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Panorama Frau (18) von Jugendlichen vergewaltigt: „Wir waren alle hier und keiner hat was mitbekommen“
Nachrichten Panorama Frau (18) von Jugendlichen vergewaltigt: „Wir waren alle hier und keiner hat was mitbekommen“
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18:42 08.07.2019
In der Nähe dieses Spielplatzes ist eine junge Frau von einer Gruppe Jugendlicher überfallen und sexuell missbraucht worden. Quelle: Roland Weihrauch/dpa
Mülheim/Ruhr

„Es ist richtig furchtbar. Wir waren alle hier und keiner hat was mitbekommen.“ Die 26-Jährige ist auch drei Tage nach der Vergewaltigung einer jungen Frau in Mülheim an der Ruhr noch immer geschockt. Sie wohnt unweit des mutmaßlichen Tatorts und ist seitdem verunsichert: Als sie am Sonntag aus der Nachbarschaft spät nach Hause wollte, habe sie sich begleiten lassen. „Man hat ein mulmiges Gefühl, wenn man weiß, hier wurde eine erwachsene Frau von Kindern verschleppt.“

Bei dem Verbrechen war am Freitagabend eine Frau vergewaltigt worden. Anwohner hatten die Polizei gerufen. Dringend tatverdächtig sind drei 14-Jährige und zwei 12-Jährige. Einer der 14-Jährigen ist am Montagabend in Haft genommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft Duisburg mit. Der Tatort soll in einem Waldstück nahe einem Spielplatz liegen. Die Tatverdächtigen wurden am Wochenende von der Polizei befragt und anschließend ihren Eltern übergeben. Alle fünf sind bulgarischer Nationalität.

Im Video: Frau in Mülheim vergewaltigt – Ermittlungen gehen weiter

Nach Angaben der Stadt sind vier von ihnen in der Stadt Mülheim gemeldet. Der Wohnort des fünften war laut Stadt am Montag noch unklar. Vor den Sommerferien sollen die fünf tatverdächtigen Jugendlichen nicht mehr zur Schule gehen. „Entsprechende Verfügungen werden derzeit vorbereitet“, erklärte die Bezirksregierung Düsseldorf. Die Verantwortlichen nähmen die Sorgen der Eltern der Mitschüler sehr ernst, hieß es zur Begründung. Der erste offizielle Tag der Sommerferien ist der 15. Juli.

Sexualdelikt in Mülheim: Jugendamt besucht Familien der Verdächtigen

Bei zwei der vier Mülheimer Tatverdächtigen sei das Jugendamt schon vor der Tat in den Familien aktiv gewesen, berichtete Mülheims Sozialdezernent Marc Buchholz am Montag. „Was Gegenstand der Tätigkeit war, muss noch recherchiert werden. Da sind wir dabei, das aufzubereiten.“ Er machte keine Angaben darüber, welches Alter diese beiden Personen haben.

Noch am Montag sollten Mitarbeiter des Jugendamtes zusammen mit dem kommunalen sozialen Dienst (KSD) die Familien der Tatverdächtigen aufsuchen, um Hilfe anzubieten und zu überprüfen, ob sie mit der Situation überfordert sind. „In diesem Fall ist auch eine Inobhutnahme möglich“, sagte eine Stadtsprecherin. Kontakt gebe es auch zur Familie des Opfers, sagte Buchholz.

„Die Zeugen haben perfekt reagiert“, lobte Essens Polizeisprecher Peter Elke am Montag die Anwohner, die Polizei gerufen hatten. Sie seien trotz der Dunkelheit am Freitagabend ins Freie gegangen, als der Hund anschlug. Auf einer Grünfläche hätten die Zeugen die Frau in einer hilflosen Position sowie zwei Verdächtige gesehen – und den Notruf gewählt.

Verdächtige Jugendliche sind türkischsprechende Bulgaren

Kurz darauf hielt eine Streifenwagenbesatzung eine Gruppe von fünf Kindern und Jugendlichen an, auf die teils die Beschreibung passte. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“, sagte der Polizeisprecher, seien die fünf an der Tat beteiligt. Alle hätten zu dem Vorwurf der schweren Sexualstraftat ausgesagt. „Es muss nur geklärt werden, welche Person welchen Anteil am Tatgeschehen hatte.“

Die beiden Zwölfjährigen und die drei 14-Jährigen sind nach Polizeiangaben türkischsprechende Bulgaren. Die älteren Tatverdächtigen verbrachten die Nacht zu Samstag jeweils allein in einer Polizeizelle. „Das ist schon sehr ungewöhnlich, insbesondere, wenn es um Jugendliche geht“, sagte der Polizeisprecher.

Das verletzte Opfer konnte nach Kenntnis der Polizei im Laufe des Samstags das Krankenhaus verlassen. Es soll sich um eine 18-Jährige handeln. Genaue Angaben machten die Ermittler aus Gründen des Opferschutzes nicht.

„Wir fordern seit Jahren, dass das Alter für die Strafmündigkeit herabgesetzt wird“

Über das Vorleben der extrem jungen Tatverdächtigen weiß die Polizei nicht viel. Die Daten der nicht strafmündigen Kinder dürfen nicht gespeichert werden. „Einer der 14-Jährigen ist nach jetzigem Kenntnisstand schon mal polizeilich in Erscheinung getreten“, berichtete Elke, nannte aber keine weiteren Details.

Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt erklärte dazu: „Wir fordern seit Jahren, dass das Alter für die Strafmündigkeit in Deutschland herabgesetzt wird.“ Ein Vorteil wäre, dass Jugendämter mit den 12- und 13-Jährigen nicht mehr alleingelassen würden und den Kindern über die Jugendgerichtshilfe frühzeitig geholfen werden könne.

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Der Spielplatz liegt in einem unscheinbaren Stadtviertel, nicht weit weg von der Innenstadt. Die großzügige Anlage ist eingebettet in einen hügeligen Park, umgeben von Reihenhäusern und kleineren Mehrfamilienhäusern mit Gärten. In der Nähe befinden sich eine Grundschule und der Radschnellweg Ruhr. Über ihn sollen zwei Täter am Freitagabend zunächst geflüchtet sein.

Der Fall erinnert an die Gruppenvergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens im April 2018 in Velbert. Die Jugendlichen hatten die Schülerin nach einem Freibadbesuch abgepasst, in ein Waldstück geführt und sich dort an ihr vergangen. An der Tat waren acht Jugendliche aus Bulgarien beteiligt, die der türkischen Minderheit in dem Land angehören. Sie wurden verurteilt, teils zu mehrjährigen Haftstrafen.

Von RND/dpa