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Panorama Erfahrungsbericht: So läuft die Stammzellen-Spende für den Geber
Nachrichten Panorama Erfahrungsbericht: So läuft die Stammzellen-Spende für den Geber
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17:29 09.08.2019
Stephan Hornberger hat Stammzellen gespendet. Quelle: Polizeipräsidium Bochum
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Bochum

Etwas Rückenschmerzen hat Oberkommissar Stephan Hornberger von der Wache Herne noch, als er auf der Pressestelle von seinem Eingriff erzählt. Zu dem Zeitpunkt liegt die Operation eineinhalb Wochen zurück. Stephan Hornberger hat Stammzellen gespendet – vermittelt über die Deutsche Knochenmarkspenderdatei, kurz DKMS. Der Empfänger seiner Spende: ein schwer krankes Kind.

Die Polizei berichtet in einer Pressemitteilung davon, wie es Stephan Hornberger bei der Spende ergangen ist:

Auf die Idee, sich bei der DKMS registrieren zu lassen, hat den 32-Jährigen seine Frau gebracht. Als Krankenschwester wurde sie auf das Thema aufmerksam und sprach auch ihren Mann darauf an. Fünf Jahre ist es her, dass sich beide in der Datei registrieren ließen. „Das war einfach und unkompliziert“, erinnert er sich. „Über die Webseite das kostenlose Spenderset anfordern, zuhause Speichelprobe nehmen und an die DKMS zurückschicken.“

Fünf Jahre passiert nichts. Vor vier Monaten, im März, liegt eine Mail im Postfach: Stephan Hornberger kommt als Spender infrage. Was das bedeutet, kann er anfangs gar nicht verarbeiten. Seine Frau aber macht ihm die Bedeutung bewusst: „Sie war sofort aus dem Häuschen: Ohne dich wird ein Mensch wahrscheinlich sterben, sagte sie. Du bist die letzte Chance für diesen Menschen.“

„Meine Hilfe zählt!“

An diesem Punkt wird dem Beamten das erste Mal klar: „Ich habe Verantwortung – einem Menschen gegenüber. Meine Hilfe zählt!“ Denn: Es gibt nicht unendliche viele sogenannte „genetische Zwillinge“, deren Stammzellen übereinstimmen. Tatsächlich kann es auch sein, dass nur ein Mensch weltweit mit demselben Gewebematerial ausgestattet ist und spenden kann.

„Und dann stellt man sich mal vor, man selbst ist der eine oder sogar der einzige, auf den ein anderer Mensch so dringend wartet – und man kann nicht helfen, weil man bisher zu faul oder zu desinteressiert war, sich zu melden.“ Deshalb ist es Stephan Hornberger auch ein Bedürfnis, auf das Thema aufmerksam zu machen und möglicherweise auch andere zu animieren, sich zu registrieren.

Abspringen? Kommt nicht in Frage

Dabei ist es kein großer Aufwand: Nach dem Brief muss der 32-Jährige beim Hausarzt Blut abnehmen lassen. So wird geprüft, ob er immer noch als Spender infrage kommt und ob er körperlich gesund ist. Mit dem Ergebnis wird er gefragt, ob er denn immer noch Interesse hat zu spenden.

Abspringen ist für ihn zunächst überhaupt keine Option. „Aber dann kommt man schon ins Grübeln – schließlich steht eine Operation bevor. Das ist immer mit einem Risiko verbunden. Da habe ich schon auch überlegt, ob ich als Ehemann und Vater zweier Kinder dieses Risiko mit mir vereinbaren kann“, gibt er Einblick in seine damaligen Gedanken. „Aber am Ende stand nie zur Debatte, dass ich es nicht mache – man ist doch vielleicht der letzte Strohhalm, an den sich der Mensch, der so schwer erkrankt ist, klammert.“

Zwei Methoden gibt es, um Stammzellen zu entnehmen

Mitte Juni, knapp sechs Wochen nach dem Brief, steht eine Voruntersuchung an. Stephan Hornberger wird über das Vorgehen und auch die Risiken aufgeklärt. Er zählt zu den 20 Prozent der Fälle, bei denen die Stammzellen tatsächlich über das Knochenmark entnommen werden. In den meisten Fällen reicht eine Spende über das Blut aus. Hier wird das Blut – vereinfacht gesagt – am einen Arm abgepumpt, sozusagen gefiltert und am anderen Arm wieder eingeführt.

Bei dem 32-Jährigen allerdings ist eine Operation am Rücken notwendig. In den meisten Fällen kann man wählen, in diesem Fall hilft dem Patienten nur die Knochenmark-Spende. „Gerne hätte ich gewusst, für wen ich das tue. Ich hatte großen Respekt vor der Operation, vor allem vor dem Kontrollverlust. Zu wissen, wem ich damit helfe, hätte es mir leichter gemacht“, erzählt der Herner Polizist. Zu diesem Zeitpunkt darf er das aber nicht erfahren.

Spender und Patient kennen sich nicht

Es gibt klare Regeln zu den Informationen, die über Spender und Patient ausgetauscht werden. Im Vorfeld weiß Stephan Hornberger nur, dass er einem Kind hilft. Das Alter, das Land oder die Krankheit? Unbekannt. „Dafür gibt es klare Regeln und das kann ich auch verstehen. Es wäre auch nicht gerecht, seine Spende daran festzumachen, ob man nun einem Kind oder einem älteren Menschen hilft oder woher dieser Mensch stammt.“

Eine Woche nach der Operation bekommt der Spender etwas mehr Informationen. Der Polizeioberkomissar erfährt, dass er einem Kind, einem Jungen aus Deutschland geholfen hat. In unregelmäßigen Abständen wird er künftig Informationen darüber bekommen, wie es dem Jungen nach dem Eingriff geht. Aber erst nach Ablauf von zwei Jahren wird er - sofern er und der Patient das möchten - Näheres erfahren. Auch ein Kennenlernen ist dann möglich. „Das würde ich gerne wissen. Ich möchte schon gerne erfahren, ob meine Spende helfen konnte und wie es dem Kind dann geht.“

Schon jetzt könnte Stephan Hornberger anonym mit seinem „genetischen Zwilling“ in Briefkontakt treten – die DKMS übermittelt die Zeilen. Das aber möchte er zum jetzigen Zeitpunkt nicht: „Ich würde mich freuen, wenn sich die Familie bei mir meldet und wir in Kontakt treten. Ich möchte aber nichts verlangen, ich habe freiwillig gespendet – und damit ist es auch gut.“

Von RND/kha

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