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Panorama Erneute Gesteinslawine in Graubünden
Nachrichten Panorama Erneute Gesteinslawine in Graubünden
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18:18 25.08.2017
Schlamm und Gesteinsbrocken werden in Bondo im Kanton Graubünden geräumt. Quelle: dpa
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Bondo

Der sogenannte Murgang ereignete sich zwei Tage nach dem verheerenden Bergsturz in der Schweiz. Zunächst berichtete am Freitagnachmittag eine Reporterin der Schweizer Zeitung „Blick“, dass am Berg Piz Cengalo eine neue Staubwolke zu sehen gewesen sei. Wenige Stunden später bestätigte die Polizei den erneuten Felssturz nahe dem Dorf Bondo. Die Geröll- und Schlammlawine direkt neben dem Dorf sei erneut in Bewegung geraten.

Die Rettungskräfte, die in den höheren Bergregionen nach den acht Vermissten von Mittwoch suchten, konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, teilte die Polizei am Freitag mit. Unter den Vermissten waren vier Deutsche aus Baden-Württemberg, wie die Polizei erklärte. Die Hoffnung, sie noch lebend zu finden, sei weitgehend geschwunden.

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Geologen warnten bereits am Mittwoch vor weiteren Felsabbrüchen

Die neuen Geröll- und Schlammmassen schoben sich wieder am Dorf Bondo vorbei, das schon am Mittwoch nur knapp einer Katastrophe entgangen war. Reporter vor Ort beobachteten dies. „Der Berg rutscht wieder! Dächer treiben vorbei!“ meldete eine Reporterin von „Blick“.

Geologen hatten davor gewarnt, dass weitere Felsabbrüche am 3369 Meter hohen Piz Cengalo zu erwarten seien. Dort waren am Mittwoch im Gipfelbereich vier Millionen Kubikmeter Fels abgebrochen und ins Bondasca-Tal gedonnert. Kurz darauf ging der Murgang mit Geröll und Schlamm ab und schob sich kilometerweit ins Tal.

Klimatische Veränderungen verursachen höhere Steinschlaggefahr

Die Suchaktion nach den Vermissten war am Freitag fortgesetzt worden. „Da sucht man jeden begehbaren Winkel ab“, sagte Polizeisprecher Markus Walser. „Doch irgendwann kommt die Zeit, wo man sagt, man hat alles getan.“ Es gebe Gebiete, in denen der Zugang für Rettungskräfte zu gefährlich sei, sagte er - kurz darauf passierte der neue Murgang.

Auch wenn so große Bergstürze wie am Mittwoch äußerst seltene Ereignisse sind, sind sich Experten sicher, dass durch die klimatischen Veränderungen eine höhere Steinschlaggefahr herrscht als früher. Der Fels wird instabil, wenn Permafrost auftaut und Gletscher zurückgehen. Beides haben Forscher des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung in Davos seit Jahren dokumentiert.

Von RND/dpa