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Panorama Bad Segeberger Ehepaar entmüllt seit Jahrzehnten die Welt
Nachrichten Panorama Bad Segeberger Ehepaar entmüllt seit Jahrzehnten die Welt
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18:00 26.11.2018
Das Ehepaar Margrit und Erwin Prochnow aus Bad Segeberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Stadt zu entmüllen. Quelle: FOTO: Michael Stamp
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Bad Segeberg

673 Schnapsflaschen lagen im Knick. In Worten: sechshundertdreiundsiebzig. Garniert wurde das Altglas mit (natürlich benutzten) Kondomen und diversen Spritzbestecken. Dieses umfangreiche Sortiment haben Margrit und Erwin Prochnow an einem einzigen Tag auf dem Gelände einer örtlichen Diskothek gesammelt. Müll einfach liegen lassen? Das können die beiden Senioren nicht. Seit Jahrzehnten heben sie all das vom Boden auf, was ihre Mitmenschen gedankenlos wegwerfen. Ob im Urlaub auf Fuerteventura, in ihrer ehemaligen Heimat an der Nordsee oder in ihrem neuen Zuhause in Bad Segeberg. Meist ernten die freiwilligen Müllsammler dafür Lob – aber nicht immer.

Die Prochnows stammen aus Ostrohe, einer 1000-Seelen-Gemeinde in Dithmarschen. Dort war Erwin Prochnow als „radelnder Bürgermeister“ bekannt, der 16 Jahre lang ehrenamtlich die Amtsgeschäfte leitete und stets mit Drahtesel durch den Ort kurvte. Beruflich war der heute 81-Jährige als Personalchef bei der Telekom in Heide tätig. Seine jetzt 75-jährige Frau, eine gelernte Arzthelferin, konzentrierte sich auf die Erziehung der beiden Kinder und arbeitete später an einer Hotelrezeption. Als sie Urlaub auf den Kanaren machten, landete der Müll aus dem Atlantik den Prochnows einst direkt vor den Füßen. „Da wurde haufenweise Plastik angeschwemmt“, schildert Erwin Prochnow. „Wir konnten das nicht mit ansehen.“ Haben sie auch nicht. Wenig später steckte das Plastik in Müllbeuteln. Passanten waren fassungslos. „Müssen Sie das tun?“, lautete die bange Frage. Erwin Prochnow ließ seinen trockenen Humor aufblitzen: „Wir haben Auftrag vom Umweltminister in Madrid. Dann dürfen wir auch wiederkommen.“

Auch in Büsum, wo die Prochnows 20 Jahre lang wohnten, lag jede Menge Unrat am Strand. „Die Nordsee will den Dreck auch nicht haben und spuckt ihn wieder aus“, sagt Margrit Prochnow. „Unsere Wiesen und Wälder können das leider nicht.“ Genau deshalb ziehen die Prochnows mindestens zweimal pro Woche los.

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Bad Segeberger Ehepaar entmüllt seit Jahrzehnten die Welt

Was die Großmütter von heute auf die Straßen treibt

Erwin Prochnow hat stets sein Fahrrad dabei; seine Frau nutzt einen Plastikgreifer, damit sie sich nicht so bücken muss. Die Prochnows kennen die „Schmuddelecken“ der Kreisstadt wohl besser als jeder andere. „Man ärgert sich aber besonders über die zerborstenen Glasflaschen“, sagt Erwin Prochnow. Er selbst schneidet sich oft an den Scherben. Ans Aufhören hat er trotz der Blessuren nie gedacht. Nur ein paar wenige Euros erwirtschaften die Eheleute mit ihrer ökologischen Sammelleidenschaft. Sie geben gefundene Mehrwegflaschen ab und kassieren das Pfand. Verärgert waren die Prochnows, als sie beim städtischen Bauhof um ein paar kostenlose Müllsäcke baten und von einem Mitarbeiter regelrecht abgebürstet wurden. Ihnen wurde unterstellt, die Beutel für ihren Privatmüll nutzen zu wollen – obwohl das Ehepaar bei der Stadtverwaltung inzwischen bestens bekannt ist. Außerdem gab es eine Diskussion, ob man an Kreis-, Landes- oder Bundesstraßen überhaupt sammeln darf. Wenig später erhielten sie einen Brief, in dem Bürgermeister Dieter Schönfeld um Verzeihung für den unschönen Zwischenfall bat und zugleich das Engagement der beiden Rentner lobte. Die Müllsäcke gab es obendrein. Auch die Deutsche Bundesbahn hat ein Dankesschreiben geschickt.

Manche Passanten schauen betreten weg, wenn Margrit und Erwin Prochnow den Müll vom Wegesrand wegpflücken. Sie empfinden diese Tätigkeit wohl als etwas schäbig. Andere wiederum reagieren sehr nett – so wie Busfahrer Jan Anton. Er hatte die Prochnows bei seinen Touren mit dem Stadtbus schon des Öfteren bei ihrem ungewöhnlichen Hobby beobachtet. Er stieg aus, dankte ihnen und überreichte eine kleine Bibel, versehen mit einer persönlichen Widmung: „Ich finde Ihre Arbeit eine Gnade.“

Michael Stamp

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