch: Nach Genua-Unglück: „Deutsche Brücken verrotten gefährlich“

Bei der Gedenkveranstaltung werden neben dem Staatspräsidenten Sergio Mattarella dennoch Regierungsvertreter beider Lager erwartet. Doch von Geschlossenheit dürfte es keine Spur geben. Bleibt abzuwarten, ob sich die Streithähne ein Herz nehmen und ihren Konflikt für einen Tag ruhen lassen. Oder ob die Populisten das Gedenken als Bühne nutzen - und alles andere in den Schatten stellen.

dpa/RND

Zwei kleine Brüder stifteten im oberfränkischen Kulmbach Chaos. Zuerst büxten sie von zuhause aus, dann setzten sie ein Carport in Brand und stellten im Anschluss einen ganzen Keller unter Wasser. Den Sachschaden schätzt die Polizei auf 15.000 Euro.

13.08.2019

Messerattacke im Zentrum von Sydney: Ein Mann hat einer Frau mit einem Messer in den Rücken gestochen. Passanten stoppen ihn, kurz darauf entdecke die Polizei eine Leiche.

13.08.2019

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr im US-amerikanischen South Bend retteten zwei Waschbären vor Rauch und Flammen. Ein Video zeigt den ungewöhnlichen Einsatz der Rettungskräfte.

13.08.2019